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robe, unter der Hand des Vortragenden entstehende Zeichnungen alle auf diesem Wege überhaupt zu beseitigenden Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt werden. Auf diese Weise versichert man sich jedenfalls bis zu einem gewissen Grade der Mitarbeit des Studenten. Ganz leer kann er dem Hörsaal nicht verlassen, wenn er zum Niederschreiben einiger Sätze gezwungen ist“. „Was für Bücher soll ich lesen ?" ist eine Frage, die dem Lehrer beständig von Studenten vorgelegt wird. Meine gewöhnliche Antwort — sagt Huxleyist: „Gar keine! schreiben Sie Ihre Bemerkungen ausführlich und sorgfältig nieder; suchen Sie dieselben gründlich zu verstehen; haben Sie etwas nicht verstanden, so bitten Sie mich um Erklärung; denn es wäre mir lieber, Sie zerstreuten sich nicht durch Lesen“. „Ein richtig zusammengesetzter Kursus von Vorlesungen sollte gerade soviel Material enthalten, als ein Student in der den Vorlesungen gewidmeten Zeit assimilieren kann, und der Lehrer sollte sich stets vor Augen halten, dass es seine Aufgabe ist, den Geist zu nähren, nicht aber ihn vollzustopfen“. Diese Ansichten des ausgezeichneten Universitätslehrers sind ohne Zweifel sehr zutreffend und gründen sich auf einer tiefen Kenntnis der Psychologie der Studierenden.

In seinen Schriften spricht Huxley sehr häufig für die Anwendung wissenschaftlicher Methoden in verschiedenen Forschungsgebieten und geht immer von dem Grundsatz aus, dass die Feststellung naturwissenschaftlicher Thatsachen nur die erste Stufe der wissenschaftlichen Untersuchung bildet.

Er trat auch immer gegen die zu enge Spezialisierung bei den Naturforschern auf, und seine diesbezüglichen Ermahnungen sind um so wichtiger, als heutzutage der immer noch außerordentlich wachsende Umfang des Wissens thatsächlich einen negativen Einfluss auf die Geister vieler Spezialforscher ausübt, die durch die kleinlichen Ziele nicht nur eines gewissen Teiles der Wissenschaft, sondern eines unbedeutenden Zweiges eines solchen absorbiert, die großen und allgemeinen Ziele der Wissenschaft, aus dem Auge ganz und gar verlieren und die gegenseitigen Beziehungen der verschiedenen Zweige der Naturwissenschaft vollkommen verkennen.

Huxley war auch einer der eifrigsten Anhänger einer Versöhnung der Philosophie und Naturwissenschaft, die so oft einander feindlich gegenübertreten. Nur durch diese Versöhnung könnte, seiner Meinung nach, sowohl die eine wie auch die andere der begangenen funda: mentalen Fehler sich bewusst werden. Sein philosophisches .„Credo“ spricht Huxley in seinem berühmten Aufsatz über Descartes' Abhandlung „Ueber die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Wahrheitsforschung und namentlich in folgenden Worten aus: „Ich glaube mit den Materialisten, dass der menschliche Körper, wie alle lebenden Körper, eine Maschine ist, dessen Prozesse früher oder später nach mechanischen Prinzipien sich erklären werden. Ich glaube, dass wir früher oder später auch zu ejnem mechanischen Aequivalent für das Bewusstsein gelangen werden, genau so, wie wir zu einem ftir die Wärme gekommen sind. Wenn ein Pfundgewicht, das einen Fuß hoch niederfällt, ein bestimmtes Quantum Wärme erzeugt, welches mit Recht sein Aequivalent genannt wird, so erzeugt auch dasselbe Pfundgewicht, wenn es auf die Hand eines Menschen einen Fuß herabfällt, ein bestimmtes Quantum Empfindung, welches mit gleichem Rechte sein Bewusstseinsäquivalent genannt werden kann. Und da wir bereits wissen, dass es ein gewisses Verhältnis zwischen der Intensität eines Schmerzes und der Stärke der Begierde, ihn loszuwerden, gibt, und dass zweitens ein gewisses Verhältnis zwischen der Intensität der Wärme oder der mechanischen Gewalt, welche den Schmerz erzeugte, und dem Schmerze selbst besteht, so wird es klar, dass eine Möglichkeit gegeben ist, zwischen der mechanischen Kraft und dem Willen eine Beziehung herzustellen. Bis zu diesem Punkte geht Huxley mit den Materialisten zusammen.

