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fabren, ob nicht sein Junges aus dem Neste geworfen werde. Dieses fände statt, sobald das Junge sein geflecktes Kleid anlege und flügge sei; dann nähme sich die rechte Mutter des noch hilflosen Kindes an. Endlich sah Blyth nach Baldamus, dass ein Guckelweibchen seinem Jungen, das, fast gänzlich erwachsen, ruhig auf einem Baume saß, Früchte zutrug und es damit atzte.

Ob sich auch beim europäischen Kuckucke die Fürsorge der Eltern auf ihre Nachkominen ausdehne, nachdem diese das Nest des Pflegers verlassen und selbständig geworden wären, darüber fehlen nach Baldamus zuverlässige Angaben. Dennoch möchte Baldamus die Unmöglichkeit einer ausnahmsweisen Fütterung eines etwa um seine Pfleger gekommenen jungen Kuckucks durch seine Eltern umsoweniger behaupten, als vom australischen und andern Glanzkuckucken berichtet werde, dass das Elternpaar seine von den Pflegern zur Selbständigkeit erzogenen Jungen an sich locke und von der Brutstelle fortführe.

Jedenfalls ist so viel sicher, dass das Kuckucksweibchen viel Mühe mit der Sorge für das Unterbringen seiner Eier hat. In Anpassung daran, besitzt unser Kuckuck eine Anzahl Instinkte, die bei seinen brütenden Vorfahren noch nicht vorhanden gewesen sein können, sondern zu dem Brutparasitismus in Beziehung stehen. Diese werden wir gelegentlich der folgenden Schilderung über die Fürsorge des europäischen Kuckucks für seine Nachkommenschaft kennen lernen.

Das Weibchen mit und ohne Männchen späht nach Balda mus gleich nach vollzogener Begattung oder schon früher eifrigst nach geeigneten Pflegernestern aus und beobachtet die gefundenen von Beginn des Nestbaues ab täglich, um das geeignete auszuwählen. Die schwere Sorge des Unterbringens der Eier und der von Woche zu Woche ausgedehnter und schwieriger werdenden Ueberwachung der Pflegernester laste jetzt auf dem Kuckuck, und zwar hauptsächlich auf dem Weibchen. Die Eltern beweisen nach Balda mus Ansicht eine rege Fürsorge und Teilnahme an dem Schicksal ihrer Kinder. Dass das Behüten der Nachkommenschaft vorzugsweise der Mutter zufalle, bedürfe kaum noch einer Betonung, da es das Geschäft der Mutter bei fast allen Tierarten sei. Das Amt des Kuckucksweibchens sei keineswegs so belanglos, so leicht, wie man gewöhnlich anzunehmen pflege. Abgesehen von den Nestflüchtern, deren Junge nicht geatzt, sondern nur geführt und zur Nahrungnahme angeleitet würden, und deren Nestbau wenig Mühe verursache, dürfe doch kaum einem der Nesthocker eine größere Summe von Sorge und Beschwerde auferlegt sein, als dem Kuckuck. Alsbald nach seiner Ankunft sähe sich das Weibchen nach nestbauenden Pflegern um, überwache die Fortschritte des Nestbaues verschiedener in Betracht kommender Pfleger, um sein Ei rechtzeitig einem geeigneten Neste auvertrauen zu können. Nach der Begattung nehme die Nestersuche einen akuten Charakter an. In

kurzer Zeit kenne und beobachte das Kuckucksweibchen womöglich sämtliche Nester der Sängerarten seines Reviers. Die Anzahl der letzteren sei zu Ende April und Anfang Mai vielleicht keine allzugroße, erstrecke sich aber bis Mitte Mai auf etwa dreißig. Bei der Nestersuche husche das Weibchen still und geräuschlos durch das njedere Buschwerk, über Wald, Blößen, Wiesen und Felder, und später über das Geröhricht hin. Fände es die Nesteigentümer bei dem Neste beschäftigt, so hüte es sich, dem Neste zu nahe zu kommen. Es husche scheinbar teilnahmlos vorüber, uin zu rechter Zeit wieder zu kehren, d. h. dann, wenn die Eigentümer des Nestes nicht in der Nähe wären. Würde es von diesen bemerkt, so wiche es vor deren Angriffen, an denen sich auch die Nachbarn beteiligten, und ergreife die Flucht. Alles dieses hat Balda mus nach seiner Angabe vielmals beobachtet. Die Sache verliefe auch durchaus nicht immer glatt; es gebe Kämpfe dabei, oft sehr harte.

