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thurien der Tiefsee sind zweierlei Ursprungs: 1) solche, welche erst in neuerer Zeit in die Tiefe hinabgewandert sind, sich dem Leben dort einigermaßen angepasst haben, aber, wie die bis zu einer Tiefe von 5300 Metern hinabreichenden Cucumarien, ihren littoralen Vorfahren noch sehr ähnlich sind — diese sind wenig zahlreich —; und 2) solche, welche vor langer Zeit hinabgestiegen sein müssen und von Vorfahren abstammen, wie ähnliche gegenwärtig in der Littoralzone nicht mehr vorkommen. Die letzteren, welche den überwiegenden Teil aller Tiefseeholothurien ausmachen, bilden die Gruppe der Elasipoda. Vor der Challengerexpedition waren 3 Elusipoda bekannt. Durch sie wurde die Zahl der bekannten Elasipodenarten auf 52 erhöht, welche von Théel auf 19 Gattungen verteilt wurden. Fast alle sind in Tiefen von mehr als 1800 Metern gefunden worden und haben eine weite horizontale Verbreitung: manche Arten reichen von Pol zu Pol.

Die Elasipoda zeichnen sich schon auf den ersten Blick durch ihre hoch entwickelte bilaterale Symmetrie aus. Die Differenzierung der Bauch- und Rücken-Seite ist bei ihnen viel deutlicher ausgesprochen als bei allen andren Holothurien. Nur die Ambulacralanhänge der Unterseite dienen der Locomotion. Dieselben bilden auf jeder Seite der Ventralfläche eine Reihe von Füßchen. Die Fußchen der beiden Reihen sind wenig zahlreicb, groß und paarweise in bestimmter Lage angeordnet. Diesen Füßchen fehlt in der Regel die Terminalplatte zuweilen auch die Saugscheibe; sie sind kurz, gedrungen und mit einem äußeren Skelett ausgestattet. Es wird anzunehmen sein, dass sie, wie die Extremitäten höherer Tiere (und nicht wie die Füßchen andrer Holothurien) fungieren und zum Geben und Graben benutzt werden. Auch die Anhänge der Oberseite haben die Tendenz, bestimmte Gestalten und Lagen anzunehmen und in bestimmter Zahl aufzutreten. Sie sind reich an Nerven und haben allem Anscheine nach einen hoch entwickelten Tastsinn. Die Tentakeln bilden einen Kragen in der Umgebung des Mundes, durch welchen der Grundschlamm aufgenommen and nach Essbarem durchsucht wird. Von baumförmiger Verzweigung findet sich an demselben keine Spur. Gehörbläschen sind wohl entwickelt. Augen fehlen. Die Kalkkörper sowie die Wasserkanäle der Elasipoden besitzen, im Vergleiche zu jenen andrer Holothurien, einen embryonalen Charakter. Die Elasipoden besitzen einen offenen Steinkanal. Einige, der Familie Psychoropotidae angehörige Formen sind gewissen Aspidochiroten, wie Paelopatides ähnlich. – Thé el glaubt, dass die Ahnen der Holothurien Pedata mit einem offenen Steinkanale und einem wohlentwickeltem Ambulacralsystem gewesen sein dürften.

Bei den Seichtwasserholothurien Cladodactyla crucea und Psolus ephippifer wurde eine Brutpflege konstatiert. Théel meint dass bei den Elasipoden die Entwicklung ohne Schwärmlarvenstadien vor sich geht.

Von Anneliden wurden 330 Arten erbeutet. 220 von diesen waren neu. Besonders abweichende Formen waren nicht darunter, aber gleichwohl wurden im Datail viele interessante Thatsachen an's Licht gebracht.

Merkwürdig ist eine Syllis, welche in einem hexactinelliden Schwamme lebt und durch wiederholte seitliche Knospung zu einem ungemein reich verzweigten Tiere auswächst, dessen Äste die Kanäle des Schwammes, in dem es lebt, nach allen Richtungen hin durchziehen. Die meisten Tiefsee-Anneliden sind Röhrenwürmer. Manche Gattungen reichen von der Littoralzone bis in die grössten Tiefen hinab. Die Anneliden der Tiefsee lassen in keiner Weise erkennen, dass sie alte, von neueren, besser ausgerüsteten Spezies in die unwirtliche Tiefe hinabgedrängte Formen seien.

