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darunter liegenden Gebilde über jene Grenzen erwärmt, welche dem normalen Ablauf der Funktionen gezogen sind. Bei bedecktem Haupte kommen natürlich die ausstrahlenden Funktionen der Haare nicht in Betracht.

IV. Das Haar als Schmuck. Nach dem eingangs Erwähnten habe ich über die Haare als Anlockungsmittel für das andere Geschlecht -- um mich der Darwin'schen Ausdrucksweise zu bedienen – wenig mehr zu sagen. Sowie sie am größten Teile des Körpers durch Zuchtwahl geschwunden sind, haben sie sich an gewissen Teilen aus demselben Grunde besonders mächtig entwickelt. Dazu sind nach Darwin zu rechnen der Bart, und das bei gewissen Völkern zu großer Länge auswachsende Kopfhaar. Fraglich kann es, wie erwähnt, sein, ob bei Augenbrauen und Augenwimpern der Geschmack auch eine Rolle gespielt hat.

Die auffallende Thatsache, dass die Ausdehnung des Haarwuchses am Kopfe zwar ziemlich genau mit der Area zusammenfällt, in der über dem Gehirn nur Schädeldach und Haut liegt, die Stirne aber hievon eine Ausnahme macht, muss zum Nachdenken anregen. Nach meiner Meinung dürfte auch hier das kosmetische Prinzip mitgewirkt haben. Betrachten wir doch auch heute eine freie hohe Stirn beim Manne, eine Stirn mit scharf abgesetzter und in bestimmter Weise geschnittener Haargrenze beim Weibe als Schönheit.

Wenn hier der Geschmack auf die Enthaarung, der Schutz des Gehirns gegen schädliche Temperaturen auf die Erhaltung der Haare losgearbeitet haben, so ist ersterer vielleicht deshalb Sieger geblieben, weil der Schutz gegen Abkühlung wenigstens teilweise durch die zwischen die beiden Schädellamellen eingelagerte Stirnhöhle und das nur allmähliche Zusammentreten der Knochenlamellen nach oben und lateralwärts, also durch eine dickere Lage schlechter Wärmeleiter, gegeben ist, und weiterhin die Gefahr der zu starken Bestrahlung an der Vorderfläche des Schädeldaches gemildert sein dürfte. Befinden sich nach vorne gewendet doch auch die Augen, welche einer direkten Bestrahlung auszuweichen suchen. Es wird bei brennender Sonnenglut nicht leicht Jemand sich so legen oder setzen, dass ihm die Strahlen gerade von vorne und oben treffen; selbst im Gehen wird er, schon um nicht geblendet zu werden, den Kopf passend zu drehen suchen. Das wird gewiss auch in jenen Urzeiten der Fall gewesen sein, in denen der Kampf zwischen dem Lebensvorteil und dem primitivsten Schönheitsgefühl die Grundform des menschlichen Antlitzes produzierten.

Weiterer Beitrag zur Frage iiber die Histogenese der Klein

hirnrinde, (Aus dem histologischen Laboratorium der k. Universität in Moskau)

Vorläufige Mitteilung von Dr. S. Popoff. In Nr. 20 des Biologischen Centralblattes 1895 habe ich Einiges über die Histogenese der Kleinhirnrinde bei verschiedenen Säugetieren während ihres intrauterinen Lebens und auch bei Huhn-Embryonen mitgeteilt. Jetzt möchte ich einige Details, die in meiner ersten Mitteilung nur flüchtig bertibrt wurden, etwas ausführlicher beschreiben Schon damals hatte ich angezeigt, dass bei den Katzen und SchafEmbryonen der früheren Perioden die jungen Formen der Purkinje'schen Zellen äußerst verschiedenartig gestaltet und deswegen schwer zu beschreiben sind. Es versteht sich von selbst, dass ich zwischen denselben einige gemeinschaftliche Bildungszüge aufzufinden suchte, welche mir eine regelmäßige, konsekutive Umwandlung der jungen Nervenzellen während ihrer Differenzierungszeit nachweisen könnten. In dieser Absicht hielt ich es für zweckmäßig mehrere parallele Untersuchungen an Embryonen anderer Tiere mit Hilfe der Golgi'schen Methode zn machen. Es wurde die Kleinhirnrinde der Hund- und Meerschweinchen-Embryonen mit Silber imprägniert.

