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halb ganz enger Gruppen recht brauchbar, sobald es sich aber um minder eng begrenzte oder gar weiter stehende Abteilungen handelt, wird sie unbrauchbar.

Bei der Kombination sehr vieler und hinreichend auf ihren taxonomischen Wert geprüfter Merkmale erhält man schließlich für jede Vogelgruppe ein so besonderes Bild, dass man sie leicht von den Nachbargruppen unterscheiden kann, aber zugleich die Anschlüsse an diese verliert. Zur Erreichung dieser müssen gewisse mehr sekundäre Charaktere aufgegeben werden. Aber welche von den verschiedenen Merkmalen sind als sekundäre und für jede Gruppe als spezifische aufzufassen? Außerdem ist die Ausbildungsstufe der verschiedenen Kennzeichen bei den verschiedenen Gruppen eine äußerst heterogene, denn eine höhere Entwicklung vollzog sich bei der Differenzierung nicht an allen Organen, weshalb die einen einen progressiven Charakter darbieten, während die andern in ihrem primitiven Zustande persistieren, noch andere aber einem retrograden Bildungsgange verfallen. So treten beispielsweise unter den lebenden Vögeln bei den am tiefsten stehenden Struthio einzelne Züge, in erster Linie am Becken und an der hinteren Extremität auf, welche alle der andern bekannten Vögel an Höhe der Entwicklung übertreffen, aber teilweise ganz noch mit primitiven Merkmalen vergesellt sind; ferner trifft man bei den nach ihrer Gehirnentwicklung am höchsten stehenden Pici und Passeres Gaumencharaktere, welche sich wenig über die Höhe des saurognathen Typus (Parker) erheben. Wollte man aber auf jedem bestimmten Charater ein Vogelsystem aufbauen und alle diese Systeme kombinieren, so würde man nur ein unbrauchbares Zerrbild und sicher kein natürliches System erhalten. Aus diesem Grunde muss die Beurteilung dieser heterogenen Kennzeichen und die Auslese unter ihnen für jede Gruppe von Anfang an unter den bereits angeführten Gesichtspunkten vorgenommen und dabei der Umstand beachtet werden, dass das eine oder andere Merkmal, welches sich als konstant bei 10 Familien bewährt hat, bei der 11. plötzlich sich so wenig beständig erweisen kann, dass seine taxonomische Bedeutung dadurch sehr beeinträchtigt wird.

Betreffs der phylogenetischen Beziehungen der primitiveren und höher stehenden Typen der Vögel äußert sich F. in folgender Weise: Selbstverständlich läuft die geringere oder größere Höhe der Entwicklung mit der früheren oder späteren phylogenetischen Existenz parallel. Die niederen Formen lebten in sehr früher paläontologischer Zeit, die höheren kamen erst nach und nach in den mittleren und jüngeren Perioden zur Entwicklung. Aber trotzdem darf aus diesem Umstande nicht die Folgerung gezogen werden, dass die Höhe der morphologischen Entwicklung und das phylogenetische Alter immer sich decken, denn es sind auf der einen Seite viele alte und primitive Formen im Laufe der Zeiten in der Hauptsache unverändert geblieben (d. h. sie besitzen

heute noch dieselbe Ausbildung wie ihre ersten Vorfahren), auf der andern Seite aber gab es bereits in sehr frühen paläontologischen Epochen alte und teilweise jetzt verschwundene Formen, die eine hohe und einseitige Differenzierung aufwiesen, wodurch sie mit den viel später zur Ausbildung gekommenen Typen auf eine Entwicklungshöhe zu stehen kommen, ja die letzteren nach dieser oder jener Richtung sogar übertrafen.