In offene, tragfähige, d. b. solche Nester, welche den Kuckuck aufzunehmen im Stande seien, ohne dadurch verletzt oder zerstört zu werden, lege das Kuckuckweibchen seine Eier direkt, indem es sich auf den Nestrand setze. Wenn die Nester unzugänglich seien oder seitens der Eigentümer heftig verteidigt würden, so lege das Kuckucksweibchen sein Ei auf den Erdboden und ergreife es mit dem Schnabel, um es schnell und unbemerkt in das Pflegernest zu schieben. Das Kuckucksweibchen träfe indessen manchmal eine recht schlechte Wahl, indem es solchen Pflegernestern seine Eier anvertraue, die in einer Höhle mit engem Eingangsloche stünden, das dem jungen Kuckuck nicht die Möglichkeit böte, das Nest zu verlassen. Diese Fälle ständen nicht so vereinzelt da, wie man wohl geglaubt habe. Er habe einmal an einem Tage sechs oder sieben Gerippe von offenbar verhungerten jungen Kuckucken in Höhlungen von sogenannten Kopfweiden gefunden. Wäre das Ei glücklich untergebracht, so gäbe es eine neue Sorge, eine dritte, vierte u. 8. W., und dabei müssten die erstgelegten Eier stetig überwacht werden, um nötigenfalls den Kindern die Möglichkeit des Heranwachsens selbst durch Gewaltmaßregeln zu sichern, und diese Ueberwachung hätte sich zugleich auf drei oder mehr Pflegernester zu erstrecken. Auch in ein sonst geeignetes Nest lege das Kuckucksweibchen kein Ei, wenn das Nest von Menschen beobachtet oder gar berührt worden wäre. Das Weibchen trage das gelegte Ei im Schnabel fort, wenn es beim Legen beobachtet worden sei. Andere hätten ähnliches beobachtet. Im Jahre 1864 schrieb Förster Thiele an Baldamus, er hätte in sämtlichen Nestern – gewiss Tausende an der Zahl – die er sich seit fünfzehn Jahren gemerkt hätte, um später vielleicht ein Kuckucksei darin zu finden, und die teils noch im Bau begriffen, teils schon mit Eiern belegt gewesen wären, niemals ein Kuckucksei gefunden. Den Grund dieser auffälligen Thatsache erkläre er sich nicht anders, als dadurch, dass der Kuckuck die Vögel, denen er seine Eier anzuvertrauen gedenke, vom ersten Augenblick ihres Nestbaues an beobachte, wobei er dann natürlich den unberufenen Gast gesehen haben möchte, und das hätte den Kuckuck wohl veranlasst, seine Eier nicht den vom Förster entdeckten Nestern anzuvertrauen. Es ist Baldamus ferner vielfach aufgefallen, dass Kuckuckseier aus den Nestern der Pfleger spurlos verschwunden waren, in denen man sie Tags vorher gesehen hatte. Die Eier der Pfleger wären dabei unverletzt geblieben, und in den meisten Beobachtungsfällen weiter bebrütet worden. Wer hatte, fragt Balda mus, das Kuckucksei entfernt, und wo war es geblieben? Die kleinen Pfleger könnten zwar die Kuckuckseier aus ihrem Neste geworfen haben, die man mehr oder weniger verletzt unter ihm oder in seiner unmittelbaren Nähe gefunden hätte, allein es müsse zweifelhaft bleiben, ob ihr Rachen weit genug sei, um ihnen einen weiteren Transport des Kuckuckseies zu gestatten. Wohl aber läge es nahe genug, dem Kuckucksweibchen die Entführung des eigenen Eies zwecks dessen Sicherstellung zuzutrauen, und Baldamus hat auch einen Fall beobachtet, wo ein Kuckucksweibchen ein Ei aus dem Neste einer Bachstelze (Motacilla alba) entfernte. Er fand ein Nest dieser Vogelart mit einem warmen, dem der Bachstelzen sehr ähnlichen Kuckucksei, und als er sich etwas von dem Neste entfernt hatte, kam das Kuckucksweibchen direkt auf das Nest zu, beugte sich schnell hinein und flog ebensoschnell zurück, wie es gekommen war. Das Nest war leer. Die sein Ei oder sein Junges enthaltenden Nester besucht das Kuckucksweibchen nach Baldamus in nicht zu naher Begleitung des Männchens täglich mehrmals und so lange, bis das Junge das Nest verlässt. Nach Wetterberg wende es die Pflegereier, 80 oft es dazu kommen könne, mit den Spitzen nach einer und derselben Seite, und schiebe danu sein eignes Ei in die Mitte des Nestes. Eine ganze Reihe von Thatsachen -- bis zu rastloser Hingebung – bezeugt nach Baldamus die besondere Fürsorge des Kuckucksweibchens für seine Nachkommenschaft zur Zeit jhres Ausschlüpfens aus den Eiern. Man hat nach Balda mus beobachtet, dass Eier oder Junge der Pflegeeltern gewöhnlich kurz nach dem Ausschlüpfen des jungen Kuckucks verschwunden sind. Die Eier hätte man meist zerbrochen, die jungen Nestvögel tot unter dem Neste oder in dessen Nähe gefunden. Aus der Ernährungsweise des Kuckucks hätte man das erklären wollen. Balda mus sagt indessen, dass der Kuckuck weder Eier noch kleine Junge fräße. Die Eier, die man im Schnabel oder Schlund erlegter Kuckucksweibchen gefunden hätte, wären entweder seine eigenen gewesen, die es in ein Pflegernest zu tragen im Begriff gestanden hätte, oder Pflegereier, die es hätte fortschaffen wollen. Wir erfahren nämlich von Baldamus, dass das Kuckucksweibchen die Eier des Pflegers entfernt und versteckt, nach

