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Eiern der Pfleger in größerem oder geringerem, oft in hohem Grade ähnlich sind? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir das Verhalten der Pfleger gegenüber dem Kuckuck, seinen Eiern und seinen Jungen kennen lernen. Das Kuckucksei wird nach Baldamus in die Nester vieler meist kleiner Singvogelarten gelegt; die Eigner bätten es zu bebrüten und das ihm entschlüpfende Junge aufzufüttern. Dieses mühe- und selbst gefahrvollen Amtes werde von der bei weitem größeren Zahl der Zieh- oder Pflegeeltern mit bewundernswerter Aufopferung gewaltet, wenn es einmal übernommen worden sei. Ob es aber in den meisten Fällen übernommen wird oder nicht, ist eine andere Frage. Die Frage nach dem Verhalten der Pfleger verschiedener Arten gegenüber den Parasitismus des Kuckucks ist nach Baldamus schon öfter aufgeworfen und erörtert worden, aber bisher ohne befriedigende Antwort geblieben. Baldamus meint, alle die kleinen und großen Pfleger des Kuckucks seien ausnahmslos weit davon entfernt, über den ihrem Neste na henden Kuckuck Freude zu empfinden. Alle Pfleger ohne Ausnahme zeigten Misstrauen, Furcht und Angst beim Herannahen des Kuckucks zu ihrem Nest, und selbst die kleinsten suchten ihn, mindestens durch Geschrei, zu vertreiben. Verzweiflung gäbe den Vögeln den Mut, sich dem Störenfried schreiend entgegenzuwerfen. Zuerst geschähe dieses seitens des Männchens, wenn das Weibchen auf den Eiern säße; dann käme auch dieses, und, durch das Angst- und Zorngeschrei herbeigerufen, flögen wohl auch die nächsten Nachbarn der gleichen Art oder fremder Arten herbei. Die Vögel zwängen den Kuckuck, die Flucht zu ergreifen; er hätte dann einen günstigeren Augenblick, nämlich die Entfernung der erkorenen Pfleger von ihrem Neste, für sein Vorhaben abzuwarten. Die kleinen Vögel seien in der Verfolgung des Kuckucks oft so tollkühn, dass sie ihm Federn ausrissen, wie Baldamus es bei der Verfolgung des Kuckucks durch die weiße Bachstelze und den Zaunkönig gesehen habe. Die weiße Bachstelze greife alle ihr verdächtigen größeren Vögel an, und suche sie, meist mit Erfolg, von ihrem Neste zu vertreiben, besonders auch den na henden Kuckuck, den sie meist thätlich angreife und weit verfolge. Erregter gestalte sich voraussichtlich der Kampf zwischen Kuckuck und stärkeren Pflegern, z. B. dem Neuntöter, der selbst Krähen und Raubvögel angreife. Auch nach Rey hat der Kuckuck beim Ablegen seiner Eier oder beim Entfernen von Pflegereiern oft heftige Kämpfe mit den Nesteigentümern auszufechten, die nicht selten das Zugrundegehen des Kuckuckseies zur Folge haben. Ob in solchen Fällen, in denen offenbar ein Kampf zwischen dem Kuckucksweibchen und den Nesteignern stattgefunden hätte – man hätte z. B. einzelne Federn des ersteren neben dem verletzten Kuckucksei gefunden – die eine oder die andere der Parteien die Schuld der Verletzung träfe, darüber liegen nach Baldamus keine genauen Beobachtungen vor. Besonders heftig und hartnäckig werde der Kampf, wenn die Pfleger den Kuckuck auf ihrem Neste ertappten. Forstmeister v. Göbel habe beobachtet, dass ein Paar Teichrohrsänger das vor seinen Augen gelegte Kuckucksei nach wütendem Kampfe mit dem Kuckuck zerhackten; Nest und Nesteier wurden dabei zerstört. Aehnliche Scenen sind nach Baldamus auch sonst beobachtet worden, aber sie spielten sich, wie Baldamus meint, wohl immer nur dann ab, wenn die Nesteigentümer den Kuckuck auf ihrem Nest anträfen. Geschähe dieses nicht, so würde das Kuckucksei nach einigen Bedenklichkeiten in der Regel aufgenommen. Sogar zweimal in einer Brutperiode, wie es bei einem Bachstelzenpaar beobachtet worden sei, das zwei junge Kuckucke nach einander erzogen hätte, noch dazu in demselben Neste. Baldamus sah auch einmal ein Paar Laubvögel (Phylloscopus rufus) einen über den Boden hinstreichenden Kuckuck verfolgen, fand aber in dem Neste der Vögel einen vier Tage alten Kuckuck, und trotz des heftigen Kampfes mit dem rotköpfigen Würger, der stets mit der Flucht des Kuckucksweibchens endige, wisse dieses doch fast immer sein Ei einzuschmuggeln. H. Blasius und Balda mus sahen auch einmal ein Neuntöterpaar hinter einem Paar Kuckucken herstürzen und letzteres verfolgen. Am dritten Tage darauf fand Balda mus aber doch in dem Nes:e der Neuntöter neben vier Eiern der letzteren ein Kuckucksei.

