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und beobachtete auch diesmal wieder, dass letztere bei + 33 sämtlich abstanden, während die ersteren bei + 35° C noch munter waren.

Starnberg, Mitte November 1895.

II.

Von der Karausche (Carassius vulgaris Nils.) unterscheidet man bekanntlich zwei extreme Varietäten, deren eine, recht hochrückig und kurz, „Karausche" (cf. Heckel u. Kner, „Süßwasserfische der österreich.-ungarischen Monarchie“, Leipzig 1858, S. 67, Fig. 29), deren andere, niederrückig und langgestreckt, „Giebel“ genannt wird (Carassius vulgaris var. humilis von Siebold , Süßwasserfische von Mitteleuropa“, Leipzig 1863, S. 102, Fig. 5). Von dieser letzteren entnahm ich aus einer kleinen, tiefen mit eisenbaltigem Wasser gefüllten Pfütze mit Mooruntergrund, in der es geradezu von degenerierten Karauschen wimmelte, eine Anzahl winziger, junger, ganz verktimmerter Exemplare und setzte dieselben in eine rationell behandelte, gut gedüngte Lehmgrube hinein. Ihr Wachstum war in Folge dieses Umsetzens ein ganz bedeutendes. Nun wollte ich doch aber auch gern sehen, aus welchen Gründen diese Schnellwüchsigkeit resultierte und dachte natürlich zuerst an die bessere Nahrung, namentlich in Hinblick auf eine bezügliche Notiz von Susta, „Die Ernährung des Karpfen und seiner Teichgenossen“, Stettin 1888, S. 204. Es wurden in Folge dessen vergleichende Darmuntersuchungen zwischen diesen nunmehrigen Zuchtfischen und ihren Verwandten in der eingangs erwähnten Pfütze vorgenommen. Der Tümpel war sehr nabrungsarm, doch fanden sich in ihm immerhin genügend Cyclopiden, Daphnien, Ostracoden, Neuropteron-, Orthropteren- und Dipterenlarven, viele Schnecken, Hydrachniden, ferner binreichend Algen und pflanzlicher Detritus vor, trotzdem waren alle von mir untersuchten aus dieser Pfütze stammenden Karauschen ausge. sprochene Pflanzenfresser, ihr Darm war mit Algen, pflanzlichem Detritus, Grasstengeln oder feinen Wurzeln prall angefüllt, nur höchst selten fand sich unter diesem vegetabilischen Konglomerat ein Tier, Crustacee oder kleinere Insektenlarve, vor; Schnecken und Hydrachniden waren gar nicht aufgenommen worden, obwohl von ersteren grade die kleinsten Specios nebst gewissen Wassermilben relativ zablreich im Pfuhl vertreten waren. –

Dem gegenüber waren die Karauschen in der Lehmgrube wie die in den Teichen von Wittingau in Böhmon (cf. Susta l. c.) ausgesprochene Kleintierfresser. Ihr Darminhalt bestand in der ersten Zeit vorwiegend aus Rüsselkrebsen, Hüpfnerlingen und Wasserflöhen, später aus diesen und allerhand Insektenlarven, endlich, als auch diese zusammengefressen waren, ans Wassermilben und kleineren Schnecken, welch letztere von mir in der Grube angesiedelt worden waren. So lange diesen Fischen hinreichend tierische Kost zur Verfügung stand, wnrden vegetabilische Stoffo nur ganz spärlich aufgenommen, gelegentlich mitverschluckt, sie erschienen auch im Enddarm noch ganz grün, unverändert und unverdaut. – Aehnliche Wahrnehmungen an allerhand anderen Weißfischen habe ich bereits in einem besonderen kurzen für den neuesten Jahresbericht der biologischen Station in Plön bestimmten Aufsatz wiedergegeben. Auch dabei zeigten ausgesprochene Grünweidefische, die in Folge des „Umsetzens" in ganz andere Gewässer raschwüchsig geworden waren, sich nunmehr als ausgesprochene Kleintierfresser. Harburg a./Elbe, 21. Februar 1896.

