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Die systematische Untersuchung der Verbrechergehirne nach meiner Methode führte zu ganz analogen Ergebnissen, wie die vergleichende

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des Stirnbirns. An den Verbrecherbirnen kam solches in 48% zur Beobachtung, in reiner Form 22%, in modifizierter 26%; in der Sammlung normaler Birne beträgt hier dio Häufigkeit ebenfalls 48% (ohne Modifikationen 154/2 %, modifiziert 324/%). Fissura frontalis inferior. a) Typus I. Die Furche erstreckt sich nur über einen Teil des Stirn

lappens. Verbrecherhirne . . . . . . . . . . . . . . . 56%

1. mit der Fissura praocentralis inferior verbunden 40%

2. davon abgelöst oder überbrückt .....14% Normalhirne . . . . . . . . . . . . . . . . . 56%

1. ohne Modifikationen . . . . . . . . . . . 48%

2. modifiziert .. . . . .. 8% b) Typus II: Die Furche erstreckt sich über die gesamte Länge des Stirn

hirns. Verbrechergehirne . . . . . . . . . . . . . . 42%

1. in reiner Form . . . . . . . . . . . . . 24%

2. modifiziert · · · · · · · · · · · · · · 18% Normale Hirne . . . . . . . . . . . . . . . . 28%

1. in reiner Form . . . . . . . . . . . . . 21%2%

2. mit Modifikationen ........... 64/% c) Die untere Stirnfurche war nicht nachweisbar.

Verbrecherhirne . . . . . . . . . . . . . 4%

Normale Hirne . . . . . . . . . . . . . . 16 % Am Stirnlappen habe ich und Giacomini noch eine dritte, mittlere Furche beobachtet, bei deren Vorbandensein die üblichen drei Stirnwindungen auf vier anwachsen. Diese Form des Stirnhirns fand Giacomini in 13%2% der Fälle, bei mir findet sie sich mit 14'/>% aufgeführt.

Einen solchen „Vierwindungstypus“ beschreiben Hanot und Benedikt an Verbrechergehirnen als eine sehr häufige Erscheinung (30-40%), wogogen ich letztere in meiner Verbrecherkollektion nur in 14—20% wiederfinde. Ich gebe die bezügliche Prozentzahl hier nicht genauer an, da die in Rode stehende Furche mehrfach ganz kurz und mit transversalen tertiären Elementen derart verbunden erscheint, dass es schwer zu sagen ist, ob in diesen Fällen vier Stirnwindungszüge zu zählen sind oder nicht. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die hohen Prozentzahlen bei Hanot und Benedikt durch Miteinrecbnung solcher Fälle hervorgerufen sind. Fissura postcentralis. a) Typus I: Die Furche ist selbständig und außer Verbindung mit der Fis

sura interparietalis :
Verbrecherhirne . . . . . . . . . . . . . 18%

Normalhirne . . . . . . . . . . . . . . . 31%
b) Typus II: Die Furche tritt, wie auf den schematischen Bildern der

Handbücher, in Verbindung mit der Fissura interparietalis : Verbrecherhirne . . . . . . . . . . . . . 56% Normalhirne . . . . . . . . . . . . . . . 44%

Betrachtung der normalen Rassengehirne. Es stellte sich heraus, dass die prozentische Häufigkeit der einzelnen Formen bei beiden entweder

c) Die Fissura postcentralis fehlt:

Verbrecherhirne . . . . . . . . . . . . . 26%

Normal hirne . . . . . . . . . . . . . . . 25% Die Fissura interparietalis weist zwei extreme Typen und eine Zwischenform auf. a) Typus I: Die Furche erstreckt sich über die gesamte Ausdehnung des

Scheitelhirps und reicht hinten bis zur Hälfte des Occipital

lappens :
Verbrechergehirne . . . . . . . . . . . . 54%

Normalhirne . . . . . . . . . . . . . . . 57% b) Typus II (Uebergangsform): Die Furche verhält sich wie Typus I, nur

zerfällt sie in zwei Segmente: Verbrochergehirne ............ 34%.