Bei dem Zusammenstellen dieser verschiedenförmigen Figuren der jungen Purkinje’schen Zellen bei allen vier obengenannten Embryoarten, ersieht man, dass diese Zellen in früheren Perioden sich von einander sehr unterscheiden. Auf diese Weise kann man den Schluss ziehen, dass die Form einer jeden Zelle einer besonderen Veränderung unterworfen ist und es ist sehr schwer in dieser Hinsicht eine gemeinsame Regel festzustellen

Ganz anders liegen die Verhältnisse bei dem Katzen-Embryo von 12 cm. Die abgebildeten Figuren p (s. D, unserer ersten Mitteilung) der Purkinje’schen Zellen sind nicht nur einander gleich, sondern auch mit denjenigen vollkommen analog, die ich bei dem Huhn-Embryo am 12. Bebrütungstage und bei dem Hund-Embryo 11 cm beobachtet habe; endlich sind von Ramon y Cajal?) solche Formen Purkinje'. scher Zellen bei Neugeborenen vorgefunden worden, – ein Ergebnis, zu welchem ich in meinen Erforschungen ebenfalls gelangt bin. Diese Thatsache lehrt uns, dass von einem gewissen Zeitpunkt an die Formen der Purkinje'schen Zellen konstant werden und dass ibre fernere Entwicklung sich nach einem mehr bestimmten Plan vollzieht.

Weitere Untersucbungen zeigen uns, dass die Differenzierung solcher Zellbildungen darin besteht, dass ihre oberen Fortsätze sich allmählich ausziehen und rasch sich zu verzweigen anfangen; schon

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1) Internationale Monatsschrift für Anatomie und Physiologie Bd. VIII, 1890.

bei Neugeborenen haben die Purkinje’schen Zellen eine große Aehnlichkeit mit denen der Erwachsenen. Der embryonale Charakter solcher Zellen bei Neugeborenen äußert sich erstens darin, dass die untere, d. h. innere Peripherie des Zellleibes mit einer großen Anzahl sowohl feiner, als auch dicker Fortsätze versehen ist und zweitens darin, dass ihre protoplasmatischen Fortsätze bis an die untere Peripherie der äußeren Körnerschicht gelangen. Solche dicke Fortsätze beobachtete ich ferner bei dem achttägigen Kätzchen, – sogar bei dem zweiwöchentlichen, obwohl dieselben im letzteren Falle nicht so scharf ausgesprochen waren. Ueberhaupt erreicht die Kleinhirnrinde ihre völlige Entwicklung erst bei dem dreiwöchentlichen Kätzchen, bei dem zweiwöchentlichen aber sehen wir noch neben den vollkommen entwickelten Zellen auch solche, die einen embryonalen Charakter tragen.

Es ist mir gelungen eine ganze Reihe von Purkinje’schen Zellen mit ihren Nervenfortsätzen bei einem achttägigen Kätzchen und bei einem Huhn- Embryo am 17. Bebrütungstage mit Silber zu iniprägnieren. Solche Figuren bieten in der Hinsicht ein Interesse, dass sie deutlich zeigen, wie die Purkinje'schen Zellen mittelst der Collateralen ihrer Axenzylinder in Zusammenhang miteinander treten; es wird nicht selten beobachtet, dass eine Collaterale eines und desselben Axenzylinders in die Molekulärscbicht hinaufsteigt und mit den Endstücken ihrer Verzweigungen nestartig (nids cerebelleux von Rammon y Cajal) mehrere benachbarte Purkinje’sche Zellen umgreift. Es wird nicht überflüssig sein darauf hinzuweisen, dass die Figuren dieser Verzweigungen denjenigen der Kletterfasern, die bei Neugeborenen beobachtet werden, sehr ähnlich sind. Außerdem wurde es mehrmals von mir bemerkt, dass einige Purkinje’sche Zellen zwei Axenzylinder haben, doch soll man derartige Thatsachen mit einem gewissen Vorbehalt annehmen, da ich die Möglichkeit nicht auszuschließen wage, dass uns in einem von diesen zwei Axenzylindern eine Kletterfaser entgegentritt, die in ihrem peripherischen Teile nur partiell imprägniert ist.