Er sagt aber weiter: „Wenn aber die Materialisten über die Schranken ihres Pfades hinausschweifen und zu schwatzen beginnen, dass es im Weltall nichts weiter gebe, als Kraft und Stoff und notwendige Gesetze ... so kann ich ihnen nicht mehr folgen“. Denn es ist ja eine unbestreitbare Wahrheit, dass das, was wir die materielle Welt nennen, uns nur unter den Formen der idealen Welt bekannt ist und, wie es schon Descartes sagte, unsere Kenntnis von der Seele ist unmittelbarer und gewisser als unsere Kenntnis vom Körper. „Wenn ich sage, Undurchdringlichkeit ist eine Eigenschaft der Materie, so ist Alles, was ich hier wirklich meinen kann, dies, dass die Vorstellung, welche ich Ausdehnung nenne, und die Vorstellung, welche ich Widerstand nenne, beständig zusammen auftreten. Warum, und wie sie in diesem Verhältnis stehen, in ein Geheimnis“.

Die Versöhnung der Philosophie und Naturwissenschaft liegt nach Huxley's Meinung darin, dass einerseits die Naturwissenschaft zugibt, dass alle Naturerscheinungen, wenn wir sie bis in ihre letzten Bestandteile auflösen, uns nur als Thatsachen des Bewusstseins bekannt sind, dags andrerseits die Philosophie eingesteht, dass die Thatsachen des Bewusstseins praktisch nur durch die Methoden und Formeln der Naturwissenschaft zu erklären sind und schließlich darin, dass sowohl der Philosoph als auch der Naturforscher Descartes' Maxime beobachtet: „stimme keinem Satze bei, dessen Inhalt nicht so klar und deutlich ist, dass jeder Zweifel unmöglich ist“. –

[40] Ueber den Bauinstinkt der Spinnen. Woldemar Wagner, L'industrie des Araneina. Description systė

matique des constructions des Araignées de la région médiane de la Russie (principalement de leur retraîte, des nids et des cocons). Classification des Araignées d'après les particularités de leur industrie et sa valeur pour la phylogénie de cette classe. La nature de l'activité psychique des Araignées dans le choix de l'emplacement, des matériaux et de l'architecture pour leurs constructions. Fluctuations, déviations et variations des instincts. La marche du développement progressif dos instincts nidificateurs et les facteurs qui déterminent sa direction générale. - in: Mémoires de l'Acad. imp. des sciences de St. Petersbourg (7), Tome XLII, Nr. 11, 1894, 270 p., 10 pl.

Der lange Titel gibt genügend an, was die betreffende umfangreiche Arbeit enthält. Dieser Inhalt ist zum großen Teil sehr speziell und nur für eigentliche Arachnologen von Interesse. Aber an die Einzelbeobachtungen knüpft Verf. Betrachtungen über Tierpsychologie im Allgemeinen und über Entstehung und Veränderung der Instinkte, welche die Aufmerksamkeit jedes Biologen beanspruchen dürfen.

Die meisten Menschen und sogar geistreiche und rühmlichst bekannte Naturforscher verfallen gar oft in den Fehler, die Handlungen der Tiere nach demselben Standpunkt zu betrachten und zu beurteilen, als wie menschliche Handlungen. Diesem Anthropomorphismus verdanken wir die vielen übertriebenen Schilderungen der Intelligenz der Tiere, wobei zweckmäßige Handlungen als zielbewusste und intelligente beschrieben werden, während sie ihre Entstehung nur einem blinden Triebe, d. h. dem Instinkt verdanken. Jener falschen Methode, die er als „subjektive“ bezeichnet, tritt Verf. entgegen, indem er die mannigfachen Thatsachen, die er im Gebiet der Gespinnstindustrie der Araneiden gesammelt hat, möglichst „objektiv zu behandeln strebt; er vergleicht dieselben im Licht der Descendenztheorie mit einander und sucht ihre Entstehung und Veränderung durch Naturauslese zu erklären. Wirklich intelligente, d. h. auf Grund von persönlicher Erfahrung, oder Nachahmung begründete Handlungen sind im Leben der Spinnen nicht nachgewiesen worden. Wenn Abweichungen in der Bauart einer Spinne als Beweis einer willkürlichen Anpassung an besondere Verhältnisse angenommen wurden, so geschah es immer in Folge zu flüchtiger Beobachtung, bei welcher die augenfällige Erscheinung allein, der intime Vorgang und seine Beziehungen zu den äußeren Umständen aber nicht genügend untersucht wurden. Diese Flüchtigkeit und Oberflächlichkeit der meisten bis jetzt veröffentlichten Beobachtungen und Beschreibungen tritt jedem Versuch der Vergleichung und der Verwertung zu allgemeineren Schlüssen hemmend entgegen.