Normalgehirne ......29°/% c) Typus III: Die vordere Hälfte der Furche fehlt, die hintere durchzieht

einen Teil des Scheitellappens und einen Teil des Hinter.

hauptlappens :
Verbrecherhirne . . . . . . . . . . . . . 8%

Normalhirne . . . . . . . . . . . . . . . 12'42%
d) Die Fissura interparietalis nicht nachweisbar.

Verbrecherhirne . . . . . . . . . . . . . . . 4°%.

Normalreihe . . . . . . . . . . . . . . . . . 1% Die Fissura temporalis prima, welche zu den Furchen erster Kategorie, d. h. zu den absolut konstanten gehört, zeigt nichts destoweniger die Tendenz, individuelle Varietäten zu bilden, und zwar kann sie Verkürzungen erleiden oder aber in zwei Fragmente zerfallen. Verkürzung der Furche war in beiden Hirnsammlungen gleich oft, nämlich in 6% der Fälle zu beobachten. Auflösung in zwei Fragmente findet sich in der Verbrecherreihe mit 6%, in der Normalreihe mit 4'/%.

Die Fissura supraorbitalis transversa, welche im allgemeinen außerordentlich selten vermisst wird (in der Normalreihe in 14/2% aller Fälle), war an den Verbrecherhirnen überall vorhanden, wobei sie in 8% der Fälle in mehrere Stücke zerfallen erscheint; letztere Modifikation wird bei normalen Hirnen in 9% gefunden.

Die Fissura temporalis quarta 8. occipito- temporalis medialis der Hemisphärenunterfläche gehört ebenso, wie die Parallelfurche, zu den absolut konstanten Hirpspalten; ganz konstant ist übrigens nur ihr mittleres Stück, während ihr hinteres und vorderes Drittel auch fehlen können. Sämtliche Varietäten der Furche können daher auf folgende vier Formen zurückgeführt werden: a) Die Furche erstreckt sich über die ganze Länge des Schläfen- und Hinterhauptlappens :

Verbrecherreihe . . . . . . . . . . . . . 48%
Normalreihe

· · · · · · · · · · · · . . . 58'/,%
b) Die Collateralfurche ist nur im mittleren und hinteren Drittel entwickelt:

Verbrecherreihe . . . . . . . . . . . . . 32%
Normalreihe . . . . . . . . . . . . . . . 33%

genau übereinstimmte oder nur so geringe Differenzen darbot, dass diese letzteren auch durch den Einfluss von Zufälligkeiten in der Aus

c) Die Furche ist nur iin mittleren und vorderen Drittel ausgeprägt:

Verbrecherreihe . . . . . . . . . . . . . 14%

Normalreihe . . . . . . . . . . . . . . . 34/2% d) Die Fissura occipito-temporalis besteht nur im mittleren Drittel:

Verbrecherreihe ............. 6%

Normalreihe . . . . . . . . . . . . . . . 4"/% Von der Fissura temporalis tertia 8. occipito-temporalis lateralis sind folgende Formvarianten namhaft zu machen. Erstens kann die Furche sich über die gesamte Länge der Schläfenhinterhauptbasis erstrecken. Diese Form, welche ich als Typus I bezeichne, kann, successive in eine andere Anordnung der Furchen dieser Gegend übergehen, bei welcher die Fissura temporalis tertia kürzer erscheint und sich auf zwei, ja auf ein Drittel der occipitotemporalen Basis beschränkt, während die freibleibenden Teile der letzteren von schräggerichteten Furchenelementen occupiert erscheint, welche mit der Collateralfurche verschieden große Winkel einschließen. Die Fissura temporalis tertia kann aber endlich auch ganz fehlen bezw. in ganzer Ausdehnung durch schräge Fragmente ersetzt sein, und dies ist der II. Endtypus der Furchenanordnung dieser Hirnregion. Eine Vergleichung der Befunde an den Verbrecherhirnen mit denen der Normalreihe ergab folgende Zusammenstellung: 1. Typu 8.