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dem der junge Kuckuck ausgeschlüpft und von den Pflegern angenommen ist, und dass es dabei von dem Männchen bis in die Nähe des Nestes begleitet wird. Balda mus sah einmal aus nächster Nähe, kaum dreißig Schritt von gedeckter Beobachtungsstelle, ein Kuckucksweibchen fünf Eier des Alpenpiepers) vorsichtig aus dem Nest nehmen, in welchem sich ein etwa 15 bis 20 Stunden alter Kuckuck befand, und in der Nähe des Nestes im Gras, eins unter das Nest, verstecken vorsichtig, denn keins der fünf sehr stark bebrüteten, dem Ausschlüpfen nahen Eier hätte auch nur die geringste Spur einer Verletzung gezeigt. Nach Rey scheint der Kuckuck die Nesteier, die er beseitigen will, indessen meist ziemlich weit fortzutragen, doch scheine hierbei individuelle Gewohnheit mitzuspielen. Denn die Fälle, in denen Rey's Sohn die Trümmer von Nesteiern direkt unter den Nestern gefunden hätte, hätten regelmäßig dieselben Weibchen betroffen. Im Gegensatz zu Rey möchte ich eher glauben, dass es sich hierbei um Rasseneigentümlichkeiten handelt. Wir werden nämlich sehen, dass wir zahlreiche Rassen unseres Kuckucks zu unterscheiden haben, die zwar getrennten Ursprungs, aber bei uns in Deutschland und auch in anderen Ländern vielfach durcheinander geworfen sind. Fast alle Beobachter stimmen nach Baldamus darin überein, dass der Kuckuck nicht unmittelbar nach Einschieben oder Legen des eigenen Eies die Pflegereier aus dem Neste wirft, sondern fast immer damit wartet, bis sein Junges ausgeschltipft ist. Dagegen sagt Rey, dass der Kuckuck bei Ablage seines Eies meist ein oder mehrere Nesteier entferne. Manchmal geschähe das Entfernen von Nesteiern bereits einen oder einige Tage vor dem Legen. Ueber die Anzahl der Eier, die der Kuckuck aus den Nestern entfernt, lässt sich nach Rey wenig allgemein Giltiges sagen, da auch hier individuelle Eigentümlichkeiten eine Rolle spielten. Nach Balda mus Ansicht entfernt das Kuckucksweibchen nur dann die Eier oder Jungen der Pfleger nicht aus dem Neste, wenn es dem Neste nicht beikommen kann, d. h. wenn dieses in einer zu engen oder zu tiefen Nesthöhle steht. Verhältnismäßig häufig findet man nach Rey volle Gelege mit Kuckuckseiern bei Rotkehlchen, Rotschwänzchen, Bachstelzen und Finken, während dieses bei Robrsängern und Kuhstelzen nur ausnahmsweise der Fall sei. Dass die europäische Kuckucksmutter aus Fuirsorge für ihr Kind die Eier und auch wohl die Jungen der kleinen Pfleger aus deren Nest entfernt, muss, wie Baldamus sagt, als vielfach beobachtet und thatsächlich erwiesen angesehen werden. Es sprechen nach Balda mus auch Beobachtungen dafür, dass der in Südeuropa lebende Häherkuckuck (Coccystes glandarius) ein Ei aus dem Neste der Blau elstern (Cyanopolius cooki), die er gern als ise 1) Die später folgende Liste der Kuckuckspfleger enthält deren wissenschaftliche Namen,

