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Richtungskörper bei Ascaris megalocephala sei eine karyokinetische Zellteilung, so ist er uns den Beweis hierfür in beiden Arbeiten schuldig geblieben.

Mit diesen Untersuchungen der beiden deutschen Forscher stehen diejenigen Van Beneden's und Carnoy's in einem fundamentalen Widerspruch, unter sich aber, trotz aller äußerlichen Gegensätze, im Grunde auf dem gleichen Standpunkt. Die Hauptdifferenzen zwischen den beiden belgischen Forschern beruhen auf der Verschiedenheit der untersuchten Objekte. Berücksichtigt man dies, so wüßte ich nicht, wie sich Van Beneden eine schönere Bestätigung seiner Lehre von der Richtungskörperbildung hätte wünschen können als die Arbeit Carnoy's. Beide Forscher suchen den Beweis zu führen, daß die chromatischen Elemente des Keimbläschens sich nicht, wie bei der typischen Karyokinese, teilen, sondern daß dieselben ungeteilt zu zwei seitlichen Gruppen auseinanderweichen, von denen die eine als erster Richtungskörper ausgestoßen wird, die andere im Ei verbleibt, worauf die Wiederholung des gleichen Vorgangs an den zurückgebliebenen Elementen zur Bildung des zweiten Richtungskörpers führt. Gegen diese prinzipielle Übereinstimmung sind alle Differenzen, so besonders im Verhalten der achromatischen Figur, von untergeordneter Bedeutung.

Obgleich beide Autoren die Richtigkeit des von ihnen aufgestellten Entwicklungsganges für völlig erwiesen halten, so lehrt doch eine aufmerksame Betrachtung ihrer Abbildungen, daß gerade am entscheidenden Punkt, da, wo nachgewiesen werden müßte, daß jede der beiden Tochtergruppen mit einer der beiden auf früheren Stadien in der Äquatorialebene nebeneinander gelegenen Chromatingruppen identisch sei, daß gerade hier eine Lücke besteht, welche auch durch die große Anzahl der Figuren nicht überbrückt werden kann. Wir bekommen zwar eine erstaunliche Mannigfaltigkeit von Bildern zu sehen, aber keine Reihe, in der das eine klar aus dem andern sich ableiten ließe.

Aus dem Gesagten wird sich ergeben haben, daß eine erneute Untersuchung des Gegenstandes keine überflüssige Arbeit ist.

Carnoy selbst spricht den Wunsch aus, daß ein unbeeinflußter Beobachter eine Nachprüfung unternehmen möge. Nach längerer Beschäftigung mit unserem Objekt glaube ich nun endgültig den Beweis liefern zu können, daß der Prozeß der Richtungskörperbildung, wie bei allen anderen untersuchten Eiern, so auch bei Ascaris megalocephala als typische karyokinetische Zell teilung verläuft, worunter ich die Teilung der möglichst in der Äquatorialebene einer zweipoligen faserigen Figur gelagerten chromatischen Elemente in je zwei Hälften und die Wanderung der beiden Hälften eines jeden Elements nach entgegengesetzten Polen verstehe.

Daß dies für die von mir untersuchten Eier zutrifft, wird aus meiner Beschreibung zur Genüge hervorgehen. Allein nachdem einmal Variabilität für die Eier von Ascaris megalocephala nachgewiesen ist, könnte man der Ansicht sein, daß außer dem von mir konstatierten Teilungsmodus noch ein anderer sich finden möchte, daß ein solcher in den Bildern Van Beneden's und Carnoy's zu erblicken wäre.

Es wird deshalb meine Aufgabe sein, 1) darzuthun, daß ich die gleichen Objekte untersucht habe, wie alle anderen Autoren, 2) zu zeigen, daß die abweichenden Figuren derselben durch die Behandlungsweise bedingt sind, daß man bei Anwendung geeigneter Methoden nur typische Teilungsfiguren erhält, 3) die Bilder meiner Vorgänger im einzelnen einer genauen Prüfung zu unterziehen, festzustellen, wie weit die behauptete Entwickelung eine aus pathologischen Figuren konstruierte ist, und womöglich den Punkt aufzudecken, wo von diesem Irrweg aus der Sprung zu den normalen Endstadien der Teilung gemacht wird.

Methode der Untersuchung.