Letzteres gilt zunächst für die Beziehungen der Bauk unst der Spinnen zum System. Eine oberflächliche Kenntnis derselben scheint zu zeigen, dass ähnliche Bauten bei systematisch und phyletisch weit auseinander stehenden Formen gebildet werden und umgekehrt sehr unähnliche Bildungen bei nahe verwandten Formen. Bei genauerem Studium ergeben sich für jede natürliche Gruppe gemeinsame Züge in der Baukunst, welche, in den Unterabteilungen derselben – ja bei den Arten einer Gattung große Unterschiede zulassen. Aber im Ganzen stimmt das derart auf biologischer Grundlage entworfene System gut mit dem auf morphologische Merkmale begründeten überein. – Jede Gruppe bildet für sich eine phyletische Reihe in der Baukunst; sie lässt primitivere und vollkommnere Stadien jener Industrie erkennen und die Vervollkommnung lässt sich hier in der Struktur des Eiercocons, dort im Bau des den Cocon umgebenden Nestes oder in dessen Schutzmitteln u. dergl. erkennen.

Wir wollen nun die Bauthätigkeit der Spinnen in ihren Einzelheiten dem Verf. folgend genauer betrachten. Zunächst muss die Spinne einen Ort zu ihrem Bau auswählen. Thut sie das in Folge intelligenter Erwägung der lokalen Verhältnisse ? lässt sie sich, wie Delboeuf sagt, durch dieselben Betrachtungen fübren, wie ein Landwirt, welcher den Ort für seine Wohnung bestimmt? Mehrere Faktoren bestimmen diese Wahl: Meistens baut die Spinde ihr Nest auf ihrem gewöhulichen Aufenthaltsort, d. h. auf ihrem Jagdrevier; nur wenige wandern zur Zeit der Eierablage instinktmäßig nach verschiedenen Orten. Dann muss der zu wählende Ort eine für die Form der Nestbasis passende Fläche darbieten: sonst kann das Nest nicht in der gewohnten Form angelegt werden. Dieses wird von jungen und noch ganz unerfahrenen Weibchen genau so wie von alten gethan; geschieht also ganz instinktmäßig. Ist eine solche Fläche nicht vorhanden, so kann die Spinne sterben ohne ihre Eier abzulegen: so geschah es z. B. den Weibchen von Sparassus virescens, welche in Glasröhren eingesperrt waren. Diese Wahl des Ortes betrifft nur die für die erste Anlage nötigen Bedingungen; ist der Ort für den weiteren Bau ungünstig, so wird die Spinne dadurch gezwungen, dessen Form zu ändern, was aber nicht als ein Beweis einer intelligenten Anpassung, sondern nur als eine Folge der unintelligenten Wahl der Baustelle betrachtet werden muss. Weiter wirken in der Wahl der Baustelle die Organisationsverbältnisse der Spinne und der Einfluss des Lichtes, indem gewisse Arten sonnige Stellen, andere beschattete oder sogar dunkle bevorzugen.

Abgesehen von der Seide, die jede Spinne nur in einer bestimmten Sorte produzieren kann, brauchen manche Spinnen zu ihrem Nestbau noch andere, ihrem Organismus fremde Materialien, welche sie zu dem Zweck aufsuchen müssen. Es lässt sich nun fragen, ob sie bei diesen Handlungen durch Intelligenz geleitet werden oder nur einem fatalen Instinkt folgen. – Agroeca Haglundi, einer der geschicktesten Baukünstler unter den Spinnen, bedeckt ihr Nest mit eingesponnenen Erdpartikeln. Letztere mögen verschieden gefärbt sein, aber dieses hängt nicht von einer willkürlichen Auswahl von Seiten der Spinne ab, sondern sie sammelt immer nur gerade jene sorte von Erde, welche unmittelbar unter ihrem Nest vorkommt, indem sie sich an einem Faden auf den Boden herunterlässt. Intelligenz braucht hier ebensowenig wie bei anderen Arten des Nestbaues thätig zu sein. Instinkt reicht zur Erklärung vollkommen aus.