Verbrecherreihe Normalreihe a) Die Furche ist in ganzer Ausdehnung vorhanden 12%

134/% b) Die Furche erstreckt sich über zwei Drittel der Basis 30,

23/% c),

n
n ein Drittel

30,
72%

57%
II. Typus.
a) In reiner Form ausgeprägt . . . . . . . . 20%

38% b) Die Furchenfragmente von unregelmäßiger Anordnung 8,

28% Von den Furchengebilden der inneren Fläche der Großhirnhemisphären weist die Fissura calloso marginalis in ibrer Konfiguration ebenfalls zwei Endtypen auf, zwischen welchen aber eine Reihe von Uebergangsformen besteht. Der erste Typus der Furche stellt sich in jener Form dar, wie er uns in den schematischen Figuren der Handbücher entgegentritt, d. h. die Furche beginnt am oberen Rande der Hemisphäre im Niveau des Hinterendes des Corpus callosum und begibt sich von hier in nach hinten konvexem Bogen eine Strecke weit nach abwärts, – dieser Teil der Furche ist keinen Modifikationen der Form unterworfen; sodann wendet sie sich nach vorne und verläuft anfangs horizontal, um alsbald im Bogen das Knie dos Corpus callosum zu umkreisen. Diese Gestalt der Furche bezeichne ich, wie erwähnt, als I. Typus. Bei der II. Endform erscheint der ganze horizontale Teil samt dem vorderen absteigenden Stück der Furche doppelt. Zwischen beiden Endtypen findet sich eine Reihe von Zwischenformen, welche durch das Auftreten von Windungsbrücken im Verlaufe der Callosomarginalis gekennzeichnet sind. Die relative Häufigkeit der Furchenvarianten gestaltet sich in unseren beiden Hirnsammlungen wie folgt:

20

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43%

:..

12

11

wahl der Stücke erklärt werden konnten. In einigen Fällen, wo die Häufigkeitsziffern etwas stärker differieren, bedeuten diese Ziffern sogar --

Verbrecherreihe Normalreihe Typus I mit allen Varietäten ...... 47%

45% Typus II . . . . . . . 53%

55% Die unter dem Namen Fissura arcuata praecunei von mir und als Sulcus subparietalis von Broca beschriebene Furche, welche auf der Oberfläche des Lobulus quadratus (Praecuneus) parallel dem Balken sich hinzieht und bisweilen aus dem horizontalen Stück der Fissura callosomarginalis sich kontinuierlich nach hinten fortsetzt, kann folgende Varietäten der Form darbieten: 1. die Furche liegt in einer Flucht mit den Callosomarginalis; 2. sie ist von letzterer isoliert; 3. in zwei Fragmente aufgelöst oder 4. durch unregelmäßige Furchenelemente ersetzt. Auf meine beiden Hirnserien bezogen ergibt sich folgende Zusammenstellung:

Verbrecherreihe Normalreihe I. Form der Fiss. arcuata praecunei . ... 44%

36'/, II. m m m . . . . . 36 m

40 , III. . n

. . . . Die Furche fehlt ..

8,

124), , 100%

100% Die Fissura parieto-occipitalis gibt nur äußerst selten Anlass zur Entstehung von Formvarietäten. Nach Bildung einer tiefen Kerbe im oberen Rando der Hemisphäre an der Grenze des Scheitel - und Hinterhauptlappens, verläuft sie schräg nach unten am hinteren Rande des Balkenkörpers vorbei und gelangt sodann auf die untere Fläche des Schläfenlappens, wo sie der Fissura Hippocampi parallel wird und hier bald verstreicht. Die einzige und dabei nur selten vorkommende Modifikation wird durch Zerfall der Furche in zwei Stücke herbeigeführt, dieser Fall liegt in der Normalbirnreihe zweimal, in der Verbrecborreihe nur einmal vor.

Die Fissura calcarina, welche den Zwickel bezw. die Medianfläche des Hinterhaupthirns von der Gehirnbasis abgrenzt, kann 1. nach hinten verkürzt sein, 2. Ueberbrückungen erleiden und 3. vor der Fiss. parieto-occipitalis sich loslösen. Die letztgenannte Varietät entspricht einer sehr auffallenden theromorphen Bildung, denn das Fehlen der Verbindung zwischen den genannten konstanten Furchen des Hinterhauptlappens stellt eine Eigentümlichkeit des Anthropoidenhirns vor und wird zuweilen auch bei Idioten beobachtet. Die relative Häufigkeit der einzelnen Formen wird durch folgende Prozentzahlen ausgedrückt:

Verbrecherreihe Normalreihe 1. Fiss. calcarina von gewöhnlicher Form ..

hinten frühzeitig endend.. 28 ,
überbrückt .