Die Geschichte der Organismen weist einen ähnlichen Verlauf auf wie uns ihn die Weltgeschichte vor Augen stellt. Aus noch früheren primitiven Zuständen ging hervor die alte Kultur der assyrischen, babylonischen und ägyptischen Reiche, darauf folgte, teilweise an den Untergang derselben anknüpfend, die griechische Kunst und Wissenschaft und das römische Weltreich; später gingen aus den zu jener Zeit noch rohen und unentwickelten keltischen, gallischen und germanischen Völkern die heutigen Kulturstaaten hervor, und niemand ist heute schon im stande, zu bestimmen, welchem gegenwärtig noch tieferstehenden und mehr verbogenem Volke dereinst die Aufgabe zufallen wird, die Anführerrolle zu übernehmen, wenn unsere heutige Kultur verschwunden ist. Gleichzeitig lehrt aber die Weltgeschichte uns sehr deutlich, dass, wenn ein Volk eine hohe und auserwählte Stellung unter seinen Zeitgenossen erreicht hat, nach kürzerem oder längerem Zeitraume eine Rückbildung oder sogar der gänzliche Untergang desselben erfolgt, ferner lehrt sie uns, dass da, wo zur Zeit noch primitive und wenig ausgebildete Zustände existieren, bildungsfähige Keime für das Erreichen zukünftiger höherer Entwicklungsreiben vorhanden sind. Aehnliche Verhältnisse sind auch, wie schon betont, in der Geschichte der Organismen zu konstatieren. Unter den Wirbellosen, aber auch unter den Wirbeltieren finden sich schon in den paläozoischen Schichten (im Silur, Devon und in der Dryas) Formen (wie Brachiopoden, Ammoniten, Gigantostraken, Trilobiten, gewisse Panzerganoiden, thermomorphe Reptilien), welche bald durch die eine, bald durch die andere Eigenschaft viele der jetzt lebenden Verwandten an Höhe der Differenzierung übertreffen und aus diesem Grunde eine ihnen vorausgegangene lange phylogenetische Entwicklungsreihe als sicher annehmen lassen. Ihre scharf ausgeprägte und für neue Anpassungen wenig geeignete Organisation ist aber die Ursache geworden, dass sie entweder zum Teil schon in früher Zeit ausgestorben oder von ihnen nur einige Reste übrig geblieben sind, weil sie im Kampfe ums Dasein mit ihren primitiveren und anfangs noch zurticktretenden, aber für diesen Kampf besser befähigten Zeitgenossen unterlagen. Aus diesen Generationen entstand die Kultur der mesozoischen Aera, und in ähnlicher Weise schließt sich an diese die Fauna der Tertiär-, Quartär- und Jetztzeit an. In sichtbarem Mitbewerb treten die Vögel um die Mitte der mesozoischen Periode, aber der Bau dieser Geschöpfe und auch die aus dem Anfang der Trias (vielleicht auch schon von der Kohle) bekannten Fußspuren deuten auf eine lange Reihe von älteren Ahnen hin. Aber schon die in relativ frühen Zeiten in der Kreide) sich findenden Formen derselben, wie die Hesperornithidae, zeigen eine recht ansehnliche, jedoch bereits dem Untergange entgegeneilende Entwicklung; auch im Eocån gab es schon Vögel, welche teilweise an die relativ hoch stehenden Typen der Tubinares, Steganopodes, Odontoglossae, Accipitres etc. erinnern. Daraus ergibt sich aufs deutlichste, dass wir bei morphologischen und phylogenetischen Parallelisierungen vorsichtig verfahren müssen und nicht ohne weiteres den Satz aufstellen dürfen, dass die Vögel des Tertiärs und Endes der Sekundärzeit vorwiegend aus solchen Formen bestanden, die mit dem tieferstehenden der jetzt lebenden vergleichbar sind. Es existierte damals schon neben wirklich primitiven Typen eine reiche und hoch entwickelte Ornis, von der jedoch allem Anscheine nach nur spärliche Anklänge in jenen vereinzelten Gattungen größerer Vögel erhalten sind, deren isolierte Stellung direktere Anknüpfungen an lebende Verwandte nicht gestattet. Ausschließlich primitve Formen aber, zu denen einerseits von den fossilen Vögeln Archaeopteryx und Ichthyornis gehören, denen andrerseits unter den heute lebenden gewisse allgemeine Typen der Limicolae relativ ziemlich nahe stehen, traten zu einer Zeit auf, welche noch vor der Kreideperiode liegt.