Der interessanteste von den durch den Challenger erbeuteten Nemertinen ist wohl der Pelagonemertes, eine Amphiporide, welche man früher für einen Mollusken hielt. Das Tier ist (ohne Rüssel) fast so breit wie lang, durchsichtig und in der That beim ersten Blick alles anderem eher ähnlich wie einem Wurme. Hubrecht, welcher die Challenger-Nermertinen bearbeitet hat, war in der Lage seinem Report zahlreiche wichtige anatomische Beobachtungen einzuverleiben.

Mehr als ein Fünftel des der Zoologie gewidmeten Teiles der Challenger-Berichte wird von den Reports über die Crustaceen eingenommen. Nahezu 1000 neue Arten sind vom Challenger erbeutet worden, obwohl das eigentliche Gebiet derselben, die Littoralzone vom Challenger fast gar nicht abgesucht worden ist. Nur bei Kerguelen wurden auch Littoralformen mit grösserer Sorgfalt gesammelt und dort, an der Kerguelanischen Küste, erbeutete der Challenger nicht weniger als 85 neue Crustaceen - Arten, für welche 16 neue Genera errichtet werden mussten.

Die Brachyuren reichen bis zu einer Tiefe von nahezu 3/2 Kilometern hinab. Ethusa challengeri ist in einer Tiefe von 3429 Metern gefunden worden. In diesem Tiefsee-Genus (Ethusa) begegnen wir nach Miers der weitgehendsten Degeneration des Brachyurentypus. Einige Macroren wurden aus einer Tiefe von 54/, Kilometern heraufgebracht. Im ganzen haben Spence Bate bei 2000 Exemplare von Macruren vorgelegen. Auch die Ausbeute an Schizopoden war eine reiche. Zahlreiche merkwürdige Larvenformen von Stomatopoden, sowie neue Arten von Cumaceen sind gefunden worden. Mehrere Gamariden-Arten haben eine kosmopolitische Verbreitung. Daneben gibt es aber auch viele, welche auf bestimmte Lokalitäten beschränkt zu sein scheinen. Scharf umgrenzt scheint besonders die Gruppe der Amphipoden zu sein. Durch den Challenger hat auch die merkwürdige Nebalia zwei Genossen erhalten. Metsch uik off hatte die Nebalien für phyllopodenartige Decapoden gehalten. Sars, der die ChallengerNebalien untersuchte, erklärte sie für Copepodenartige Branchiopoden. Claus hat seither in der von ihm zu den Malacostraken gestellten Nebalia die Stammform der höheren Krebse erkannt und die Irrthümlichkeit der Sars'schen Auffassung nachgewiesen.

Die Isopoden-Sammlung des Challenger war die reichhaltigste Collektion solcher Tiere, die je zusammengebracht worden ist. Namentlich gross ist die Zahl der neuen Arten der Tiefsee-Gattungen Serolis und Areturus. Die Seborgane der meisten Tiefseetiere sind durch die Finsternis, die in ihrem Wohnorte herrscht, beeinflusst worden: viele Angehörige der abyssalen Fauna sind ganz blind. Dementgegen schienen die Isopoden der Tiefsee normale Augen zu besitzen. Die bistologische Untersuchung hat aber gezeigt, dass die tieferen Schichten der äusserlich scheinbar normalen Augen solcher Formen wie Serolis neaera stark degenerirt sind. Beddard schließt daraus, dass bei dem Rudimentärwerden der Augen infolge dauernder Dunkelheit zuerst die inneren, und zuletzt die äusseren Teile verschwinden. Einige von den Tiefsee-Isopoden scheinen aber wircklich ganz normale, brauchbare Augen zu besitzen. Auf den Mangel an Sauerstoff im tiefen Wasser führt Beddard die Thatsache zurück, dass bei Anuropus auch das letzte Paar der Abdominal-Füße Kiemenanhänge trägt. Viele Tiefseeisopoden sind sehr stachlig.

