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Teichrohrsängers gefunden werden, sind nebst den in
Nestern der weißen Bachstelze gefundenen sehr häufig. Den
Eiern der genannten sehr häufig in Anspruch genommenen
Pflegerarten ähneln die Kuckuckseier öfter als fast allen übrigen
Pflegereiern. Solche Kuckuckseier findet man oft in den
Sammlungen sowie in den Nestern der im Allgemeinen meist

bevorzugten Pflegerarten. Als Eier des 14. Typus bezeichnet Baldamus, wenigstens vorläufig, diejenigen

Kuckuckseier, die mit irgend welchen bekannten Pflegereiern keinerlei Aehnlichkeit haben, und die er deshalb „Originäre“ nennt. Hierher gehören Kuckuckseier aus Zaunkönigsnestern und etliche andere.

In Bezug auf die große Mannigfaltigkeit der Kleidmale, welche die Eier von Cuculus canorus nach obiger Aufzählung zeigen, schließt sich von anderen Kuckucksarten der australische Bronzekuckuck (Lamprococcyx lucidus) unserm Kuckucke an.

Vom Bronzekuckuck hat, Baldamus zufolge, eine große Anzahl verschiedener Forscher Eier in den Nestern von einigen 20 Arten von Pflegern gefunden, die in noch größerem Maße, als die unseres Kuckucks variieren sollen, und mit und ohne Zeichnung vorkommen. Ramsay unterscheidet nach Balda mus zwei Typen von Eiern des Bronzekuckucks. Bei den einen variiere die Färbung von einfarbig aschgrau bis zu einem reichen, dunklen Olivenbraun oder -bronze. Manche der bellaschgrauen Exemplare hätten oft kleine olivenfarbige Punkte nach der Basis zu. Bei einem Exemplar, bei welchem diese Punkte eine Flatsche bildeten, neige sich die Färbung mehr nach rötlichbraun. Die Eier des zweiten Typus hätten reinweißen Grund, der vor Entleerung des Eies nelkenrötlich überlaufen sei. Diese Eier seien auf der ganzen Oberfläche fein gesprenkelt mit Punkten von einer hellbräunlichroten oder dunkleren Lachsfarbe, die in einigen Fällen zu Flatschen zusammenliefen und stellenweise den weißen Grund ohne Zeichnung ließen. Bei einem Exemplare wäre die Zeichnung verwischt und bildete einen eigentümlichen Ton von Braunlila. In Nestern einer und derselben Pflegerart hätte Ramsay Eier von beiden Typen gefunden.

Die Eier des schwarzen Guckels (Eudynamis nigra), der in Indien lebt, variieren Baldamus zufolge, nach Allan Hume, der solche oft erhalten hätte, gleichfalls. Ein Ei sei auf blass olivengrünem Grunde dicht mit purpurbraunen und gelbbraunen Flecken und Schmitzen bedeckt gewesen, und die Schmitze wären am stumpfen Pole gänzlich zusanimengeflossen gewesen. Die Grundfarbe eines anderen sei hellseegrün, und das Ei sei an einem Pole ziemlich dicht olivenbraun gefleckt und gestrichelt, und einige dieser Flecke und Strichel seien viel schwächer und von beinahe purpurbrauner Farbe gewesen. Die meisten Eier bildeten um den stumpfen Pol herum eine ziemlich breite, unregelmäßig und schlecht abgegrenzte Zone. Im Großen und Ganzen scbiene aber die Variabilität der Eier des schwarzen Guckels keine große zu sein.

Der afrikanische Kupferglanzkuckuck (Lamprococcyx cupreus) scheint zwar meistens glänzend weiße Eier zu legen, und zwar in die Nester der kleinsten Insektenfresser. Wenigstens gibt Levaillant nach Baldamus an, dass er glänzend weiße Eier in den Nestern solcher Vögel gefunden habe. Auch ein Ei in Thienemann's Sammlung war nach Baldamus glänzend reinweiß. Tristram hätte jedoch ein Ei beschrieben, das den heller gefärbten Eiern des Haussperlings und denen des Drosselrohrsångers äußerst ähnlich gewesen sei.