Nachdem mir einmal der Verdacht aufgestiegen war, daß ein Teil der Van Beneden'schen Bilder durch das langsame Absterben der Eier bedingt sein könne, tötete ich dieselben durch Hitze, und zwar dadurch, daß ich die Eiröhren in kochenden absoluten Alkohol, dem 1 "/o Eisessig zugesetzt war, auf einige Sekunden eintauchte. Durch dieses Verfahren werden nicht nur die Eier sofort getötet, sondern auch die Eihüllen momentan für das Reagens durchgängig.

Die Eiröhren blieben noch einige Stunden in dem gleichen, allmählich erkaltenden Gemisch, wurden dann in reinen Alkohol übertragen, gefärbt und in Glycerin oder Nelkenöl untersucht. Dabei zeigten sich denn in allem wesentlichen nur solche Bilder, wie wir sie an anderen Objekten zu sehen gewohnt sind, reguläre achromatische Spindeln mit chromatischer Äquatorialplatte oder mit Tochterplatten, keine Spur von Protoplasmastrahluug. War damit auch so ziemlich der Nachweis geliefert, daß der von Van Beneden und Carnoy aufgestellte Entwickelungsmodus nicht existiert, so waren die durch die genannte Methode erhaltenen Präparate doch nicht so klar, daß sich an denselben alles Detail hätte feststellen lassen. Denn bei aller prinzipiellen Übereinstimmung mit anderen Objekten bietet der Prozeß bei Ascaris megalocephala doch gewisse Besonderheiten dar, so daß er sich nicht ohne weiteres auf ein bekanntes Schema zurückführen läßt.

Ich wandte daher wieder kalte Reagentien an, Alkohol in verschiedener Konzentration mit und ohne Essigsäure, Salpetersäure und vor allem Pikrin-Essigsäure. Diese letztere Mischung ergab mir weitaus die besten Resultate, so daß ich sie zuletzt ausschließlich benutzte. Dabei verfuhr ich folgendermaßen: Eine konzentrierte wässerige Lösung von Pikrinsäure wird mit zwei Teilen Wasser verdünnt und dieser I<ösung dann 1 °/0 Eisessig zugesetzt. In diese Mischung werden die Eiröhren gebracht und so lange darin belassen, bis die mikroskopische Untersuchung die Fixation der Eier ergiebt, mindestens aber 24 Stunden. Nach sehr sorgfältigem Auswaschen in 70°/,, Alkohol kommen die Eiröhren auf 24 Stunden in Grenacher's alkoholisches Boraxkarmin, 24 Stunden in 70°/0igen Alkohol mit 1 °/0 Salzsäure, dann in reinen Alkohol. Die Untersuchung in Glycerin ist derjenigen in Nelkenöl oder Harz entschieden vorzuziehen. Bringt man die Eiröhren aus dem Alkohol in eine Mischung von 1 Teil Glycerin auf 3 Teile Alkohol absol. und läßt diese so lange stehen, bis der Alkohol verdunstet ist, so erhält man die Eier ohne alle Schrumpfung.

Was nun die Konservierung der so behandelten Eier betrifft, so ist dieselbe eine sehr wechselnde. Man muß sich, wie überhaupt bei Anwendung kalter Reagentien, auf den Zufall verlassen. Offenbar je nach der Konstitution der Eihüllen, also von Umständen abhängig, die wir nicht in der Hand haben und die individuell, d. h. von einem Wurm zum andern, ja selbst von einem Ei zum andern sehr variieren, werden die Eier bald rasch fixiert, bald erst, nachdem sie mehr oder weniger tiefgreifende Veränderungen erlitten haben. Selbst in den günstigsteu Fällen erhält man neben völlig normalen Präparaten, die von einer Schönheit und Klarheit sind, daß ich von viel leichter zu behandelnden Objekten keine besseren gesehen habe, mehr oder weniger pathologische Bilder, die jedoch einerseits durch den Vergleich mit den durch Hitze abgetöteten Eiern, andererseits schon dadurch, daß sie, gleichsam wie Sackgassen, nicht weiter führen, leicht als solche erkannt werden können.

Ich habe auf diese Weise vielfach die gleichen oder ähnlichen Bilder bekommen, wie sie in den Figuren Van Beneden's, Carnoy's und Nussbaum's wiedergegeben sind, niemals jedoch die von Carnoy abgebildeten komplizierten Protoplasmastrahlungen, sei es nun, daß diese durch eine individuelle Eigentümlichkeit der von ihm untersuchten Eier, sei es, daß sie durch die Wirkungsweise seiner Konservierungsmethode bedingt sind.