Ehe F. zu seiner Systematik der Vögel übergeht, schickt er noch eine Reihe von Bemerkungen voraus, welche sich auf den Wert der ornithologischen Systeme, die Abgrenzung der Unterfamilien, Familien, Unterordnungen, Ordnungen und Unterklassen etc. beziehen. Die wichtigsten dieser Bemerkungen sind etwa folgende. Infolge der Unvollkommenheit der anatomischen, ontogenetischen und namentlich paläontologischen Grundlagen kann von keinem vorwurfsfreien und dauernden Vogelsystem heute schon die Rede sein. Jedoch ist die Unzulängkeit der bisherigen systematischen Forschung keine durchgehende; in manchen Stellen des Vogelsystemes liegen die taxonomischen Fragen verhältnismäßig einfach, so dass daselbst eine gute Methode verhältnismäßig leicht gute Erfolge erzielen kann, an andern Punkten des Systems aber ist unter den heutigen Verhältnissen an erfolgreiche Untersuchungen gar nicht zu denken. Daher kommt es auch, dass jeder die ganze Vogelwelt umfassende systematische Versuch mit sehr verschiedenen Mitteln operiert: mit sicher bewiesenen Ergebnissen, Wahrscheinlichkeiten größeren oder geringeren Grades, weniger soliden Schlüssen und bloßen Vermutungen. Der Forscher kann in diesem Falle so verfahren, dass er nur allein die sichern Beweise mitteilt (und in diesem Falle natürlich nur ein ganz und gar lückenhaftes Werk zu stande bringt), oder auch gleichzeitig zur Konstruktion eines vollständigeren systematischen Ueberblickes die bloßen Wahrscheinlichkeiten und minder sicheren Konjekturen benutzt. F. hat diesen letzten Weg eingeschlagen und dabei die kleineren Abteilungen des Vogelsystems wie die Species und Genera, vorausgesetzt, dass sie nicht zugleich die einzigen Vertreter größerer Abteilungen (Subfamilien, Familien) waren, unberücksichtigt gelassen. Von ungleich größerer Wichtigkeit erschien ihm dagegen vom morphologischen Gesichtspunkt aus die Beurteilung der größeren Abteilungen, der Familien (und Unterfamilien), Unterordnungen (Tribus, Cohorten), Ordnungen und Subklassen, sowie die Bestimmung ihrer gegenseitigen Verwandtschaften und ihres genetischen Zusammenhanges. Den Anfang machte er mit dem ersten (niedrigsten) Grade dieser umfangreicheren Abteilungen, mit den Familien (nebst den Unterfamilien) und ihren gegenseitigen Beziehungen. Ihre Abgrenzung und genealogische Stellung bildet ja auch die Grundlage für die Bestimmung und Gruppierung der höheren taxonomischen Rangstufen. Dieselben behandelt er dann eingehend in einem umfangreichen Kapitel, daran schließt sich ein weiterer Abschnitt, in welchem die für den Unterordnungen, Ordnungen und Unterklassen der Vögel sich ergebenden Schlussfolgerungen gezogen werden.