Von Ostracoden beschrieb Brady in seinem Challenger - Report 221 Arten. Darunter 144 nege. Im allgemeinen ist die abyssale Zone arm an Ostracoden: sie sind Seichtwassertiere. Nur 17 Arten wurden in Tiefen von mehr als 2742 Metern (1500 Faden) erbeutet.

Sehr interessant waren die Cirripeden von denen bei 80 Arten gesammelt wurden. Von dem, durch Sars bekannt gemachten Tiefseegenus Scalpellum erbeutete der Challenger tiber 40 Arten. Alle diese, mit einer einzigen Ausnahme, waren neu. Merkwürdig sind die durch die Assymetrie ihrer Schalen ausgszeichneten Angehörigen der Gattung Verruca. Die neuen Tiefsee-Formen dieses Genus weichen von den früher bekannten erheblich ab. Scalpellum und Verruca sind die einzigen Cirripeden-Genera, welche unter 1828 Meter (1000 Faden) gefunden worden sind. Balanus reicht blos bis zu einer Tiefe von 944 Metern hinab. Eine neue Chthamalus-Art wurde an der Schraube des Challenger selber gefunden; die vor allen verdiente – und erhielt auch – den Speciesnamen „challengeri!

Von Pycnogoniden – Hoek will sie als eigene, zwischen den Crustern und Arachniden stehende Klasse angesehen wissen — wurden 36 Arten gefunden. Alle von diesen, mit Ausnahme von dreien waren nen. Die meisten Tiefseegenera kommen auch in der Littoralzone vor. Sogar Angehörige einer und derselben Species leben zuweilen in sehr verschiedenen Tiefen. Nymphon grossipes wurde aus 151 und 987; Colossendeis leptorhynchus aus 731 und 2925 Metern heraufgeholt. Das Tiefsee-Genus Oorhynchus ist das einzige, welches keine Vertreter in seichtem Wasser hat. Einige der Tiefsee - Pycnogoniden erreichen eine bedeutende Größe. Ein Exemplar von Colossendeis gigas maß von Fußspitze zu Fußspitze bei 60 Centimeter.

Es lag in der Natur der Expedition, dass nur wenige tracheate Arthropoden gesammelt wurden. Gleichwohl hat der Challenger eine Anzahl neuer Myriopoden mit heimgebracht. Moseley untersuchte am Cap der guten Hoffnung den Peripatus, den er am Tafelberge gefunden hatte und wies in seiner gewohnten kurzen, bündigen und unwiderleglichen Weise nach, dass derselbe wegen seiner Tracheen und dem Bau seiner Mundwerkzeuge zu den tracheaten Arthropoden gestellt werden müsse, deren einfachste bekannte Form er darstelle.

Besonderes Interesse nehmen die pelagischen Hemipteren Halobates — in Anspruch. Buchanan White hat auf Grund des Challengermaterials, sowie aller andern in Museen aufbewahrten Stücke, die er untersuchen konnte, und unter Berücksichtigung der gesammten einschlägigen Literatur eine kleine Monographie dieser Meerwanzen zusammengestellt. Er unterscheidet 11 Arten von Halobates. Alle sind klein. Die grösste blos 6mm lang. Sie entbehren der Flügel vollständig und haben ein sehr kleines Abdomen. Das zweite und dritte Beinpaar sind lang und schlank, das erste kürzer und stärker. Die Endglieder des zweiten Beinpaares sind mit einem Saume langer Haare besetzt. In Bezug auf die Lebensweise ähnelt Halobates ihrer Verwandten im süssen Wasser der Hydrometra, taucht jedoch (bei unruhiger See) mit grösserer Vorliebe als diese. In Astuarien wurden Zwischenformen gefunden, welche die pelagischen Hydrometren mit jenen des süssen Wassers verbinden. Für diese hat White das Genus Halobatodes aufgestellt. Halobates ist nicht, wie White glaubte, als eine Stammform, sondern als ein hochdifferenzirtes, von Land- oder Süsswasserinsekten abstammendes Genus aufzufassen.

