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ehe wir ihr Zustandekommen und das der großen Mannigfaltigkeit der Kuckuckseier erörtern können.

Baldamus hat im Jahre 1853 den Satz aufgestellt, zu allen, selbst den abweichendsten Färbungen und Zeichnungen der Kuckukseier fänden sich bis zum Verwechseln ähnlich gefärbte und gezeichnete Eier unter denen der Pfleger. 1826 hatte nach Badamus aber bereits Johann Friedrich Naumann gesagt, die Kuckucks. eier hätten keine geringe Aehnlichkeit mit manchen Pflegereiern. Auch Thienemann hatte nach Baldamus auf die Aehnlichkeit der Kuckuckseier mit manchen Pflegereiern hingewiesen. Baldamus fand, wie er in seinem Buche mitteilt, vielseitige entschiedene Zustimmung. Gleichzeitig wäre auch bei ausländischen Kuckucken die Aehnlichkeit ihrer Eier mit denen der Pfleger, die hauptsächlich benutzt werden, festgestellt worden.

Von besonders beachtenswerten Fällen führt Baldamus die folgenden an:

Zu den im allgemeinen häufigsten Pflegern des Kuckucks gehört, die weiße Bachstelze und ihre Vertreterin in England. Nicht weniger als 22 den Nestern der weißen Bachstelze entnommene Kuckuckseier befänden sich in Baldamus Sammlung, und etwa halb so viel hätte er im Tausch fortgegeben, während er das vierfache in andern Sammlungen gesehen hätte. Etwa die Häfte aller dieser Kuckuckseier hätte den Typus der Bachstelzeneier gezeigt. Die Eier wären bläulichweiß, grauweiß, grau bis bräunlichgrau und mit einer meist die ganze Oberfläche mehr oder weniger dicht bedeckenden Strichel- oder Fleckenzeichnung in dunkleren Schattirungen der verschiedenen Farbentöne versehen gewesen. Die Zeichnung hätte sich ziemlich oft am dicken Pole angehäuft und nicht selten einen sogenannten Kranz in dessen Nähe gebildet. Den Typus der Eier der Garten-, Mönchs- und Zaungras mücke tragen nach Balda mus acht in den Nestern und bei den Eiern dieser Grasmückenarten und sieben in Nestern der weißen Bachstelze, des Gartensänger's der Sperbergrasmücke und des Grünlings gefundene Kuckuckseier in Baldamus Sammlung. Bei einem Besuche der Mansfelder Seen fand Baldamus ein den Eiern der Gartengrasmücke äusserst ähnliches Kuckucksei in dem Neste der weissen Bachstelze bei einem Ei dieses Vogels. Baldamus erhielt auch ein Kuckucksei aus dem Nest der Sängergrasmücke, das höchst charakteristisch gezeichnet und den Eiern des Pflegers sehr ähnlich war. Ein „verblüffend angepasstes“ Ei eines Kuckucksweibchen entnahm Baldamus einem Tags vorher entdeckten Neste des Sumpfrohrgängers, auf welchem er das Kuckucksweibchen sitzen sah. H. v. Preen fand nach Baldamus in dem Neste des Schilfrohrsängers ein Kuckucksei, das in Färbung und Zeichnung völlig den Eiern dieses Vogels glich. Die gründlichhellockerfarbene Zeichnung wäre indessen auf dem Kuckucksei so mit der gleichen etwas helleren Grundfärbung verquickt gewesen, dass dieses Ei wie einfarbig erschien. Ferner haben v. Preen und Hartert nach Balda mus versichert Kuckuckseier gefunden zu haben, die von verblüffender Aehnlichkeit mit denen des Schilfrohrsängers gewesen seien. Hartert hätte sogar fünf in einer Brutperiode, und zwar vier in Nestern des Schilfrohrsängers, eines in einem Neste des Sumpfrohrsängers gefunden. Baldamus erhielt auch ein Ei aus dem Neste eines Heuschreckensängers, dessen eigne Eier von der gewöhnlichen Färbung und Zeichnung der Eier dieser Art verschieden gewesen wären. Sie wären auf schwachweinrötlichweissem Grunde überall dicht mit kleinen violettbraunen Punkten und Stricheln, die am dicken Pol so dicht standen, dass man wenig von der Grundfarbe erblickte, bedeckt gewesen. Das Kuckucksei hätte ausser zwei schwarzen Punkten genau dieselbe Zeichnung von demselben durch die eigentliche Grundfarbe etwas nüanzierten Farbenton gezeigt. In der stumpfovalen Gestalt wäre es von dem gestreckten Oval der Pflegereier abgewichen. Ferner schoss Hofjäger Braun in Schleiz nach Baldamus ein Kuckucksweibchen in der Nähe eines Gartensängernestes und fand in dessen Leibe ein vollständig ausgebildetes, den Eiern des Gartensängers ähnlich gefärbtes Ei: Ein ganz gleiches fand er bereits im Neste des betreffenden Gartensängers liegen. Drei Kuckuckseier in Baldamus Sammlung tragen gänzlich den Charakter der Färbung und Zeichnung der Eier des Grau am mers. Das eine wurde in einem Neste des Gartenammers gefunden, das zweite in einem Amsel- und das dritte in einem Rotkelchennest. Die Alpenbraunelle soll nach Baldamus nicht selten seitens des Kuckucks benutzt werden. Balda mus erhielt ein hellbläulichgrünes Kuckucksei aus dem Neste dieses Vogels, dessen Eier bläulich grün sind. Verhältnismäßig wenig Kuckuckseier hat Baldamus aus Rotkehlchennestern erhalten und darunter nur zwei, die eine allerdings sehr stark ausgesprochene Aehnlichkeit mit den Eiern dieses örtlich häufig in Anspruch genommenen Pflegers zeigten, während alle übrigen andern Typen angehörten. Unter vier aus Nestern der Kuhstelze genommenen Kuckuckseiern in Baldamus Sammlung waren zwei von frappanter Aehnlichkeit mit den zugehörigen Pflegereiern. Beide hätten hellockerfarbenen Grund und verwaschene etwas dunklere Zeichnung gehabt. Forstmeister v. Göbel fand nach Baldamus ein Kuckucksei in einem Neste des Baumpiepers, in welchem drei Eier dieses Vogels von violettgrauer Grundfarbe mit heller und dunkler braunvioletter Brandflecken-Zeichnung lagen. Das Kuckucksei habe dieselbe, nur um einen Schritt ins grünliche ziehende, Grundfarbe gehabt, während die Zeichnung sparsamer, die punktförmigen Flecke von gleichem, aber tieferen Tone, einige Haarzüge von etwas hellerer Nuance gewesen seien. Die Eier des Baumpiepers variiren nach Balda mus in den Kleidmalen in einem