Pfleger seiner Jungen benutzt, entfernt, und dafür sein eigenes Ei an dessen Stelle legt. Der australische Bronzekuckuck (Lamprococcyx lucidus) scheint seine Eier gelegentlich in noch unfertige Nester zu legen. Denn nach Balda mus fand Ramsay in einem Neste ein Ei dieser Art unter der Ausfütterung des Nestes und eins von anderem Typus, also wohl von einem anderen Weibchen herrlihrend, über ihr. Dass solches öfters vorkommen kann, ist begreiflich. Auch Bridger sah nach Baldamus ein bebrütetes Ei des Bronzekuckucks in einem Pflegerneste, das frische Pflegereier enthielt, und folgert daraus, dass die Eier des Bronzekuckucks zuerst in das Pflegernest gelegt werden.

Ob der junge europäische Kuckuck Eier oder Junge der Pfleger absichtlish oder unabsichtlich, wenn überhaupt, aus dem Neste wirft, scheint noch nicht entschieden zu sein. In neuerer Zeit hat man nach Balda mus versucht, das Kuckucksweibchen von dem Verdachte, die Eier und Jungen der Pfleger, zu entfernen, zu reinigen, und dafür den jungen Kuckuck verantwortlich gemacht. Dr. Jenner war nach B aldamus der erste Schriftsteller, der die Mitteilung machte, dass der junge Kuckuck seine kleinen Nestgeschwister durch einen eigentümlichen Kunstgriff aus dem Neste schaffe, indem er unter sie zu kommen suche, sie auf seinen mit einer Vertiefung versehenen Rücken lade, und sie dann über Bord werfe, was er auch mit den noch nicht brutreifen Eiern thue. Eine solche Ansicht, die auch der englische Ornithologe Newton teilt, hält Baldamus für eine anfechtbare. Denn einmal sei eine derartige Anpassung überflüssig, weil die Mutter des jungen Kuckucks in allen geeigneten Fällen die Entfernung der Eier oder Jungen besorge, uud weil die Anpassung des jungen Kuckucks in allen übrigen Fällen, wo sie sich nützlich erweisen könnte, völlig versage. Der junge Kuckuck würde es kaum jemals fertig bringen, Eier oder Junge der Pfleger aus den Nesthöhlen solcher Vögel, die, wie das Gartenrotschwänzchen, die weiße Bachstelze, das Rotkehlchen, der Steinsch mätzer u. a., ihre Nester in tiefen Nisthöhlen anbringen, zu entfernen. In Nestern, zu denen das Kuckucksweibchen nicht gelangen könne, würden die Jungen des Pflegers auf die eine oder andere Weise von dem jungen Kuckuck erdrückt, oder sie verhungerten und würden dann wohl durch die eignen Eltern Reinlichkeit halber entfernt. Auch Naumann hält es nach Baldamus zwar für ein Märchen, dass der junge Kuckuck Eier und Junge der Pfleger aus dem Neste werfe, gibt aber zu, dass es unabsichtlich geschehe, indem in Folge Verengerung des Raums die schwächeren Stiefgeschwister durch den schnell wachsenden Eindringling an die Seiten des Nestes und endlich über den Rand gedrängt würden. Aber er fragt, wo Eier und Junge der Nestvögel bei den Arten blieben, die auf flacher Erde nisteten. Er hätte einen jungen Kuckuck im Neste

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