Man habe, sagt Baldamus, einen unlösbaren Widerspruch zwischen der leidenschaftlichen Abwehr des Kuckucks und der Annahme seines Eies seitens der großen Mehrzahl der Pfleger gefunden. Die einzig mögliche Erklärung beruhe nach Thienemann auf der Voraussetzung, dass diese das fremde Ei nicht von ihren eignen Eiern zu unterscheiden wüssten. Anderseits habe man eine „Vorausbestimmung gewisser Singvögel für die Pflegerschaft des Kuckucks behauptet. Die Vögel sollten zwar das Kuckucksei erkennen, aber „sich dem Naturwillen fügen“, das Ei annehmen, bebrüten und die Jungen aufziehen. Andere seien der Ansicht, die Pfleger würden sich hüten, ein Kuckucksei anzunehmen, wenn sie es als solches zu erkennen im Stande wären, und viele Ornithologen hätten auf die Frage, ob die Pfleger das untergeschobene Kuckucksei zu erkennen und von den eigenen Eiern zu unterscheiden vermöchten, eine verneinende Antwort gegeben, besonders die mit eigenhändigem Unterschieben fremder Eier operierenden, die irriger Weise den Resultaten ihrer Versuche volle Beweiskraft zuschreiben zu dürfen meinten. Aber das durch Menschenhände bewerkstelligte Verwechseln von verschiedenen Arten zugehörigen Eiern habe für die Beantwortung der Frage, welche Arten das Kuckucksei annehmen, nur geringen oder vielmehr keinen Wert. Das Verlassen der Eier in Folge des Einschiebens des Kuckuckseies fände entschieden seltener statt, als das durch Betasten und Herausnehmen der Eier und

andere Manipulationen verursachte. Nach Balda mu s' Meinung erkennen die meisten Pflegerarten das ihnen untergeschobene Kuckucksei auch dann als ein fremdes, wenn sie den Kuckuck nicht an oder auf ihrem Neste ertappt haben. Sie betrachteten das in ihrer Abwesenheit eingeschmuggelte Ei längere Zeit unter Tönen und Bewegungen, die Furcht, Angst und Zorn verriethen, entfernten sich, kämen wieder und setzten sich anf das Nest, legten, und dieses geschähe in den „meisten Fällen, die noch am Gelege fehlenden Eier hinzu und brüteten nun ruhig weiter. Es sei ihm, sagt Baldamus, keine Thatsache bekannt, wonach die Pfleger das Kuckucksei aus dem Neste geworfen hätten. Wenn man gleichwohl intakte oder auch verletzte Kuckuckseier außerhalb des Nestes gefunden hätte, so habe das Hinauswerfen oder die Verletzung des Eies jedenfalls in Folge eines Kampfes, sei es mit einem andern Kuckucksweibchen, oder mit den Nesteigentümern, stattgefunden. Er habe überhaupt nur wenig Fälle von Nestverlassen kennen gelernt. Der eine bezöge sich auf ein Goldhähnchennest, in welchem er selber das Glück, ein Kuckucksei neben zwei Eiern der Nesteigner zu finden, gehabt hätte. Der zweite beträfe ein bereits mehrtägig bebrütetes Kuckucksei im Nest der Zaungrasmucke. In diesem Falle sei bestimmt anzunehmen, dass das Kuckucksei von dem kleinen Vogel angenommen worden und dieser durch irgend eine Störung, vielleicht durch den täglichen Besuch des Kuckucksweibchens, zum Verlassen des Nestes veranlasst worden sei. Ihm schiene das Nestverlassen nicht etwa charakteristisch für bestimmte Arten, sondern rein individuell zu sein. Außer einem Kuckucksei, das bei drei Eiern der Zaungrasmücke, die sich gleich dem Kuckucksei in vorgerücktem Bebrütungsstadium befunden hätten, gelegen gewesen wäre, hätte er einige Jahre später ein anderes gefunden, das neben zwei Eiern der Zaungrasmücke ein fast zur Hälfte verdorbenes Kuckucksei enthielt, und es wäre ihm auch ein junger Kuckuck in einem Nest des feuerköpfigen Goldhähnchens gezeigt worden, den diese kleinsten europäischen Vögel ängstlich umflattert hätten, während jenes andere Nest, das zwei Eier des Goldhähnchens und ein Kuckucksei enthielt, bereits seit drei Wochen verlassen gewesen wäre. Beweise von regelmäßigem Zurückweisen des Kuckuckseies seitens gewisser Arten lägen durchaus nicht vor. Vielleicht seien es besonders durch den Kuckuck beim Legen verursuchte Störungen des Nestes, was die Vögel der kleineren Arten zum Aufgeben ihrer Nester veranlasse. Er sei überzeugt, dass das Nestverlassen seitens der Pfleger in Folge des Einschiebens des Kuckuckseies lediglich zu den Ausnahmen gehöre und in der Regel nur bei den kleinsten und seltener heimgesuchten Vogelarten vorkomme, obwohl keineswegs zu leugnen sei, dass manche Arten hierin empfindlicher seien, als andere, z. B. eben die Zaungrasmücke, und es gäbe auch Arten, deren Angehörige keine Kuckuckseier annehmen wollten.