solchen Maße, dass man unter 100 Gelegen nur äusserst wenige sieht, die nach der einen oder andern Richtung hin vollkommen gleich erscheinen. Man kann nach Balda mus im allgemeinen zwei Typen von Baumpiepereiern unterscheiden, und die Kuckuckseier, die in den Nestern von Baumpiepern gefunden werden, gleichen entweder den einen oder dem andern dieser Typen, oder haben auch aus beiden Typen gemischte Kleidmale, falls sie nicht den Eiern anderer Vögeln ähneln. Balda mus bemerkt hierzu aber, dass die betreffenden beiden Typen der Kuckuckseier nur in wenigen Fällen denen der Piepereier, zu denen sie gelegt wurden, entsprächen. In, beziehungsweise unter den Nestern des Neutöters fand Baldamus sechs Eier, wozu vier andere kamen, die in den Kleidmalen sämtlich eine gewisse Aehnlichkeit mit den variablen Eiern des Pflegers zeigten, sich jedoch auf den ersten Blick durch eine meist schärfer umrissene Zeichnung unterschieden. Blasius Hanf schrieb an B alda mus, dass er mit den Angaben von Balda mus über die Aehnlichkeit der Kuckuckseier mit den Pflegereiern im allgemeinen zwar einverstanden sei, dass sie aber doch nicht bis zum Verwechseln gehe. Hanf besitzt nach Balda mus zwei ganz gleiche Eier aus Nestern des Hausrotschwa nzes, die bei oberflächlicher Besichtigung den Eiern des Nesteigentümers ganz gleich weiß zu sein schienen, doch bei genauer Untersuchung blassrötlichbraune Spritzflecke bemerken liessen. Baldamus gelangt zu dem Schluss, dass fast alle Kuckuckseier eine grosse Aehnlichkeit mit den Eiern der am häufigsten heimgesuchten Pfleger zeigen. Allein er stellt auch Ausnahmen fest. Unter den Kuckuckseiern aus den Nestern der grauen Bachstetze z. B. sei keines, das eine entschiedene Aehnlichkeit mit den Pflegereiern aufwiese.