Was die Golgi’schen Zellen anbelangt, so habe ich schon früher diejenigen jungen Formen angegeben, welche ich bei den Schaf- und Katzen-Embryonen beobachten konnte. In meiner ersten Mitteilung habe ich in den Zeichnungen polygonale Golgi’sche Zellen dargestellt, die man häufig bei Erwachsenen trifft und nebenan – auch solche Zellen, die ihren Kontouren nach nicht die geringste Aehnlichkeit mit den vollkommen entwickelten Zellen bieten. — Es darf iiberhaupt festgestellt werden, dass die Golgi’schen Zellen beim KatzenEmbryo 12 cm, bei neugeborenen und mehr herangewachsenen Kätzchen eine mehr oder weniger regelmäßige polygonale Form haben. – Je weiter der Embryo entwickelt ist, desto reicher ist der Axenzylinder der Golgi’schen Zellen verzweigt. Ich kann die von Retzius gemachte Beobachtung bestätigen, dass die protoplasmatischen Fortsätze der embryonalen Golgi’schen Zellen bedeutend länger sind, als bei völlig entwickelten Zellen. Bei einem Hündchen fand ich eine Golgi'sche Zelle, deren protoplasmatischer Fortsatz, nachdem er eine lange Strecke in der inneren Körnerschicht sich horizontal hingezogen hatte, in die Molekulärschicht hinaufstieg und dort bei der äußern Körnerschicht sein Ende nahm.

Bei meinen Untersuchungen konnte ich nur eine Art von Bildung der vertikalen bipolaren Zellen konstatieren – nämlich – die aus epithelioiden Elementen; nie habe ich die Ausbildung dieser Zellen aus horizontalen bipolaren Zellen beobachten können, was nach Ernst Lugaro's") und Anderer Behauptung in den von ihnen angestellten Beobachtungen der Fall war. Ich bin gezwungen schon deshalb auf meiner Voraussetzung zu beharren, weil es mir mehreremals vorgekommen ist, die vertikalen bipolaren Zellen in der äußeren Körnerschicht über den horizontalen gelagert zu sehen. Cajal und Lugaro teilen die Ansicht, dass die horizontalen bipolaren Zellen an der inneren Peripherie der äußeren Körnerschicht sich befinden müssen.

Die Ausbildung der Körnerzellen aus den vertikalen bipolaren Zellen geht nach unserer Beobachtung in folgender Weise vor: eine bipolare Zelle wird während ihres Herabsenken aus den äußeren Zonen in die innere Körnerschicht allmählich mit lateralen protoplasmatischen Fortsätzen versehen. Bei einigen embryonalen Zellen sind diese Fortsätze besonders lang und zahlreich; fast immer besitzt die bipolare Zelle einen dickeren inneren Fortsatz, welcher auch bei Neugeborenen beobachtet wird. Bei achttägigen Kätzchen fangen die protoplasmatischen Fortsätze an sich zu verzweigen, bei den zweiwöchentlichen aber sind diese Zellen vollends formiert.

Ehe ich zu den horizontalen Zellen übergehe, will ich noch bemerken, dass ich in meinen Präparaten zwei Arten horizontaler Zellen gesehen habe; die einen lagen in den sagittalen, die andern in den frontalen Flächen; in Folge dessen unterscheiden wir transversale (zu der Richtung der Furchen perpendikuläre) horizontale Zellen und longitudinale (mit der Richtung der Furchen parallele).

