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Grund — ist die Substanz, um die es sich hier handelt, mit dem Protoplasma Kupffer's nicht identisch. Denn es besteht im Ascaridenei neben und unabhängig von derselben das oben bereits erwähnte und in Fig. 10 und 11 gezeichnete Retikulum, das höchst wahrscheinlich dem in anderen Zellen erkannten Fadenwerk gleichzusetzen ist und das sich vou jener Substanz nicht nur durch seine Thätigkeit in der Zelle, sondern auch durch sein Verhalten gegen Reagentien ganz scharf unterscheidet. Damit ist aber zugleich der von Flemming für Kupffer's „Protoplasma" eingeführte Name: „Filarmasse" und Hanstein-straskurger's Bezeichnung: „Hyaloplasma", ebenso wie die Leydia'sche Benennung: „Spongioplasma" ausgeschlossen. Es ist möglich, daß diese vier Benennungen den Zellbestandteil, von dem hier die Rede sein soll, mit umfassen; allein wenn dies auch der Fall sein sollte, so bezeichnen sie doch jedenfalls mehr und daneben Teile von ganz verschiedenem Wert. Es ergiebt sich also das Bedürfnis nach einem neuen Namen, und so schlage ich gleich hier, um in der Folge alle Umschreibungen vermeiden zu können, den Ausdruck „Archoplasma" vor, eine Bezeichnung, die bequem ist und zugleich durch ihre Ableitung von Hqxwv die Rolle, welche das zu beschreibende Plasma in der Zelle spielt, einigermaßen andeutet.

Der Nachweis, daß das Archoplasma eine von den übrigen Zellbestandteilen verschiedene Substanz ist, läßt sich durch eine Reaktion derselben auf die Pikrin-Essigsäure führen. Wirkt diese Säuremischung in bestimmter Weise auf das Ei von Ascaris megalocephala ein, so verquellen alle Bestandteile der Zellsubstanz: Grundmasse, Fäden, Körnchen und Dotterkörper zu einer homogenen, leicht vakuolisierten, durchsichtigen Masse, in der nur die Struktur der Kerne und des Archoplasmas sich erhält.

So klar und beweisend diese Reaktion aber auch ist, so hat dieselbe doch den großen Mangel, daß sich ihr Eintreten nicht willkürlich hervorrufen läßt. Denn die Reaktion ist nicht oder wenigstens nicht ausschließlich in einer Eigenschaft der Konservierungsflüssigkeit begründet, sondern wesentlich bedingt durch den Widerstand, den die Eihüllen dem Eindringen des Reagens entgegensetzen, und zwar kommt hier ganz besonders die innere Perivitellinschicht in Betracht. Während die Pikrin-Essigsäure in der von mir gebrauchten Zusammensetzung alle Eier, die diese innere Hülle noch nicht gebildet haben, ziemlich gleichartig konserviert, liefert sie von Eiern nach Ausscheidung dieser Substanz sehr verschiedene Bilder. Einzelne Präparate bewahren nahezu

das Aussehen lebender Eier, andere zeigen sehr deutlich das in die Grundsubstanz eingebettete Fadenwerk, bei anderen ist nur die Archoplasmastruktur erhalten. Eine Vergleichung der Fig. 38,

Taf. II, und 51, Taf. III, vermag eine Vorstellung zu geben, wie sehr zwei Eier des gleichen Muttertieres, die sich auf dem nämlichen Stadium befinden und die bis zur Glycerineinbettung miteinander genau den gleichen Prozeduren unterworfen worden sind, in ihrem Aussehen differieren können. Die Unterschiede lassen sich kaum anders erklären als dadurch, daß die Konzentration des Reagens, wenn dasselbe mit den einzelnen Eiern in Berührung kommt, eine sehr verschiedene ist, wobei vielleicht auch das Mischungsverhältnis der beiden Säuren von dem ursprünglichen mehr oder weniger abweicht. Experimentelle Untersuchungen in dieser Richtung konnte ich aus Mangel an Material bis jetzt leider nicht anstellen. Nach den Untersuchungen von VAN BENEDEN und NEYT (14) scheint es, daß die Essigsäure, und zwar eine sehr starke Essigsäure, das Eintreten der Reaktion bedingt. Die genannten Autoren haben die Eier, an denen sie die Entstehung der karyokinetischen Figur erforscht haben, mit Eisessig oder mit einer Mischung von Eisessig und absolutem Alkohol zu gleichen Teilen fixiert. An diesen Präparaten scheinen, nach den Zeichnungen zu urteilen, alle Bestandteile der Zellsubstanz, mit Ausnahme des Archoplasmas, zu einer homogenen, durchsichtigen Masse verquollen zu sein, gerade wie an einem Teil meiner Pikrin - Essigsäurepräparate. Geht man also darauf aus, an anderen Zellen die gleiche Isolation des Archoplasmas zu erzeugen, so wird wohl eine sehr konzentrierte Essigsäure die meisten Aussichten auf Erfolg bieten.

