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bleiben. Statt ihrer muss man eine „weite Definition der Arten einführen, welche die Abänderung berücksichtigt“.

Zunächst sei diese Aufgabe sehr schwer und bei dem gegenwärtigen Zustand der Wissenschaft kaum schon gut zu lösen, aber ihre Lösung doch nicht ganz unmöglich. Noch schwieriger sei vorerst die praktische Unterscheidung der einzelnen Arten. Zunächst aber sei es möglich und nötig, die Beziehungen zwischen nahverwandten Arten zu untersuchen und daraufhin die zusammengehörigen vach Möglichkeit zu vereinen.

Dann wendet er sich zu der Frage, welche Bedeutung bei der zukünftigen Definition der Arten den verschiedenen Merkmalen zukomme. Das Resultat alles von ihm zusammengetragenen Materials sei, dass die morphologischen Eigentümlichkeiten auch bei den Bakterien die konstantesten seien. Auch wenn eine Art durch äußere Einflüsse erblich morphologisch abgeändert sei, so trete nach einigen, unter „normalen“ Bedingungen gezüchteten Generationen wieder Rückschlag ein, während wir bisher noch keine Mittel wüssten, um einem Staphylococcus aureus seine Farbstoffproduktion oder einem Diphtheriebacillus seine Pathogenität wieder zu verleihen, nachdem wir sie ihnen absichtlich oder unabsichtlich genommen hätten. Dass bisher den morphologischen Charakteren so wenig Bedeutung beigemessen worden sei, habe seinen Grund darin, dass man verzweifelte Unterschiede zwischen Bacillus und Bacillus, Kokken und Kokken zu finden; aber das sei seit der allgemeinen Verbreitung der vortrefflichen modernen Mikroskope und seitdem man mit ihrer Hilfe die Bakterien genau studiere, nicht mehr berechtigt. R. glaubt, dass ein gewiegter Bakteriologe schon heute den Milzbrandbacillus allein aus seinen morphologischen Eigentümlichkeiten, nachdem er ihn eventuell unter verschiedenen Bedingungen gezüchtet habe, diagnostizieren könne, ohue seine Virulenz zu prüfen oder das makroskopische Aussehen der Kulturen zur Diagnose heranzuziehen. Und er ist überzeugt, dass nach entsprechend eingehenden Untersuchungen, wie sie dem Bac. anthracis gewidmet wurden, wir auch bei anderen Bakterienarten ebensoweit kommen könnten. Das wird die praktische diagnostische Bedeutung der jetzt gebräuchlichen funktionellen und biologischen Merkmale wohl auf lange Zeit nicht berühren. Aber R. glaubt nicht, dass wir berechtigt seien, in der Bakteriologie, im Gegensatz zu allen anderen Zweigen der Biologie, auf solche Merkmale allein Artunterschiede zu gründen.

Zum Schlusse wendet er sich zu der Frage, inwiefern man Thatsachen aus der Bakteriologie als Beweise der Descendenztheorie heranziehen könne. Und hier glaubt er, dass unter allen den unzähligen Beispielen von Variabilität sich doch keines von „Transformation“, Umzüchtung einer gut charakterisierten Art in eine andere finden lasse. Inbezug auf morphologische Abänderungen könne davon keine Rede sein, denn sie seien nicht konstant. Funktionelle Varietäten können wir zwar anscheinend konstant erhalten; wir wissen zwar eine Methode dem abgeschwächten Milzbrandbacillus seine Virulenz wieder zu geben, aber nicht dem abgeschwächten Diphtheriebacillus. Aber auch dieser bewahrt wie jener im unschuldigsten Zustand noch einen, in seinem Wesen freilich ganz unerklärten Rest seiner früheren Eigenschaft: nämlich Tiere gegen virulentere Rassen seiner Art widerstandsfähiger zu machen, zu immunisieren. In diesen Fällen pathogener Bakterienarten haben wir am Tierkörper ein außerordentlich feines

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Reagens, die latente Eigenschaft der Rasse merklich zu machen. Nach Analogie vermutet R., dass auch die Bildung chemischer Fermente bei einer Rasse anscheinend unterdrückt sein kann, ohne doch vollständig geschwunden zu sein. So lasse sich aus unseren bisherigen bakteriologischen Erfahrungen kein Beispiel der Umbildung von Arten anführen.