Eine Anzahl in der abyssalen Tiefe vorkommende Gastropoden haben ihre Kopfaugen verloren und ebenso fehlen den, unter 1800 Meter vorkommenden Pectiniden die Augen des Mantelrandes. Sehr schön liess sich das Rudimentärwerden der Augen an Guivillea verfolgen: die Retina ist stark reduziert, das Pigment vollständig verschwunden, und das äußere Epithel seines spezialisierten Charakters größtenteils verlustig geworden. Bei den Septibranchiern sind die Kiemen in eine muskulöse Membran umgewandelt worden und die Respiration wird von der Innenfläche des Mantels in der oberhalb dieser Membran liegenden Kammer besorgt. Die Kontraktionen jener Membran erzeugen den diesen Raum passierenden Strom von Athemwasser.

Die phylogenetischen Verwandtschaftsverhältnisse der Lamellibranchiaten sind durch das Studium des Challengermaterials in manchen Punkten aufgeklärt worden. Der Hermaphroditismus erwies sich bei den Mollusken als ein sekundärer, durch Umwandlung der Weibchen entstandener Charakter.

Einige vom Challenger gesammelte Polyplacophora haben nur wenige, 8 oder 6 Kiemenpaare (Leptochiton benthus). Diese Thatsache und andre Erwägungen haben zu dem Schlusse geführt, dass die Amphineuren, die der Struktur nach ältesten Mollusken, ursprünglich zahlreiche über die ganze Länge des Körpers verbreitete Kiemen besaßen. In einigen Formen ist die Anzahl der Kiemen reduciert worden, indem die vorderen verloren gingen. Das letzte Kiemenpaar ist das einzige, welches bei den andren Mollusken (Pleurotomariidae, Fissurellidae, Haliotidae, Lamellibranchia, Dibranchiata) erhalten ist. Bei Nautilus persistieren die zwei letzten Kiemenpaare.

Die Untersuchung des reichen Materials an Pteropoden hat das Resultat ergeben, dass die Pteropodenklasse aufgegeben und die Pteropoden zu den Opisthobranchiern gestellt werden müssen. Die Gymnosomata sind von den Aplysioidea, die Thecosomata von deu Bulloidae abzuleiten. Alle Enthyneuren werden von gewundenen Vorfahren abgeleitet.

Eine der erbeuteten Nudibranchien, die Buthydoris, besitzt zahlreiche getrennte Kiemenfedern. Es wird daher angenommen, dass die peranalen Kiemen der Doriden durch die Vereinigung zahlreicher solcher Federn zu Stande gekominen und den Kiemen andrer Mollusken nicht homolog sind.

Der Challenger erbeutete 72 Arten von Cephalopoden. 32 von diesen waren neu. Alle Sepia-Arten wurden zwischen Australien und Japan gesammelt. Interessanter als diese und die zahlreichen neuen Arten von Octopus und Loligo sind einige andre, für welche neue Genera aufgestellt werden mussten. Bei Amphitretus ist – im Gegensatze zu allen andren Cephalopoden -- der Mantel fest an den Sipho geheftet. Bei Japetella und Eledonella ist der Körper gallertartig und durchsichtig. Bathyteuthis ist durch die teilweise Rückbildung der Fangarme, Saugnäpfe und Flossen, sowie durch die bedeutende Ausbildung der Lippe dem Leben am tiefen Schlammgrande angepasst. Es wurde auch eine vollständige Spirula erbeutet – eines von den fünf kompleten Exemplaren, welche unsere Sammlungen enthalten.

Von Brachiopoden wurden verhältnismäßig wenige Exemplare erbeutet. Die Formen der Tiefsee sind kleiner als jene der littoralen Zone. Die in der grössten Tiefe vorkommende Art ist Terebratula wyvillei, welche auf 5295 Meter tiefem Grunde gefunden wurde. Nur wenige von den vom Challenger erbeuteten Arten sind mit Sicherheit auch aus dem Tertiär bekannt: alle diese sind littoral, keine einzige eine Tiefseeform.

Unter den vom Challenger erbeuteten Bryozoen sind jene Tiefseeformen die bemerkenswertesten, für welche Busk und Waters

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