Man wird aus dem Gesagten den Eindruck gewinnen, daß die Präparate, auf die hier eine neue Struktur der Zelle gegründet werden soll, schlecht konserviert sind, und wenn gut konserviert so viel heißt wie: möglichst dem lebenden Zustand entsprechend, so ist der Erhaltungszustand der in Frage kommenden Eier in der That ein schlechter. Denn viele Strukturen, die im lebenden Zustand und bei anderer Behandlungsweise konstatiert werden können, sind an diesen Eiern, welche das Archoplasma in seiner Reinheit darstellen, fast vollkommen zerstört. Es müssen hier also ohne Zweifel tiefgreifende Veränderungen in der Zellsubstanz vor sich gegangen sein, und so ist der Verdacht naheliegend, daß die zu beschreibenden Strukturen, wenn auch einer realen Grundlage nicht eptbehrend, so doch mehr oder weniger artifizielle seien. Das segmentiert. Ich selbst habe einen ununterbrochenen Kernfaden nie gesehen, obgleich ich frühere Stadien als die beiden genannten Forscher analysiert habe. Denn meine Fig. 22, in der ich zwei völlig getrennte Fäden mit Sicherheit nachweisen kann, repräsentiert eine viel jüngere Phase des Knäuels, als ZACHARIAS' Fig. 27 (Taf. X) und van BENEDEN's Fig. 11 (Taf. XIX bis), die frühesten Bilder, in denen diese Autoren das gesamte chromatische Material der Kerne darstellen. Zunächst folgt also aus meinen Präparaten, daß die Segmentierung schon viel früher eintreten kann, als jene Forscher dies angeben. Bedeutungsvoller scheint mir eine zweite Thatsache zu sein. Ich habe häufig beobachtet, daß die zwei Fäden mit ihren Enden dicht aneinander liegen, so daß nur eine schmale achromatische Unterbrechung (ich kann nicht sagen, ob ein geformtes achromatisches Verbindungsstück) erkennen läßt, daß kein kontinuierlicher Knäuel mehr vorliegt. Man wird diese Bilder so deuten, daß hier der Faden gerade im Begriff sei, sich zu segmentieren, oder daß die Spaltung soeben beendet sei.

Und diese Erklärung ist gewiß richtig, wenn es überhaupt feststeht, daß jemals ein einziger Faden vorhanden ist. Dies scheint mir jedoch durchaus nicht erwiesen zu sein. Nach meinen Präparaten ist die Möglichkeit offen zu halten, daß in einem nur scheinbar einheitlichen Faden doch von Anfang an die zwei Elemente bereits völlig gesondert bestehen und nur miteinander verklebt sind. Gegen diese Annahme können auch die Präparate von VAN BENEDEN und ZACHARIAS nichts beweisen; denn daß die Unterbrechung, die ich in meinen Präparaten habe auffinden können, an den in regelmäßigen Abständen stark eingeschnürten Fäden, die den genannten Autoren vorgelegen haben, sich kaum wird nachweisen lassen, ist einleuchtend. Wir werden unten in den Kernen der beiden ersten Furchungskugeln ein sehr schönes Beispiel dafür kennen lernen, daß die einzelnen chromatischen Elemente mit von Anfang an yöllig freien Enden aus dem Kerngerüst hervorgehen können, daß also der kontinuierliche Knäuel – mag er nun wirklich oder nur scheinbar einheitlich sein – kein wesentliches Moment der Karyokinese darstellt.

Während die zwei Elemente eines jeden Kernes sich immer mehr verkürzen, zeigen sich Veränderungen der Vakuole, welche schließlich zu deren völligem Verschwinden führen. Nach den verschiedenen Bildern, die ich von diesen Veränderungen gesehen habe, kann ich es mir nicht anders erklären, als daß die Auflösung des Kernbläschens nicht stets in der gleichen Weise erfolgt. In einzelnen Kernen sieht man, ohne daß sich irgend eine Veränderung oder Unterbrechung der Membran nachweisen ließe, den anfangs ganz lichten Kernraum von einer immer dichteren Substanz erfüllt, die sich schließlich von der umgebenden Zellsubstanz nicht mehr unterscheidet (Fig. 24); dann erst verschwindet die Membran, und pun zeigt die Umgebung der chromatischen Elemente nicht den geringsten Unterschied von der übrigen Zellsubstanz. In anderen Fällen geht der Auflösung der Vakuole eine Schrumpfung derselben vorher. Man findet die beiden Kernfäden auf einen engen Raum zusammengeknäuelt und die Membran den Umrissen derselben dicht angeschmiegt (Fig. 25). Der Binnenraum des Bläschens ist (an den Alkoholpräparaten) noch ebenso hell und strukturlos wie auf früheren Stadien. Diesem Verhalten entsprechen als Folgestadien vielleicht jene Bilder, wo man nach völliger Auflösung der Membran die chromatischen Elemente von einem hellen Hof umgeben sieht (Fig. 37, Taf. II), der jedoch bald verschwindet.