Nach Rey scheint die Aehnlichkeit der Kuckuckseier mit denen der Pfleger auf den ersten Blick viel geringer zu sein als nach den Angaben von Balda mus. Die Eier der eigentlichen Kuckucke zeigen nach ihm eine Veränderlichkeit, die sich bei einzelnen Arten bis zu einer überraschenden Mannigfaltigkeit steigern kann, und bei näherer Betrachtung als eine mehr oder weniger deutlich ausgesprochene, bei den Eiern aller parasitischen Kuckucke vorhandene „Annäherung ihrer Merkmale an diejenigen der Eier mancher Pflegerarten kennzeichnet. Diese Aehnlichkeit schiene am ausgesprochensten bei denjenigen Kuckucksarten zu sein, welche die Gewohnheit hätten, ihre Eier in die offenen Nester einer nur beschränkten Anzahl unter sich verwandter und hinsichtlich ihrer Eier sehr übereinstimmend gekennzeichneter Arten zu legen. Bei denjenigen Kuckucken, die ihre Eier einer grösseren Anzahl von verschiedenen Pflegerarten anvertrauten, also in die Nester von Vögeln legten, die zum Teil nicht nahe mit einander verwandt wären und sich hinsichlich der Charaktere ihrer Eischalen sehr von einander unterschieden, beständen die Aehnlich

keit der Kuckuckseier mit denjenigen der Pfleger enweder nur in einer „Durchschnittsanpass un g“, oder sie würde ganz vermisst. Die Aehnlichkeit der Kuckuckseier mit den Eiern der Nestvögel sei nur eine gelegentliche und durchaus nicht etwa, wie oft noch irrthümlicherweise behauptet würde, eine häufige oder gar vorwiegende, und es handele sich dabei nicht um eine genaue schablonenhafte Uebereinstimmung mit den zufälligen individuellen Merkmalen der Pflegereier, sondern die Kuckuckseier seien den typischen Exemplaren der betreffenden Art ähnlich, namentlich wenn bei dieser Art stark variirende Eier vorkämen. Im Gegensatze hierzu bemerkt Rey aber, auch bei den Kuckucksarten, die ibre Eier einer verhältnismäßig grossen Anzahl verschiedener Pflegeeltern anvertrauten, sei die Aehnlichkeit der Eier mit den Eiern der Pfleger zuweilen eine ganz überraschende und ebenso spezialisiert wie bei den Kuckucksarten, die nur wenige Pflegerarten hätten. Von sämtlichen Kuckuckseiern, die Rey in den von ihm mitgeteilten Sammlungsverzeichnissen aufführt, seien die beim Gartenrotschwänzchen gefundenen in mehr als 85% aller Fälle den Eiern dieser Vogelart angepasst, und in einigen Gegenden, wie in der Dessauer Heide und in Finnland wiche kein einziges Kuckucks.ei von dem Typus der Gartenrotschwanzeier ab. Sevón schrieb an Rey, dass er, obgleich ihm aus allen Teilen Finnlands häufig Knckuckseier zugegangen seien, niemals andere erhalten habe, als blaue, die bei Gartenrotschwänzchen gefunden wurden. Nur aus Nordfinnland seien ihm auch Kuckuckseier übersandt worden, die aus den Nestern des Bergfinken stammten, und die wieder völlig mit den Eiern dieser Art übereinstimmten. Kutter, dem Kuckuckseier aus Lappland zugegangen waren, schrieb darüber an Rey, er sei geradezu verblüfft gewesen. Abgesehen natürlich von Korn, Größe und Schalengewicht gegenüber dem der betreffenden Pflegeeier, die die fraglichen Stücke mit positiver Sicherheit als Kuckuckseier gekennzeichnet hätten, hätten sie in den Kleidmalen eine ganz erstaunliche „Nachahmung“ der eigenartigen Merkmale von Bergfinkeneiern gezeigt und wären dadurch sehr augenfällig von allen ihm bisher bekannt gewordenen Eiern unseres Kuckucks abgewichen. Ferner sind nach Rey in Mähren bei Weitem die meisten der in den Nestern des Gartenrotschwänzchens gefundenen Kuckuckseier den Pflegereiern ähnlich gefärbt. Nur 7 von 27 Exemplaren hätten andere Kleidmale gehabt. Dagegen zeige sich eine spezialisierte Anpassung an die einzelnen Nestgelege ausser beim Gartenrotschwanz und dem Bergfinken nur selten, und namentlich die Kuckuckseier, die beim Gartenrotschwänzchen gefunden würden, nähmen einen Ausnabmezustand ein. Ganz anders verhielten sich die Kuckuckseier, die in den Nestern anderer Vögel gefunden wurden. Rey hat eine Tabelle derjenigen ihm bekannt gewordenen Kuckuckseier aufgestellt, die in den Nestern der am häufigsten vom Kuckuck benutzten