Bei der Feststellung der Begriffe „Unterfamilien“, „Familien“, „Unterordnungen“, „Ordnungen“ und „Unterklassen“ stößt man sehr bald auf die schwer genügend zu beantwortende Frage, wie diese Abteilungen von einander abzugrenzen sind. Mit dieser Schwierigkeit hatten bereits die ältesten Systematiker zu kämpfen, und sie wird auch so lange bestehen, als man überhaupt Systematik treibt, denn von einer einheitlichen Anschauung darüber sind wir noch weit entfernt. F. sieht die eigentliche Bedeutung dieser Frage hauptsächlich in der Aufgabe, die einmal angenommenen Begriffe in einer möglichst gleichmäßigen Weise durch das ganze System hindurch anzuwenden und dabei in erster Linie auf den geringeren oder größeren Verwandtschaftsgrad der Gruppen das Hauptgewicht zu legen. Die Ausführung dieser Aufgabe ist aber nicht leicht, weil eine vollkommene Gleichheit des Ranges der Familien, Ordnungen etc. in der Natur überhaupt gar nicht existiert. Bekanntlich sind ja die Vögel mit einem Stamme aus dem primitiven Stocke der Sauropsiden entsprungen, infolge der ersten Teilungen des Stammes differenzierten sich nach und nach die Subklassen, Ordnungen und Unterordnungen; durch weitere Verästelungen und Verzweigungen kamen darauf die Familien, Subfamilien, Gattungen, Arten etc. zur Ausbildung. Alle diese successiven Teilungen an den Hauptästen, Teilästen, Zweigen können aber im natürlichen Verlaufe der phylogenetischen Entwicklung nicht in völlig übereinstimmenden Zeitparallelen und Differenzierungshöhen stattgefunden haben, vielmehr wird an dem einen oder andern Ast, sei es aus äußeren, sei es aus nneren Ursachen, eine frühere Teilung vor sich gegangen sein, als an einem der tibrigen – der morphologische Rang der durch diese Verästelungen entstandenen Zweigen ist somit kein gleicher, und unsere üblichen Begriffe reichen nicht aus, die ganze Fülle der natürlichen genealogischen Entwicklungsvorgänge zu umschreiben, denn zwischen den Ordnungen und Unterordnungen, zwischen diesen und den Familien, sowie zwischen Familien und den Unterfamilien etc. gibt es zahlreiche Zwischenstufen, weshalb die Grenzen dieser Begriffe teilweise undeutlich werden. Aus diesem Grunde wird es dem gewissenhaften Untersucher sehr oft schwer werden, zu entscheiden, ob es sich in dem einen Falle um Unterfamilien oder Familien, oder in dem andern um Familien oder Unterordnungen handelt. Allerdings könnte man in solchen Fällen sich dadurch helfen, dass man zwischen Subfamilie, Familie, Subordo, Ordo, Subklassis etc. zahlreiche neue Begriffe einschaltet, der dadurch erzielte Nutzen würde nach F.s Ansicht jedoch nur ein illusorischer sein. Daher erscheint es ihm am geeignetsten, sich auch weiterhin mit den bisher üblichen Abteilungsbegriffen zu begnügen, aber bei ihrer Anwendung mit einer gewissen Freiheit zu verfahren. In diesem Sinne hat er auch im speziellen Teile seines Werkes diese Bezeichnungen gebraucht. Was nun die Charakterisierung der verschiedenen Abteilungsbegriffe durch Endsilben anbelangt – welche übrigens von den verschiedenen Forschern in sehr verschiedener Weise angewendet worden sind – 80 folgt F. denjenigen Autoren, welche für die Subfamilien, Familien, Unterordnungen und Ordnungen durch die Endsilben: -inae, -idae, -formes oder -morphae und -ornithes gewählt, jedoch berücksichtigt er auch solche Namen, welche die Lebensweise oder charakteristische morphologische Merkmale gut bezeichnen, außerdem schiebt er zwischen die Familia und Subordo noch den Begriff Gens (Familien - Versammlung, Familie höheren Ranges) mit der Endung -i (-ae oder -es) ein. Die Familien und Familiengruppen der Vögel und ihre

gegenseitigen Beziehungen. In diesem Kapitel behandelt F. die Familien resp. Familiengruppen in einer Reihenfolge, welche er schon im Anfang des 1. Bandes kurz skizziert hat. Nur reine Zweckmäßigkeitsgründe sind es, welche ihn veranlasst haben, zuerst die Carinatae s. Acrocoracoidae, dann die Ratitae 8. Platycoracoidae und endlich die Saururae zu betrachten. Neben geographischen und paläontologischen Notizen, sowie einer kurzen Uebersicht der hauptsächlichsten bisherigen Anschauungen über die Systematik führt F. bei jeder Familie oder Familiengruppe die für diese oder jene · Verwandtschaft beweisfähigen Merkmale kurz an, ohne auf den größeren oder geringeren Wert desselben ausführlicher einzugehen.

Dr. F. Helm. (Neunzehntes Stück folgt.) Verlag von Eduard Besold (Arthur Georgi) in Leipzig. - Druck der kgl.

bayer. Hof- und Univ.-Buchdruckerei von Junge & Sohn in Erlangen.

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