Werner Rosenthal. [36]

-----Werner Rosenthal, Beobachtungen über die Variabilität der Bakterienverbände und der Kolonieformen unter verschie

denen physikalischen Bedingungen. Deutsches Archiv für klinische Medizin, 55. Bd., (Festschrift für Herrn Prof.

v. Zenker), Leipzig 1895, S. 513-530. Im Anschluss an obiges Referat erlaube ich mir über eine Untersuchung zu berichten, welche ich im Sommer 1894 im Erlanger pathologisch-anatomischen Institut anstellte. Ausgehend von der Beobachtung auffälliger Kolonieformen in Gelatine an einigen sehr heißen Tagen, untersuchte ich, welchen Einfluss die Konsistenz des Nährbodens auf das Wachstum bekannter Bakterienarten habe. Ich bereitete mir dazu Nährböden, die statt 10% oder 5% nur 2,5% oder 3,3% Gelatine, aber den üblichen Gehalt an Pepton, Kochsalz und Extraktivstoffen hatten und untersuchte in Plattengüssen mit denselben Bact. coli, Typhusbacillen, Choleravibrionen und Heubacillen. Die beiden ersteren zeigten darin Kolonien von ganz anderem Charakter als in dickeren Gelatinen. Dieselben waren nicht mehr kugelig oder regelmäßig wetzsteinförmig, sondern wurden in 3,3% Gelatine mindestens buckelig und in vielen Fällen konnte man einzelne Fäden aus ihnen herauswachsen sehen. In 2,5% Gelatine lösten sich die Kolonien von Typhusbacillen häufig sogar zu lockeren Haufen einzelner Fäden und Bacillen auf und das allmähliche Auftreten janger Kolonien in der Nachbarschaft älterer schien auf aktives Auswandern einzelner Keime hinzudeuten. Das auffallendste aber war, dass einzelne der heraustretenden Bacillenfäden in Form wohlausgebildeter Spiralen mit mehreren Windungen sich darstellten. In der Litteratur fand ich keine Andeutung, dass Spirillenformen je bei Typhusbacillen beobachtet worden seien.

Da ich unter sonst gleichen Umständen ein lockereres Wachstum der Typhusbacillen im Vergleich zu den Colibakterien beobachtet hatte, und bei letzteren keine so wohlausgebildeten Spirillenformen fand als bei ersteren, warf ich die Frage auf, ob dieser Unterschied zur Diagnose von Typhusbacillen verwendbar wäre. In einer auf Anregung von Herrn Professor Hauser von Joh. Klie angestellten Nachuntersuchung, welche nächstens im Centralblatt f. Bakteriologie u. Parasitenkunde veröffentlicht werden wird, konnte Herr K. meine Befunde über das Verhalten von Colibakterien und Typhusbacillen in verdünnten Gelatinenährböden bestätigen, fand aber, dass auch hier sich kein konstanter Unterschied zwischen den beiden Mikroben finden lässt, da einzelne Rassen von Bact. coli sich gerade 80 verhielten, wie ich es oben vom Eberth'schen Bacillus angegeben habe.

Choleravibrionen und Heubacillen zeigten in verdünnter Gelatine kein wesentlich anderes Verhalten als in dicker. Bei letzteren konnte ich gar nichts bemerkenswertes beobachten, während bei ersteren, ähnlich wie bei

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Typhusbacillen, ein Auswandern einzelner Keime aus den Kolonien vorzukommen schien. Nie aber sah ich die geringste Andeutung von dem Herauswachsen einer Spirille in die verdünnte Gelatine, obgleich doch die Choleravibrionen in flüssigen Nährböden Spirillen bilden.

Außerdem beschäftigte ich mich mit einer Bakterienart, die wohl wegen des Mangels pathogener oder gärungserregender Eigenschaften bisher wenig beachtet wurde, aber wegen der Deutlichkeit, mit der sie auf äußere Einwirkungen reagiert, ein interessantes Objekt ist. Die Geschwister Frankland beschrieben einen ähnlichen unter dem Namen Bacillus arborescens, nach der charakteristischen Erscheinung 24 Stunden alter Kolonieen so benannt, weil sie aus einem Stämmchen bestehen, das sich an beiden Polen in immer feinere, divergierende Aeste auflöst, so dass sie einem kahlen Baume ähneln, der sich in einem See spiegelt. Da die von mir gezüchtete Rasse wohl etwas von der von den Geschwistern F. beschriebenen abweicht und jene Beschreibung auch im Sinne Rod et's zu „eng“ ist, so habe ich den Bacillus beschrieben, wie er sich mir darstellte und die Gründe angeführt, wegen deren ich ihn für wahrscheinlich identisch mit Bac, aborescens F. halte.