Karl Knauthe. Verlag von Eduard Besold (Arthur Georgi) in Leipzig. — Druck der kgl.

bayer. Hof- und Univ.- Buchdruckerei von Junge & Sohn in Erlangen.

unter Mitwirkung von
Dr. M. Reess und Dr. E. Selenka
Prof. in Erlangen

Prof. in München
herausgegeben von
Dr. J. Rosenthal

Prof. der Physiologie in Erlangen.

24 Nummern von je 2–4 Bogen bilden einen Band. Preis des Bandes 20 Mark.

Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Postanstalten. XVI. Band. 1. Juni 1896.

Nr. 11.

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Inhalt: Plateau, Wodurch locken die Blumen Insekten an? - Reinhard, Zur Frage

über die amitotische Teilung der Zellen. - zur Strassen, Riesenembryonen
bei Ascaris. - Imhof, Fortpflanzung des Aales. - Eisler, Dle Homologie
der Extremitäten.

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F. Plateau, Wodurch locken die Blumen Insekten an?

Die wichtige Rolle, welche die Insekten bei der Befruchtung der Blumen spielen, ist nicht mehr zu bestreiten. Sie sind thätige und gewissenhafte Gehilfen der Pflanzen und erfüllen eine nützliche Funktion, indem sie Honigsaft und Blütenstaub sammeln.

Wenn aber auch diese Grundthatsache nicht in Zweifel gezogen werden kann, so verlangen doch gewisse mit ihr im Zusammenhang stehende Fragen noch eine Lösung

Was vor allem zieht das geflügelte Insekt zu der Blume; ist es die Farbe der Kronenblätter, welche sich für das menschliche Auge von dem Grün der Laubblätter abhebt? ist es die Gestalt? ist es der Duft?

Für die meisten der Forscher, welche sich mit der Befruchtung der Blüten durch die Insekten beschäftigt haben (Chr. C. Sprengel, Delpino, H. Müller, Ch. Darwin, Lubbock, Dodel-Párt, Th. Barrois u. a.) gilt die Farbe als das hauptsächliche, wenn nicht einzige Anziehungsmittel. Delpino meint, die gefärbte Krone wirke als „Flaggensignal", und Müller stellt das Grundgesetz auf: unter sonst gleichen Umständen werde eine Blume umsomehr von Insekten besucht, je heller gefärbt sie sei.

Indessen haben die beiden letztgenannten Forscher anerkannt, dass den Blumen entströmende Düfte die Insekten ebenfalls anziehen würden, bisweilen sogar wirksamer als ein lebhafte Färbung.

Nägeli, Errera und Gevaert schreiben dem Duft eine bedeutsame Rolle zu. XVI.

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Andere schließlich bestreiten oder bezweifeln, dass die Farbe eine anziehende Wirkung ausübe. Nach Gaston Bonnier beeinflussen weder die mehr oder weniger helle Färbung noch überhaupt das Vorhandensein gefärbter Blumenblätter, welche nach unserer menschlichen Ansicht den schönsten Schmuck der Pflanze bilden, die Wahl der die Befruchtung vermittelnden Insekten; J. Mac Leod hat sich bemüht an Beispielen zu zeigen, dass man der Farbe der Blumen eine übertriebene Bedeutung beimisst.

Prof. F. Plateau in Gent hat neuerdings Beobachtungen angestellt, welche die in Rede stehende Frage für die betreffende Pflanzenart wohl endgiltig entscheiden.

Er beschäftigte sich mit Georginen, welche vor einer mit wildem Wein bewachsenen Mauer standen und sich mit ihren sämtlich nach vorn geneigten Blütenschöpfen deutlich von dem gleichmäßig grünen Hintergrund abhoben. Zahlreiche Insekten (Bombus terrestris, B. hortorum, B. muscorum, Megachile ericetorum, Vanessa urticae, V. atalanta, Piesis rapae) kamen zu Besuch; sie fanden in den benachbarten Gärten und in dem anstoßenden freien Feld auch noch zahlreiche andere Blumen, so dass die Georginen sicherlich nicht die einzige Art waren, welche sie anlockte.