Das Endresultat ist also stets das gleiche: die Kernfäden kommen direkt in gewöhnliches Protoplasma zu liegen.

Was aus den Nucleolen wird, konnte ich nicht ermitteln. So viel scheint mir sicher zu sein, daß sie nicht in den Knäuel aufgenommen werden. Denn auch wenn die beiden Elemente schon pahezu ihre definitive Form angenommen haben, lassen sich die Kernkörperchen getrennt von jenen nachweisen (Fig. 23 und 24). Es ist also sehr wahrscheinlich, daß sie bei der Auflösung des Bläschens in die Zellsubstanz gelangen, wo sich ihre weiteren Schicksale nicht mehr verfolgen lassen.

Werfen wir noch einen Blick zurück auf die Lage, welche die beiden Kerne, seit ihrer völligen Ausbildung, im Ei und gegeneinander einnehmen, so ergeben sich in dieser Hinsicht sehr beträchtliche Schwankungen. Die Kerne liegen bald nach Möglichlichkeit im Zentrum des Eies und sind dann häufig so dicht aneinander geschmiegt, daß sie sich gegenseitig abplatten, und die trennende Scheidewand zwischen beiden Bläschen nur aus den beiden Membranen gebildet sein kann, bald liegen sie der Oberfläche vahe und können dann ebenfalls bis zur Berührung benachbart sein, aber auch weit voneinander entfernt liegen. Die Fälle enger Ananeinderlagerung legen die Frage nahe, wie es denn kommt, daß die beiden Kerne nicht verschmelzen, nachdem doch eine Vereinigung der Geschlechtskerne im Bläschenzustand im Ei von Ascaris meg. konstatiert ist. Ohne daß hierauf vor der Hand eine bestimmte Antwort möglich ist, scheint mir doch die Vermutung einige Wahrscheinlichkeit für sich zu haben, daß die Verschmelzung nur so lange vor sich gehen kann, als die Kerne in ihrer Ausbildung begriffen sind, daß dieselbe dagegen nicht mehr stattfinden kann, wenn das Gerüst sich wieder zu kontrahieren beginnt. Es ist mir kein Fall bekannt, daß zwei Kerne in den Anfängen der Knäuelphase oder in noch späteren Stadien sich vereinigen. Das die Konjugation der bläschenförmigen Ei- und Spermakerne in meinen Präparaten so selten ist, ließe sich dann einfach so erklären, daß die beiden Kerne, solange eine Verschmelzung möglich ist, in der Regel zu weit voneinander entfernt sind.

Wie die Lage der Geschlechtskerne selbst, so ist nach deren Auflösung die der beiden Schleifenpaare eine sehr variable. Außerdem zeigen sich in verschiedenen Eiern gewisse Differenzen in der Entwickelungsphase der beiden Schleifen zur Zeit der Kernauflösung. In Fig. 24, wo das Kernbläschen noch besteht, haben die Elemente schon nahezu die Form, die wir später in der ersten Furchungsspindel an ihnen wahrnehmen werden; in Fig. 50 (Taf. III) dagegen erscheinen sie noch als relativ lange Fäden, obgleich von der Vakuole keine Spur mehr sichtbar ist. Noch auffallender tritt diese Differenz hervor, wenn ich die Zeichnungen von ZACHARIAS vergleiche, wo sogar die noch kontinuierlichen Knäuelfäden direkt in der Zellsubstanz liegen. Von der definitiven Form, welche die Elemente vor ihrem Eintritt in die Spindel erreichen, läßt sich allgemein folgendes sagen. Während jeder Faden anfänglich in ganzer Ausdehnung den gleichen kreisförmigen Querschnitt aufweist, macht sich bei fortschreitender Verkürzung eine Änderung bemerkbar derart, daß nur die Enden der Elemente auf kürzere oder längere Strecke diesen Querschnitt bewahren, der mittlere Abschnitt dagegen die Form eines Bandes annimmt (Fig. 24). Sieht man auf die Breitseite dieses Abschnitts, so tritt die Differenz zwischen seiner Form und der der Enden nur sehr wenig oder gar nicht hervor. Erblickt man aber den band förmigen Abschnitt der Schleife von seiner schmalen Seite, so erscheinen die Enden als keulenförmige Anschwellungen von größerer oder geringerer Mächtigkeit. In der Regel besitzt jedes Element eine scharf ausgeprägte winkelige Biegung; dieser Schleifenwinkel ist meist dem einen Ende beträchtlich genähert; manchmal tritt er kaum hervor. Neben diesem Winkel kann jedes Element noch sanftere Krümmungen in wechselnder Zahl und Richtung aufweisen. Das Volumen der vier Schleifen ist, soweit sich dasselbe schätzungsweise feststellen läßt, ungefähr das gleiche. In der

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