XVI.

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So erzähle Dybowski, er und seine Begleiter hätten sich etliche Malé davon überzeugt, dass der sibirische Gimpel (Uragus sibiricus) die Kuckuckseier nicht annehmen wolle, sondern sogleich sein Nest zerstöre und dessen Material zum Bau eines anderen verwende, obwohl die betreffenden Kuckuckseier für die Aufnahme in das Nest dieser Art „vorbereitet“ seien. Baldamus führt auch andere Beispiele von durchaus nicht freundlicher Behandlung des Kuckuckseies seitens der Pfleger an. Man habe öfter Kuckuckseier unter dem höher angelegten Neste mancher Pfleger, oder auch in der Nähe des auf dem Erdboden befindlichen gefunden und gefragt, wie und auf welchem Wege die teils unbeschädigten, teils mehr oder weniger verletzten Eier aus dem Neste entfernt worden seien. Naumann habe für einen bestimmten Fall eine genügende Antwort gegeben. Er hätte in einem Neste der Zaungrasmücke zwei Eier dieses Vogels gefunden. Nach einiger Zeit hätte jedes der beiden Eier unter dem Neste auf dem Boden und im Neste ein Kuckucksei gelegen. Ein paar Tage darauf hätten sich wieder zwei Zaungrasmůckeneier im Nester befunden, während das Kuckucksei zerbrochen auf der Erde gelegen hätte. Hier habe der Kuckuck offenbar, meint Baldamus, ganz gegen seine sonstige Gewohnheit, die Grasmückeneier aus dem Neste entfernt. Dagegen hätten die Grasmücken das fremde Ei erkannt, vielleicht auch den Kuckuck beim Legen überrascht und das Kuckucksei sofort aus dem Neste geworfen, nicht ohne es zu verletzen, da sie es mit dem kleinen Schnabel zwar anzupicken und aus dem Neste zu schieben, aber nicht ohne Beschädigung im Schnabel fortzuschaffen vermocht hätten. Baldamus hat auch einmal ein Finkenei im Neste eines Stieglitzes (Carduelis carduelis), der nicht zu den Kuckuckspflegern gehört, gefunden. Der Fink hätte, da sein drei Eier enthaltendes Nest durch Katzen zerstört worden wäre, sein Ei in der Notlage dem benachbarten Neste anvertraut, allein die Stieglitze hätten ihr Nest verlassen. Trotz alledem erblickt Baldamus den besten Beweis dafür, dass sogar ausnahmsweise heimgesuchte Pflegeeltern das Kuckucksei annähmen, darin, dass die weit größere Eier legenden Amseln, Singdrosseln u. 8. W., das Kuckucksei nicht aus dem Nest geworfen, und, wie es schiene“, ihr Nest nicht verlassen hätten. Uebrigens sei nicht zu bezweifeln, dass die Mehrzahl der kleinen, aber auch manche große Vögel ihr volles Gelege, zumal wenn die Eier schon mehr oder weniger bebrütet seien, nicht so leicht verließen, als wenn sich erst wenige Eier im Neste befänden. Ein sicherer Nachweis der Annahme eines ins leere Nest gelegten Kuckuckseies sei nicht bekannt, wohl aber sei es mehrseitig konstatiert worden, auch durch ihn, dass verschiedene Pfleger das zu einigen ibrer Eier gelegte Kuckucksei unbeachtet ließen und weiter legten. Viele der Pflegeeltern möchten dann aber während der Nistzeit eine Beute des Raubzeuges werden; er wäre selber Augenzeuge gewesen, wie ein Neuntöterweibchen eine brütende Grasmücke von ihrem Neste wegraubte, in welchem neben fünf ihrer eignen Eier auch ein Kuckucksei lag.