Plateau hat mehrere Beobachtungsreihen aufgestellt, welche (nach Beendigung der Vorbereitungen) je eine Stunde umfassten.

Zunächst kam es ihm darauf an, einen etwaigen Einfluss der auffälligen Gestalt der Georginenblüten festzustellen. Er schnitt aus rotem, violettem, weißem und schwarzem Papier vier kleine Quadrate von 8 bis 9 cm Seitenlänge, brachte in ihnen ein mittleres Loch an und befestigte sie mit Hilfe je einer Insektennadel so auf vier Blütenschöpfen, dass von diesen die rötlichen oder lachsfarbigen Randblüten verdeckt wurden und nur die mittleren gelblichen Röhrenblüten sichtbar blieben. Man musste erwarten, dass die Insekten die so maskierten und verunstalteten Blüten meiden und nur die anderen unverhüllten aufsuchen würden, die in großer Menge in der Nähe standen. Dem war aber nicht so: die Tiere flogen gegen die gelben Mittelblüten, ohne sich darüber zu beunruhigen, dass die äußeren Blüten nicht sichtbar waren; in einer Stunde wurden auf den vier verhüllten Blumen nicht weniger als 30 Insektenbesuche gezählt.

Die Zahl der Besuche verminderte sich auch nicht, als auch noch die Mittelblüten durch kleine Papierkreise von 2-24/2 cm Durchmesser zugedeckt wurden. Die Blumen hatten jetzt für den Beobachter nichts mehr, was an Blumen erinnern könnte; die Insekten flogen ihnen aber auch jetzt noch zu (29 in einer Stunde). Sie stockten zwar anfangs ein wenig, bald aber gelang es ihnen, ihren Rüssel oder ihren Körper unter das sie hindernde Mittelteilchen zu zwängen und Honig aufzusaugen. Es erscheint mithin der Schluss gerechtfertigt: die Gestalt der Georginenblüten spiele trotz ihrer Auffälligkeit keine oder nur eine untergeordnete Rolle bei der Anlockung der Insekten.

Eine zweite Gruppe von Versuchen beschäftigt sich mit der Frage: übt die Farbe eine anziehende Wirkung aus? Plateau blendete wie vorher zunächst die Randblüten ab, aber nicht mehr durch Papier oder Zeug, sondern durch die Blätter des wilden Weins; es bätte ibm sonst mit Recht der Einwurf gemacht werden können, dass die Insekten, deren Farbenwahrnehmungsvermögen nach den Untersuchungen von V. Graber ein, oft wesentlich, anderes ist als das des Menschen, einen Unterschied zu machen verstünden zwischen der grünen Kupfer- oder Anilin-Farbe von Papier oder Zeug und dem Blattgrün des den Hintergrund bildenden Weins. Die Weinblätter wurden, nachdem aus ihnen ein kleines Loch von passender Größe ausgeschnitten war, so auf 20 Blütenschöpfen befestigt, dass nur noch die Mittelblüten sichtbar blieben. Die Blüten wurden jetzt von einem nicht vorbereiteten Beobachter überhaupt nicht mehr wahrgenommen; die Insekten aber besuchten sie mit demselben Eifer wie die anderen nicht verhüllten. In einer Stunde stellte Plateau, trotzdem er nicht alle 20 Blüten gleichzeitig zu überschauen vermochte und ihm darum leieht ein Besuch entgangen sein kann, 36 Besuche fest.

Nunmehr wurden auch die Mittelblüten durch ein kleines grünes Blatt zugedeckt, so dass die betreffenden Blütenschöpfe vor dem grünen Hintergrund völlig verschwanden. Trotzdem wurden diese in einer Stunde von nicht weniger als 38 Insekten besucht, allem Anschein nach ebenso sehr als die nicht maskierten Blüten. Besonders merkwürdig war hierbei das Benehmen der Insekten: sie kommen an, stocken, wenden, fliegen weg und kommen wieder; sie finden ein Hindernis zwischen sich und einem Ding, welches sie suchen, endlich gelingt es ibnen aber, sich zwischen das große und kleine Blatt einzudrängen und den Honig in gewöhnlicher Weise aufzusaugen.