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Pflegeeltern gefunden wurden. Diese Tabelle enthält 531 Kuckuckseier, zu denen noch 66 andere kommen, bei welchen in den Rey zur Verfügung stehenden Sammlungslisten die Kleidmale angegeben waren. Unter der Gesamtzahl dieser 597 Kuckuckseier waren 180 Stück, oder 30,2%, den Pflegereiern ähnlich, 164 Stück oder 27,5°%ähnelten nicht den Eiern der Pfleger, sondern denen anderer Arten, 209 Stück oder 35% zeigten die Kleidmale der Eier verschiedener Arten gemischt, 44 Stück oder 7,4%, zeigten keine Aehnlichkeit mit den Eiern anderer Vogelarten. Sähe man von den Kuckuckseiern, die bei Gartenrotschwänzchen gefunden wurden, ab, so ergäbe sich inbezug auf die Aehnlichkeit mit Eiern anderer Vögel bei den 530 dann noch übrig bleibenden Eiern, deren Kleidmale bekannt wären, das folgende: 123 Stück, oder 23,2% seien den Pflegereiern ähnlich; 156 Stück oder 29,4% seien nicht den Pflegereiern, aber den Eiern anderer Vogelarten ähnlich ; 207 Stück oder 39% zeigten gemischte, und 44 Stück oder 8,3% hätten selbständige Kleidmale. Unter den Kuckuckseiern, die den Eiern der Pfleger ähnlich seien, fänden sich 57, die den Eiern des Gartenrotschwänzchens, 2, die denen des Schilfrohrsångers, 4, die denen der weissen Bachstelze, 2, die denen der Gartengrasmücke, 2, die denen des Rotkehlchens in den Kleidmalen wirklich ähnlich wären. Dasselbe gälte von 9 Kuckuckseiern, die bei andern Arten gefunden wurden. Es wären also zusammen 14,3% der von ihm aufgeführten Kuckuckseier den Eiern der Pfleger in hohem Grade ähnlich. Liebe man aber die Eier aus Gartenrotschwanznestern ausser Betracht, so sänke der Prozentsatz der wirklichen Aehnlichkeit auf 3,6 herab. Wo bliebe da die schön klingende und viel bewunderte Theorie, nach welcher die Kuckuckseier in der Regel eine so täuschende Aehnlichkeit mit den Pflegereiern haben sollten, dass die Vögel dadurch veranlaßt würden, das Kuckucksei für das ihrige zu halten? In Wirklichkeit sähen wir, dass die „Detailanpassung“ im Grossen und Ganzen eine Ausnahme, und zwar eine recht seltene sei, und wenn in einigen Sammlungen eine grössere Anzahl von Kuckuckseier figurierten, die den Nestgelegen zum Verwechseln ähnlich seien, so liege der Verdacht sehr nahe, dass diese Kuckuckseier sich bei näherer Prüfung als Rieseneier der betreffenden Nesteigentümer erweisen würden. Seine Tabelle zeige, dass schon die Annäherung der Kuckuckseier an den Typus der Pflegereier bei mehreren Arten eine recht seltene genannt werden müsse. Unter 139 Kuckuckseiern aus Würgernestern zeigten nur 12 den Typus der Würgereier, und bei der Braunelle und dem Zaunkönig werde überhaupt keine Aehnlichkeit der Kuckuckseier mit denen der Pfleger beobachtet. Ausser beim Gartenrotschwänzchen und dem Bergfinken, bei denen die in deren Nestern gefundenen Kuckuckseier nach Rey fast immer den Pflegereiern in den Kleidmalen entsprechen, finden sich aber nach unserm Gewährsmann auch bei der Dorngrasmücke,

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