Dass die Pfleger den glücklich ausgebrüteten jungen Kuckuck wie Junge ihrer eigenen Art behandeln, erklärt Baldamus durch das Mitleid. Ich möchte mich so ausdrücken, dass ihr Brutpflegeinstinkt durch den hungrigen und sie um Futter anbettelnden, wenn auch hässlichen, jungen Kuckuck weniger leicht gestört wird als durch das fremde Ei im Neste. Ich lese nämlich aus der soeben mitgeteilten Blumenlese aus Balda mu s’ Werk, in der sich mir der Autor, der übrigens bei Abschluss seines Werkes nahezu 80 Jahre alt war, doch mehrfach zu widersprechen scheint, wenigstens so viel heraus, dass es doch oft genug vorkommt, dass die vom Kuckuck auserkorenen Pfleger ihr Nest verlassen, weil sie ein Kuckucksei darin finden. Was ich bei Rey darüber finde, bestätigt dieses Ergebnis. Rey teilt mit, dass der Zaunkönig nach Walters' Beobachtungen, der allein über 50 Kuckuckseier in Zaunkönigsnestern gefunden habe, das Nest meist verlasse, wenn der Kuckuck sein Ei binein gelegt babe. Eine ebenso unglückliche Wahl träfe der Kuckuck mit Laubsängernestern, da die meisten Nester dieser Vögel verlassen würden, sobald der Kuckuck sein Ei binzugefügt und darauf Nesteier entfernt habe. Auch Rey sind eine ganze Reihe von Fällen vorgekommen, die Walters' Beobachtungen am Zaunkönige für andere Vögel bestätigen, und Rey kommt zu dem Schluss, dass der Kuckuck nicht immer seinen Zweck erreicht, dass vielmehr die Eigentümlichkeiten seiner Brutpflege nicht selten zum Verderb für seine Nachkommenschaft ausschlagen. Zwar legten die meisten Vögel, nachdem der Kuckuck sein Ei ins Nest gebracht hätte, die zur normalen Gelegezahl gehörigen Eier nach, gleichgiltig, ob und wie viele Eier der Kuckuck herausgeworfen hätte. Andere dagegen seien gleich dem Zaunkönige sehr leicht geneigt, das Nest zu verlassen. Es ist nach Rey eine auffällige Thatsache, dass, obgleich die Nester der Gartengrasmücke ziemlich häufig vom Kuckuck belegt werden, dieses bei der doch ebenso häufigen Mönchsgrasmücke nur selten der Fall ist. Auf 100 Kuckuckseier, die man in den Nestern der Gartengrasmücke fand, kämen nur 20, die dem Mönch untergeschoben würden.

Den Mitteilungen Rey's lasse ich andere folgen, welche die Pfleger anderer Kuckucksarten und die der Kuhvögel, die gleichfalls Brutschmarotzer sind, betreffen.

G. v. Gonsenbach schrieb an Baldamus, dass das Betragen der Blauelstern (Cyanopolius cooki), in deren Nester der Häherkuckuck seine Eier legt, gegen den letzteren zwar nicht gerade ein feindliches sei; doch jage ibn die brütende Elster von ibrem Neste fort, wenn er in dessen Nähe käme. Lord Lilford berichtet nach

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