Meinen Erforschungen nach werden die Korbzellen aus transversalen horizontalen Zellen gebildet; einer von den Ausläufern der letzteren wird allmählich immer dicker und fängt an sich stärker zu verzweigen, so dass bei den Neugeborenen die Ausläufer (protoplasmatische) sehr zahlreich werden. Was den Axenzylinder betrifft, so giebt derselbe Collateralen zu den Körpern der Purkinje’schen Zellen ab, was zum ersten Male bei achttägigen Kätzchen aufzufinden ist; bei zweiwöchentlichen Kätzchen sehen wir die vollends formierten

1) Ueber die Histogenese der Körner. Anat. Anz., Bd. IX, 1894.

Korbzellen und nebenan andere embryonale Zellen mit einer Menge protoplasmatischer Fortsätze und einem horizontalen unverzweigten Nervenfortsatz.

Was die longitudinalen horizontalen Zellen anbelangt, so konnten wir bemerken, dass einer von ihren Ausläufern (der protoplasmatische) in ganz analoger Weise, wie wir es von den Korbzellen eben berichtet haben, sich allmählich verzweigt, während der andere sich verlängert und nur sehr kurze Collaterale aussendet. Dergestalt umgewandelte Zellen treffen wir bei 8 tägigen Kätzchen in der Molekulärschicht. Um die Natur dieser Zellen zu bestimmen, konnten wir uns nach zweierlei Kriterien richten: 1. sowohl ihre Größe, als ihre Lage und ihre Verzweigungen gestatten uns sie als kleine Zellen der Molekulärschicht zu betrachten; 2. wir kommen zu demselben Schluss um deswillen auch, weil in dieser Periode alle Elemente der Kleinbirnrinde mit Ausnahme der obenerwähnten schon vollständig entwickelt sind.

Zu dem, was wir früher von der Histogenese der neuroglischen Zellen mitgeteilt haben, müssen wir noch folgendes hinzufügen: schon von früheren Perioden an (Katzen. Embryo 8 cm), beginnt die äußere Körnerschicht neuroglische Zellen zu produzieren. Die einfachsten embryonalen Zellen sind polygonaler oder runder Form mit einem äußeren Fortsatz; einige von diesen Zellen lassen auch einen inneren mehr oder weniger langen Fortsatz ausgehen und auf diese Weise entsteht eine bipolare Zelle, welche von den oben beschriebenen bipolaren Zellen sich durch ihr grobes Aussehen unterscheidet. Ein solcher innerer Fortsatz verbleibt manchmal sehr lange unverändert, manchmal aber verschwindet er sehr bald. Die Differenzierung solcher embryonaler Zellen, die bei Neugeborenen schärfer ausgesprochen ist, besteht darin, dass ihr Körper allmählich zuwächst und von seiner Peripherie eine große Menge kleiner Fortsätze aussendet, wobei ihr äußerer Fortsatz sich mehr und mehr verzweigt. Der Zuwachs des Zellkörpers geht mit dem Hinabsenken desselben in die innere Schichte der Kleinhirnrinde gleichzeitig vor.

Nun bleibt es uns noch übrig, einige Worte über die Histogenese der Nervenfasern (Moos- und Kletterfasern) der Rinde zu sagen; zum ersten Mal haben wir dieselbe beim Katzen-Embryo 12 cm beobachtet. In dieser Periode kommen bei den Moosfasern ihre charakteristischen Verdickungen noch nicht zum Vorschein; die Kletterfasern sind sehr dünn und ihre Verzweigungen noch nicht zahlreich. Bei dem neugeborenen Kätzchen erhalten die Moosfasern ihre charakteristischen Eigenschaften in vollständiger Form; die Kletterfasern aber erreichen ihre völlige Entwicklung nur bei dem zweiwöchentlichen Kätzchen.

Wie es aus unseren Erforschungen zu ersehen ist, kann die äußere Körnerschicht sowohl nervöse als auch neuroglische Elemente produzieren; genau dasselbe ist schon früher von Alf. Schaper als eine XVI.

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