Diese Ergebnisse stehen in völligem Widerspruch mit der üblichen Meinung von der anziehenden Wirkung, welche die Farbe der Blumenblätter ausüben soll. Plateau hat sie durch fortgesetzte Beobachtungen über alle Zweifel erhoben. An einem anderen Tage hat er z. B. 16 Blüten maskiert und dann in einer Stunde 30 Besuche gezählt, bei denen das betreffende Insekt es verstand zu dem Inneren der Blüten vorzudringen. Schließlich hat er sich der Mühe nicht verdrießen lassen, die sämtlichen Georginenblüten seines Gartens zu umhüllen, und dann 70 Insektenbesuche gezählt (36 von Hummeln, 34 von Schmetterlingen – 41 erfolgreiche, 29 vergebliche).

Hiernach ist es weder die Gestalt noch die Farbe der Blüten, welche die Insekten anlockt; wir müssen vielmehr annehmen, dass dies der Duft thut, welcher den Blumen entströmt. Die Georginen haben zwar für uns keinen besonderen Geruch; wir dürfen aber nicht vergessen, dass die Insekten nach allem, was wir wissen, ein sehr entwickeltes Riechvermögen besitzen. Kommen doch Schmetterlingsmännchen aus dem Freien selbst in das Innere großer Städte, um ein Weibchen zu suchen, welches in einem Zimmer oder einer Schachtel gefangen gehalten wird, und lassen sich manchmal selbst durch eine leere Schachtel anlocken, in der 8 Tage vorher ein Weibchen gesessen hat!

Mit Spannung darf man den weiteren Veröffentlichungen entgegensehen, welche uns Plateau in Aussicht stellt.

Tiebe (Stettin).

Zur Frage über die amitotische Teilung der Zellen.

Von Prof. W. Reinhard in Charkow. In dem bekannten Referate über amitotische Zellteilung, welches in „Ergebnisse der Anatomie und Entwicklungsgeschichte v. Merkel und Bonnet“ (1892, Bd. II) abgedruckt ist, sagt Flein ming: „Es ist geschichtlich interessant und lehrreich für die allgemeine Wertschätzung von Schulmeinungen, diesen Standpunkt des heutigen sehr bescheidenen Wissens mit dem zusammenzuhalten, der in Bezug auf den vorliegenden Gegenstand noch bis vor 20 Jahren dominiert hat. Damals lernte ein jeder, dass die Teilung der Zelle, in der von Rema k formulierten Weise, mit und auf Grund einer einfachen Durchtrennung oder Durchschnürung des Kerns, nach vorgängiger Verdoppelung des Nukleolus erfolge, und als Beweis hierfür galten auch den vorzüglichsten Forschern die mehrkernigen Zellen und die eingeschnürten Kernformen die sich in so vielen Geweben finden lassen. Dann folgte eine Zeit, in welcher an der Existenz einer derartigen Form der Zellteilung völlig gezweifelt werden konnte. Und heute hat es der ausgedehnten Arbeit vieler Beobachter bedurft, um sicher zu stellen, dass sie wirklich vorkommt, aber kaum je genau in der Form, wie die alte Lehre sie annabm, und jedenfalls nicht als der hauptsächliche Weg der normalen Neubildung von Zellen“.

Flemming zitiert hier eine ganze Reihe von Arbeiten, welche die Existenz der amitotischen Teilung in allerlei Geweben bei Vertebraten und Avertebraten und mitunter auch bei Protozoa beweisen. Besonders interessant sind die Beobachtungen über amitotische Teilungen in den Hodenzellen. Bei Besprechung der Arbeit von Meves über die Teilung der Zellen in den Salamanderhoden sagt er: „also ist es nicht auszuschließen, dass so geteilte Zellen sich dann weiter auf mitotischem Wege an der Spermatocytenbildung beteiligen könnten. Aber es spricht bis jetzt nichts dafür, dass bei den Amphibien die Amitose irgendwie eine typische Durchgangsstation der Spermatogenese repräsentieren sollte“. Sebr vorsichtig und nicht übereilt in seinen

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