Wir wenden uns nunmehr der Frage zu, wodurch die große Mannigfaltigkeit der Kleidmale der Kuckuckseier zu stande gekommen sei. Um diese Frage zu erledigen, haben wir zunächst die nach den ursprünglichen Kleidmalen der Kuckuckseier zu beantworten. Der Thienemann'schen Frage „wie wohl das erste Kuckucksei ausgesehen haben möge“, fehlt nach Bald amus freilich jedes Substrat; der freien Phantasie könnten wir nun einmal keinen Platz in der Naturwissenschaft einräumen. So schlimm ist die Sache indessen nicht; vielmehr haben wir genügende Anhaltspunkte, um es wahrscheinlich machen zu können, dass die Vorfahren sämtlicher parasitischer Kuckucke blaue, oder grünblaue, oder blaugrüne oder grüne Eier legten, und hierbei können wir die Phantasie gänzlich ausschließen.

Als nahe Verwandte der Kuckucke sind die Madenfresser (Crotophagidae) zu betrachten, die sehr charakteristische Eier von blaugrüner Färbung, die bald vollständig, bald teilweise von einem weißen Kalk überzuge bedeckt sind, legen. Weil nun die Madenfresser selbst brüten und in dieser Beziehung auf einer tieferen Entwicklungsstufe stehen als die eigentlichen Kuckucke, und wir demnach annehmen dürfen, dass die Bratpflege der Kuckucke eine stammesgeschichtliche Entwicklungsstufe durchlaufen hat, die der, auf welcher die Bratpflege der Madenfresser steht, einigermaßen entspricht, so dürfen wir auch schließen, dass die Kuckucke auf einer gewissen Stufe ihrer stammesgeschichtlichen Entwicklung Eier legten, die denen der Madenfresser gleich oder wenigstens sehr ähnlich waren. Und in der That gibt es echte Kuckucke, die Eier mit den Kleidmalen der Madenfressereier legen. Die Färbung der Eier des nordamerikanischen gelboch näbeligen Kuckucks (Coccygus americanus) ist nach Baldamus ein gleichmäßig helles oder dunkleres a pfelgrün, zuweilen mit einem Stich ins Gelblichgrüne. Viele, wenn auch nicht alle Eier, wären mit einem abreibbaren weißen oder schmutzigweißen Kalk überzuge versehen, der in meist größeren Flecken und Flatschen die Oberfläche mehr oder weniger überziehe. Die Eier dieses Vogels bestätigen also die Richtigkeit unserer Schlussfolgerung. Sie lehren uns aber noch ein zweites, was für unsere Untersuchungen sehr wichtig ist. Wir haben weiter oben gesehen, dass Coccygus americanus, der meistens selbst brütet, seine Eier zuweilen in fremde Nester legt, und hierin haben wir den Beginn eines Ueberganges zum Brutparasitismus erblickt. Haben wir hiermit Recht, so kann uns Coccygus americanus dazu dienen, auch noch die Frage zu beantworten, wie wohl die Eier der Pfleger aussehen, in deren Nester Kuckucke, die im Begriffe sind, zum Brutparasitismus überzugehen, ihre Eier legen. Die Antwort ist mit Rücksicht darauf, dass die Kleidmale der Eier von Coccygus americanus, der selbst ja noch lange kein richtiger Brutschmarotzer ist, von seinen nichtparasitischen Vorfahren ererbt sein müssen, für den Darwinismus, der selbstverständlich die häufige Aehnlichkeit der Kuckuckseier mit den Eiern der Pfleger durch die „natürliche Zuchtwabl“ erklärt, verhängnisvoll. Nach Balda mus sind nämlich die Eier des Katzen vogels und der Wanderdrossel, bei denen Eier von Coccygus americanus gefunden werden, einfarbig blaugrün und denjenigen des Schmarotzers ähnlich gefärbt. Die A ehnlichkeit der Schmarotzereier mit denen der Pfleger hat also nicht herangezüchtet“ zu werden brauchen, sondern war von vornherein gegeben. Coccygus americanus und seine gelegentlichen Pfleger sind unabhängig von einander zu ihren einander ähnlichen Eiern gekommen. Coccygus americanus wählt wahrscheinlich die betreffenden Pfleger deshalb, weil ihre den seinigen ähnliche Eier ihn da zu einladen, seine Eier in ihr Nest zu legen. Und so wie es der amerikanische gelbschnäbelige Kuckuck heute macht, werden es zu ihrer Zeit die Vorfahren vieler oder aller parasitischen Kuckucke, deren Eier den Pflegereiern ähnlich sind, gemacht haben. Ist es notwendig, dass eine solche, die Pfleger zur Annahme des Kuckuckseies geneigter machende Aehnlichkeit besteht, so musste sie von allem Anfang an gegeben sein, denn sonst nahmen die ersten Kuckuckspfleger die Eier der ersten Schmarotzer nicht an, und es konnte nicht zum Brutparasitismus kommen. Dass aber die Aehnlichkeit der Kuckuckseier mit den Pflegereiern nicht „herangezüchtet“ sein kann, bevor die Kuckucke Brutschmarotzer waren, liegt auf der Hand. Wie nun die Aehnlichkeit der nicht blaugrünen Kuckuckseier mit Eiern von Pflegern zu stande gekommen sein kann, werden wir später sehen, wenn wir uns noch eingehender mit der Aehnlichkeit zwischen Kuckucks- und Pflegereiern befassen. Hier haben wir zunächst noch weiteres Material dafür beizubringen, dass die Eier der Kuckucke zur Zeit des Ueberganges zum Brutparasitismus die angegebenen Kleidmale hatten und den Pflegereiern ähplich waren. Dafür, dass solches der Fall gewesen, sprechen vor allen diejenigen Kuckucksarten, die nur wenige Pflegerarten haben.