Schließlich will ich nicht unerwähnt lassen, daß mir die Betrachtung eines und desselben Eies von verschiedenen Seiten durch Rotieren desselben vermittelst einer Verschiebung des Deckglases von großem Wert war. Dieses Verfahren, welches in einfachster Weise lehrt, wie die verschiedenen Bilder, die man nebeneinander findet, aufeinander zurückzuführen sind, ist, wie mir scheint, von meinen Vorgängern zu sehr vernachlässigt worden. So glaube ich besonders, daß einzelne Figuren, die Van Beneden als aufeinanderfolgende Stadien beschreibt, nur verschiedene Ansichten des gleichen Stadiums repräsentieren.

Ehe ich an eine Beschreibung meiner Befunde gehe, möchte ich ein paar Worte über die Terminologie sagen, die ich bis jetzt gebraucht habe und auch im Folgenden anwenden werde. So sehr ich geneigt wäre, die einfachen und für gewisse Teilungen vorzüglich passenden Bezeichnungen Flemming's Zu benutzen, so ungeeignet würde mir der Gebrauch dieser Terminologie für das vorliegende Objekt scheinen. Auf meinen Tafeln ist von Aster und Dyaster, Spirem und Dispirem nichts zu sehen, und auch von der Metakinese kann hier nicht die Rede sein. Es hieße dem Objekt Zwang anthun, wollte man die einzelnen Teilungsphasen mit den Flemming'schen Ausdrücken belegen. Wir besitzen eben noch keine allgemein anwendbare Terminologie und, solange eine solche nicht geschaffen ist, bleibt nichts übrig, als für die entsprechenden Stadien verschiedenartiger Teilungen verschiedene Bezeichnungen zu gebrauchen. Für die folgende Beschreibung genügen mir die Ausdrücke „Äquatorialplatte" und „Tochterplatte", welche, dem Flemming'schen Aster und Dyaster entsprechend, hinlänglich bekannt und prägnant sind. Handelt es sich einmal darum, eine für alle Teilungen passende Terminologie aufzustellen, so wird dieselbe sicherlich mehr au diese Ausdrücke als an die Flemming'schen anzuknüpfen sein.

Ich bespreche die Reifung der beiden Ei-Varietäten getrennt und bezeichne dieselben nach den Autoren, welche die ausführlichste Beschreibung einer jeden gegeben haben, als „Typus Carnoy" und „Typus Van Beneden".

a. Typus Carnoy.

Indem ich die Darstellung der Entstehung der Eier und der allmählichen Ausbildung des Keimbläschens, worüber meine Untersuchungen noch nicht völlig zum Abschluß gelangt siud, auf eine spätere Mitteilung verschiebe, beginne ich die Beschreibung mit jenem Zustande der Eier, in dem dieselben sich von der Rachis abgelöst haben und, abgerundet, zur Aufnahme des Spermatozoons reif sind.

Dabei beschränke ich mich in der Hauptsache auf den Bau und die Umwandlungen des Kerns, da ich in Bezug auf die Zellsubstanz den Resultaten meiner Vorgänger, besonders den detaillierten Angaben Van Beneden's nur wenig Neues hinzuzufügen habe. In Fig. 7 und 1—6 (Taf. I) habe ich eine Serie von Eiern von dem Moment der Kopulation der Geschlechtszellen bis zur beginnenden Ausbildung von Ei- und Spermakern dargestellt, an welcher die allmählichen Umbildungen des Eileibes leicht verfolgt werden können.

Das Keimbläschen ist in dem oben genannten Stadium annähernd kugelig und wird von einer starken, deutlich doppelt konturierten Membran umschlossen, welche vollkommen homogen erscheint. Die äußere und innere Oberfläche derselben zeigen ein verschiedenes Verhalten; die Grenze gegen die Zellsubstanz ist stets eine sehr scharfe, was um so deutlicher hervortritt, als die Kernmembran und mit ihr die ganze achromatische Kernsubstanz an den Pikrin-Essigsäure-Präparaten ein stärkeres Lichtbrechungsvermögen besitzt, als alle Bestandteile des Zellleibes. Dagegen läßt sich zwischen der inneren Fläche der Membran und der achromatischen Kernsubstanz eine scharfe Grenzlinie nicht ziehen. Der erste Eindruck, den man von dieser im Kernraum, soweit derselbe nicht von den chromatischen Elementen eingenommen wird, gleichmäßig verteilten Substanz erhält, ist der, daß dieselbe aus dicht gelagerten, relativ groben Körnern besteht. Allein bei genauerer Analyse läßt sich mit Sicherheit die An

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