Meine Aufmerksamkeit wurde auf diesen Bacillus gelenkt, weil ich an ihm die Fähigkeit beobachtete, auf der Oberfläche starrer, zehnprozentiger Gelatine umherzukriechen, ähnlich wie es bisher nur vom Proteus vulgaris Hauser und dessen Abarten bekannt war. Er bewegt sich freilich bedeutend träger als jener, aber dafür ist die Erscheinung schon auf 10 proz. Gelatine konstant. Sic führt zur Bildung sebr charakteristischer Oberflächenkolonien. Dieselben bestehen im Zentrum aus flachen, mit Bacillen erfüllten Kanälen, die zwischen sich Inseln unveränderter Gelatine einschließen und umgeben sind von einem Netzwerk bogig verlaufender Bacillenzüge, zwischen welchen und außerhalb derer Bacillengruppen und einzelne Bacillen liegen. Beobachtet man diese aufmerksam, so sieht man, dass sie alle in Bewegung sind; ebenso wandern, so weit man die Individuen in den dichteren Zügen noch beobachten kann, auch diese immer hin und her.

Wird dieselbe Art bei kühler Temperatur (unter 15° C) gezüchtet, so wird die Vermehrung der Bakterien zwar verlangsamt, aber nicht aufgehoben. Die charakteristischen Bäumchenkolonien gehen dabei in knollig kugelige Kolonien über, und zwar dadurch, dass die Aeste, statt in der ursprünglichen Richtung fortzuwachsen, sich zurückbiegen und so eine Schale um das im Zentrum gelegene Stämmchen bilden. Der innerhalb derselben frei gebliebene Raum wird allmählich mit Bacillen ausgefüllt, so dass nach 3 Tagen die für die Art charakteristische Form ganz verschwunden ist. Zugleich scheint die Bewegungsfähigkeit der Bacillen zu schwinden, denn die Oberflächenkolonien bilden nur noch unregelmäßig begrenzte Rasen, selten straßenähnliche Ausläufer.

Ganz dieselbe Abänderung der Kolonieformen des Bac. arborescens erhielt Marshall Ward (Proc. of the Roy. Soc., 24. Nov. 1894) durch Einwirkung des Sonnenlichtes auf die Bacillen, indem er das Keimmaterial vor Anlegung der Platten einige Stunden dem Sonnenlicht aussetzte.

Eine gerade entgegengesetzte Abänderung der Kolonieform erzielte ich, als ich Plattengüsse mit fünfprozentiger Gelatine von diesem Bacillus anlegte. Zuerst entwickeln sich auch die charakteristischen Bäumchen, aber die Verzweigungen sind von vornherein zahlreicher, statt vorherrschend

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dichotomisch mehr wirtelig; die Aeste sind viel feiner, sie bestehen aus einfachen Bacillenfäden. Diese wachsen rasch und zwar alle fast gerade in radiärer Richtung fort. Dadurch wird schon nach 48 Stunden der ursprünglich 2 polige Bau der Kolonie unmerklich und diese lässt sich bei schwacher Vergrößerung leicht für die eines Schimmelpilzes halten. Bei starker Vergrößerung erkennt man, dass die Scheinfäden aus einzelnen Bacillen bestehen, die an den Enden der Fäden häufig deutlich von einander getrennt liegen, sich also auch wohl innerhalb der Gelatine fortbewegen können. Zu den oben beschriebenen Oberflächenausbreitungen kommt es in fünfprozentiger Gelatine nur selten: auch die an die Oberfläche gelangten Individuen scheinen nur radiär und einzeln fortzuwachsen und fortzuwandern, so dass es zu keiner Bildung von Gruppen und von Straßen kommt.

Ich musste meine Beobachtungen im Sommer 1894 sehr rasch abschließen, aber es würde wohl lohnend sein, genauer zu verfolgen, in welchen Beziehungen die 3 verschiedenen Kolonieformen des Bac. arborescens zur erblichen Wachstumsenergie der Rasse, zur Temperatur und Konsistenz des Nährbodens, zum Bewegungsvermögen und zur Fermentproduktion der Bacillen stehen.