2,
von der parieto-occipitalis isoliert 8,

100%

100% Hier fällt eine bedeutende Differenz in der Häufigkeit der erwähnten atavistischen Form (4) auf: während sie unter den 50 Verbrecherhemisphären 4 mal auftritt, war sie in einer Sammlung von 100 normalen Gehirnen nur 2 mal zu beobachten gewesen.

76%

2. 3.

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das genaue Gegenteil von dem, was Mingazzini, Lombroso und Debierre beweisen wollen, d. h. die Abweichungen vom gewöhnlichen Furchenschema sind bei normalen Individuen häufiger, als bei Verbrechern anzutreffen.

Es ergab sich demnach hier eine Bestätigung dessen, was Giacomini schon vor längerer Zeit geäußert hatte, indem er, wenn auch nicht auf Grundlage statistischer Erhebungen, so doch in Berücksichtigung des ganzen Verhaltens der Verbrechergehirne die These aufstellte, „dass diese letzteren kein spezifisches Gepräge aufweisen, sondern dieselben individuellen Windungsvarietäten durchblicken lassen, wie die Gehirne der übrigen Menschen“. Dass Giacomini im Gegensatze zu den Beobachtungen anderer Forscher eine derartige Schlussfolgerung ziehen konnte, ist ganz natürlich; denn er hatte durch die Betrachtung und das Studium der zahlreichen Varietäten am Gehirn normaler Individuen die Möglichkeit gewonnen, einen richtigen Maßstab an die Beurteilung der Einzelheiten der Verbrechergehirne anzulegen, mit anderen Worten, er besaß hier den erforderlichen erfahrenen Blick, welcher anderen Bearbeitern dieser Frage größtenteils abging. Diese unzureichende Kenntnis des normalen Hirnbaues hat es auch bedingt, dass die meisten Anhänger der Lehre Lombroso's ganz gewöhnliche Gehirnbildungen als Verbrechereigentümlichkeiten in Anspruch nahmen. Leider wurde auf die skeptische Sprache Giacomini's zur Zeit noch wenig Gewicht gelegt, da er sich nur auf allgemeine Ergebnisse stützen konnte. Heute aber führt das Studium der Gehirnwindungen nach meiner Methode nicht mehr zu Resultaten, die den Verdacht übermäßiger Subjektivität erwecken könnten, sondern zu ganz bestimmten, ziffermäßig ausdrückbaren und von Jedermann leicht kontrolierbaren Thatsachen. Dieses Untersuchungsverfahren erbringt in Beziehung auf das Gehirn der Verbrecher meines Erachtens den endgiltigen Beweis, dass es sich inbetreff der hier iu Frage kommenden funktionell wichtigen Windungsgruppen in keiner Weise von dem Gehirn sittlich unbescholtener Individuen unterscheidet. Ungeachtet dessen war es aber gleichzeitig nicht zu verkennen, dass in einer freilich ganz kleinen Region der Großhirnrinde den Windungen ein gewisser exzeptioneller Charakter anhaftet. Es ist dies die innere Fläche des Hinterhauptlappens des Großhirns. Hier findet sich auch normalerweise, aber äußerst selten, eine Windungskombination, die an die bezüglichen Verhältnisse bei Mikrocephalen und gewissen Repräsentanten der Tierreiche sehr lebhaft erinnert und bereits seit langer Zeit den Ruf einer atavistischen Erscheinung genießt. Ich meine die Trennnng der Sporenfurche (Fissura-calcarina) von der Hinterhaupt.. scheitelfurche (Fissura pariet. - occipitalis), welche zur Folge hat, dass der sog. Zwickel (Cuneus) in die Windung des Seepferdes (Gyrus bippocampi) kontinuierlich fortgesetzt erscheint.

ten der Tierreiche wischen Erscheinung von der Hinterhaused Zeit den Ruf einer renfurche (Fissura-clis), welche zur

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