Der schwarzweiße Hä herkuckuck (Coccystes jacobinus), der durch ganz Indien verbreitet ist, legt Balda mus zufolge, nach Hamilton seine Eier in das Nest einer Weichschwanzart, Malacocercus canorus. Seine Eier sind, wie Baldamus mitteilt, einfarbig grünlichblau und denen der unter sich so ähnlichen Weichschwanzarten sehr ähnlich. Von andern Beobachtern werden nach Baldamus noch andere Weichschwanzarten als Pfleger dieses Vogels angeführt, was deshalb wichtig ist, weil es zeigt, dass sich Coccystes jacobinus bei der Pflegerwahl auf die Weichschwänze zu beschränken scheint, und zwar deshalb, weil diese ähnliche Eier legen, wie er.

Die Eier des schwarzen Guckels (Endynamis nigra) ähneln nach Baldamus in Gestalt und Kleidmalen sehr den Eiern von Dendrocitta rufa; doch ist die Farbe viel gesättigter, ein helles Olivengrün mit gleichmäßig dichter brauner Fleckenzeichnung die nahe dem dicken Pole etwas gedrängt steht. Nach Blyth hat, wie ich bei Balda mus finde, das Ei des schwarzen Guckels eine auffallende Aehnlichkeit mit den Kräbeneiern, und Blyth berichtet, dass das Ei dieses Kuckucks ausschließlich in die Nester der beiden ostindischen Krähen gelegt wird. Kräheneier haben bekanntlich eine blaugrüne Grundfarbe.

Die Eier des Rinnenschnabels (Scythrops novae - hollandiae) werden nach Baldamus, wie es scheint, in den Nestern der australischen Krähen und der mit den Krähen verwandten Flötenvögel gefunden, denen sie in Bezug auf Form und Kleidmale ähneln.