Werner Rosenthal. [39]

Zur Notiz. Da ich bereits von zwei verschiedenen Seiten darauf aufmerksam gemacht wurde, dass man in der Arbeit Friedrich Dreyer's Studien zur Methodenlehre und Erkenntnisskritik(Leipzig, W. Engelmann, 1895) und in meiner Publikation Bemerkungen über biologische und philosophische Probleme" (Wien und Leipzig, F. Deuticke, 1896) mehreren sehr ähnlichen Stellen begegnet, so sehe ich mich genötigt zu bemerken, dass diese meine soeben erschienene Schrift sich schon im Frühjahre 1895 privatim als Manuskript in den Händen Berliner Professoren befand und ohne jede Aenderung abgedruckt wurde; der Gedankengang wurde aber in den Sitzungsberichten der k. k. zool - botan. Gesellschaft in Wien vom Dezember 1894 (Bd. XLIV, Quart. IV, S. 46 ff.) öffentlich angezeigt. Die StudienDreyer's gelangten hingegen erst Ende 1895 zur Versendung.

Abgesehen von ganz allgemeinen Aeus serungen, wie über das Bedürfniss zusammenfassender.philosophischer Momente in der zeitgenössischen biologischen Forschung u. dergl., sind übrigens die in den beiden Schriften beobachteten Standpunkte sowohl in Bezug auf Erkenntnisskritik (Verhältnis des Bewusstseinsinhaltes zum Naturgeschehen) als in Bezug auf Methode wesentlich, nicht selten diametral verschieden. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass die Inhaltsangabe meines diesbezüglichen Vortrages (1. c.) von Herrn Dreyer gelesen wurde und ihm möglicherweise, unter anderem, zu gewissen Teilen der Diskussion, z. B. zu dem metageometrischen Exkurse ($ 29a, S. 137 ff.) Veranlassung gegeben hatte, sonst aber sind sich beide Schriften völlig fremd.

In ähnlicher Weise wird man in meiner Publikation die energetischen Ideen Prof. W. Ostwald's hervorgehoben finden, während ich dessen Broschüre , Veberwindung der wissenschaftlichen Materialismus(Leipzig, Veit & Comp., 1895) erst im November erhalten habe. Auf den letzteren Umstand habe ich selbst im Vorworte hingewiesen. Wien, 18. Februar 1896.

Dr. Tad. Garbowski. [49] Verlag von Eduard Besold (Arthur Georgi) in Leipzig. - Druck der kgl.

bayer. Hof- und Univ.- Buchdruckerei von Junge & Sohn in Erlangen.

Dr. M. Reess

Dr. E. selenka

unter Mitwirkung von
Dr. M. Reess und Dr. E. Selenka
Prof. in Erlangen

Prof. in München
herausgegeben von
Dr. J. Rosenthal

Prof. der Physiologie in Erlangen.

24 Nummern von je 2–4 Bogen bilden einen Band. Preis des Bandes 20 Mark.

Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten. XVI. Band. 15. April 1896.

Nr. 8.

Inhalt: Sernoff, Die Lehre Lombroso's und ihre anatomischen Grundlagen im

Lichte moderner Forschung. – Emery, Gedanken zur Descendenz- und Vererbungstheorie.

Die Lehre Lombroso's und ihre anatomischen Grundlagen

im Lichte moderner Forschung 1).

Von D. Sernoff, 0. Ö, Professor der Anatomie an der Universität, Präsident der physiko-medizinischen

Gesellschaft in Moskan.

Deutsch

von R. Weinberg,

Assistent am Dorpater Anatomischen Institut. Ich folge gern einer althergebrachten, an den Universitäten aller Länder treu geübten schönen Sitte, indem ich am heutigen Tage zum Jahresaktus unserer Universität vor diese feierliche Versammlung mit einem Bericht über eine wissenschaftliche Frage hintrete, welche die nächsten Interessen der Gesellschaft unmittelbar berührt. Um dieser meiner Aufgabe gerecht zu werden, habe ich es unternommen, der Frage nach dem Wesen des sog. geborenen Verbrechers hier näher zu treten, ein Gegenstand, welcher seit einiger Zeit die Aufmerksamkeit der gebildeten Kreise entschieden auf sich lenkt und die Gemüter ernstlich in Unruhe und Erregung versetzt.

Der Begriff des „geborenen Verbrecher g“ stammt aus allerjüngster Zeit, er entstand um die Mitte der siebziger Jahre unseres Jahrhunderts, als der Turiner Gerichtsarzt, Professor Cesare Lombroso, zum ersten Mal sein berühmtes Werk „L'uomo delinquentes veröffentlichte. Dieses Werk hat im Laufe der Zeit fünf Auflagen in italienischer und zwei in französischer Sprache erlebt; die letzte französische Auflage erschien im verflossenen Jahr (1895). Das Originelle

1) Nach einem Vortrage, gehalten zum feierlichen Jahresaktus der kaiserlichen Universität Moskau am 12. Januar 1896.

XVI.

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