Nun kommen aber auch Abweichungen von der gewöhnlichen Bauart vor, und diese sind verschiedener Natur. - Oft ist das bauende Tier genötigt, seine Bauart zu ändern, indem es auf Hindernisse stößt. So gräbt eine gefangene Tarantel (Trochosa singoriensis) ihre Röhre senkrecht in die Erde bis auf den Boden des Gefäßes, in welchem sie gehalten wird, setzt dieselbe nun wagerecht dem Boden entlang fort; dazu braucht sie sich den Fall nicht zu überlegen, sondern sie thut nicht anders, als wenn sie im Freien einem Stein oder einer Baumwurzel begegnet und, um das Hindernis zu überwinden ihre Röhre dessen Oberfläche folgend fortsetzt.

Aber auch im Freien bieten die Löcher der Tarantel, ohne dass Hindernisse die Schuld daran tragen Variationen dar. Sie sind z. B. im Sommer nicht alle gleich tief. Verfasser hat es festgestellt, dass solche Schwankungen weder von den Eigenschaften des Bodens, noch vom Alter oder Größe der Spinne abhängen. Dass die Tarantel im Stande ist, viel tiefere Löcher zu graben, beweist die etwa dreifache Länge der zum Ueberwintern gegrabenen Röhren. Die Tiefenunterschiede der Tarantellöcher können also nur durch Schwankungen des Instinktes erklärt werden. Ebensolche Schwankungen bieten die Bauten anderer Spinnen dar; so die Länge des Stieles, an welchem das Nest der Agroeca Haglundi hängt, oder die Länge der Seidenröhre von Agelena labyrinthica u. a. m.

Diesen als Schwankungen des Instinktes zu bezeichnenden Variationen kommen andere viel seltenere hinzu, welche Verf. Abweichungen nennt. Letzterer Name ist dem von Romanes gebrauchten Wort „Fehler des Instinktes vorzuziehen. — Solche Abweichungen können sowohl den Ort, wie die Baustoffe und die Architektur der Bauten betreffen. So beobachtete Mc Cook einmal bei Epeira triaranea 2 Cocons in der Nestkammer, während diese Spinne ihre Cocons sonst in der Nähe des Nestes, aber nicht in der Kammer aufhängt. — Bei Agroeca Haglundi beobachtete Verf. mehrfach eine unvollkommene Erdbedeckung des Nestes; da es aber möglich ist, dass die Spinne an der Vollendung ihres Werkes gehindert worden sei, so ist darauf kein besonderer Wert zu legen; aber zweimal fand er je ein Paar sehr merkwürdiger Abweichungen: Einmal waren die zwei Nester von normaler Form, aber ihr seidener Stiel war nicht von Erde bedeckt und fiel durch seine weiße Farbe auf. Am anderen Paar war der Erdeüberzug normal, aber die Nester waren ohne Stiel am Zweig befestigt. Die gleiche Struktur beider Nester jedes Paares lässt annehmen, dass die Abweichung in einer individuellen Verschiedenheit des Instinktes ihren Grund hatte, und dass die betreffende Spinne alle ihre Nester in derselben abweichenden Weise gebaut hätte. Selten benutzt dieselbe Art, statt der Erde, Stücke von Blättern oder Baumrinde zur Bedeckung ihres Nestes: die Vergleichung mit A. brunnea und anderen Arten der Gattung, sowie mit den Bauten der Agelenidae lässt in den eben erwähnten Nestern Fälle von Atavismus erkennen. - Die Thomisiden spinnen in der Wand ihrer Nester niemals Fremdkörper ein und entfernen solche, wenn sie darauf fallen, sorgfältig : sehr merkwürdig war darum der einmal beobachtete Fall von Einschaltung eines trockenen Blattes in einem solchen Neste: dieser Fall könnte als eine progressive Abweichung des Instinktes betrachtet werden. – Sehr wahrscheinlich sind solche individuelle Abweichungen des Instinktes erblich und können mit Hilfe der natürlichen Zuchtwahl zu dauernden Veränderungen des spezifischen Instinktes führen. Sie dürfen aber nicht verwechselt werden mit allerlei Abweichungen, welche besonders bei in Gefangenschaft arbeitenden Spinnen beobachtet werden und von welchen Verf. auf Grund einer sorgfältigen Analyse nachweist, dass sie nur durch Einwirkung besonderer äußerer Bedingungen entstanden sind, ohne dass die betreffende Spinne anders als ihrem gewöhnlichen Instinkt gemäß zu handeln gebraucht habe. So u. a. das bekannte Bei

zwei Vesteckt und fiel normal, aber die Nester jedes Paenheit des Insti

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