Die Arten der Gattung der Häherkuckucke (Coccystes) legen nach Baldamus verhältnismäßig größere Eier, als die der Gattung Cuculus, und fast ausschließlich in die Nester krähenartiger Vögel, deren blaugrüngrundigen Eiern die ihrigen nicht nur in den Kleidmalen, sondern auch in der Größe ähnlich sind. Entsprechend der beschränkten Anzahl der von Häherkuckucken benutzten Pflegerarten finden sich nach Baldamus nur wenig von einander abweichende Kleidmaltypen bei ihren Eiern. Als Pfleger der kleineren Arten der Gattung werden nach Baldamus etliche kleinere Vögel angegeben. Die Grundfärbung der Eier des südeuropäischen Straußkuckucks (Coccystes glandarius) variiert nach Baldamus zwischen einem mehr oder weniger reinen Bläulichgrün und einem Zusatz von Olivenbraun. Nach Hewitson sind, Baldamus zufolge, die Eier des Straußkuckucks am meisten denen der Amsel und Schildamsel ähnlich. Es sollte ihn nicht wundern, sagt Baldamus, einstmals die Amsel unter die Pflegeeltern des Straußkuckucks aufgenommen zu sehen, mindestens als Hilfspfleger. Baldamus ist mit diesem Ausspruche unserer Ansicht über die ursprünglichen Kleidmale der Eier parasitischer Kuckucke und ihrer Pfleger bis zu einem gewissen Grade nahe gekommen, denn die Amsel legt blaugrüngrundige Eiger.

Die Vorfahren etlicher Kuckucksarten mögen sich aber zur Wahl ihrer Pfleger durch die Aehnlichkeit des Federkleides der Pfleger mit ihrem eignen haben bestimmen lassen. Cacangelus dicruroides (!) ist nach Baldamus vollständig in die Maske des langschwänzigen Gabeldrongo (Dicrucus (!) macrocercus) gekleidet. Hierococcyx fugax legt nach demselben Gewährsmann sein Ei in das Nest einer ihm sehr ähnlichen Sperberart (Nisus dussimieri). Ob sein Ei dem Sperberei ähnlich ist, sei noch nicht festgestellt.

Außer durch die Aehnlichkeit der Eier und Kleider anderer Vögel mit den ihrigen mögen die Kuckucke aber auch durch die Beschaffenheit der Nester zur Wahl bestimmter Pflegerarten hingeleitet worden sein. Dabei ist nun zu bemerken, dass viele Kuckuckspfleger Höhlenbrüter sind oder überwölbte Nester bauen.

Für Cuculus canorus ist nach Baldamus die Anzahl der Pflegerarten mit solchen Nestern eine ziemlich große. Es gehören nach unserem Gewährsmanne dazu die vier europäischen Laubsängerarten, die beiden europäischen und höchstwahrscheinlich die asiatischen Rotschwänze, das Rotkehlchen, der Zaunkönig, die weiße und graue Bachstelze, zusammen 10 oder 11 der häufigst heimgesuchten Pfleger. Bemerkenswert erscheint es nach Baldamus, dass, wenn nicht alle, so doch viele ausländische Arten von Kuckucken die Vorliebe für jiberwölbte Pflegernester teilen. Ramsay sagt, Balda mus zufolge, dass die Mehrzahl der von dem Bronzekuckuck erwählten Pflegernester überwölbt und mit meist engem Seiteneingange und einem Vordache über diesem versehen sei. Der Eingang dieser zum Teil hängenden und beutelförmigen Nester werde durch das Einschieben der Kuckuckseier bedeutend erweitert. Gould sagt nach Balda mus ähnliches. Auch Cacomantis flabelliformis hat nach Baldamus, wie alle kleinen Kuckucksarten, eine auffällige „Vorliebe“ für überdeckte Nester, und vom Schreikuckuck (Cuculus clamosus) fand Levaillant, wie Baldamus ebenfalls berichtet, Eier in den überwölbten Nestern mehrerer Singvogelarten. Diese eigentümliche „Vorliebe“ der Kuckucke für überwölbte Nester wird uns noch beschäftigen, nach dem wir diejenigen Kuckucksarten eingehender besprochen haben werden, die im Gegensatz zu den wahrscheinlich auf einer tieferen Entwicklungsstufe stehenden Kuckucken mit geringer Pflegerzahl eine größere Anzahl von Vögeln heimsuchen.

Unter diesen Kuckucken vertraut der Pfeifkuckuck (Heteroscenes pallidus) nach Balda mus seine Eier den Nestern verschiedener Pfleger an. Ramsay habe beobachtet, dass dieser Kuckuck, wenn er seine Eier in offene Nester lege, solche entschieden vorziehe, deren Eigentümer den Kuckuckseiern ähnliche Eier legen, ein Umstand, der uns noch zu beschäftigen haben wird.

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