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bei denen die Anzahl der Randblüten, die hier beträchtlich vergrößert sind, sehr stabil ist und nur 5 beträgt. Auf Grund von gewissen Befunden an Tanacetum corymbosum glaube ich diese Frage bejahen zu sollen. Ich habe nämlich eine Anzahl von Exemplaren gefunden, die zwar sehr kräftig waren, aber nur verhältnismäßig wenige Randblüten tragen. Diese, die in der Minderzahl vorhanden waren, scheinen mir eine stammesgeschichtliche Vorhut zu bilden. Wir hätten bei Tanacetum corymbosum dann zu unterscheiden zwischen dieser progressiven Variation, die aber auch wohl, wie bei Campanula glomerata, vom Standorte abhängt, und der Abhängigkeit der Anzahl der Randblüten eines Köpfchens von dessen Ort an der Pflanze. Dazu käme vielleicht noch eine Abhängigkeit der Randblütenzahl von dem Alter der Pflanze, denn Tanacetum corymbosum ist perennierend. Bei dieser Art liegt außerdem noch die Frage vor, ob der Reichtum an Aesten und Zweigen in stammesgeschichtlicher Vermehrung oder Verminderung begriffen ist. Ich bin geneigt, das letztere anzunehmen.

Ebenso wie bei Tanacetum corymbosum wird auch wohl die Variation der Randblütenanzahl bei den Anthemis-Arten und manchen anderen Compositen zu beurteilen sein.

Bei Chrysanthemum leucanthemum, die nur selten mehr als ein Blütenköpfchen trägt, wird die Anzahl der Randblüten von dem Alter der Pflanze und deren Ernährungszustand abhängen, außerdem aber vielleicht noch in stammesgeschichtlicher Verminderung, wobei die Randblüten vergrößert werden, begriffen sein. Um die hier vorliegenden Fragen der Lösung näher zu bringen, als ich es vermochte, wären Zuchtversuche auf verschiedenen Bodenarten und in verschiedenen Lagen anzustellen, wobei man nicht bloß die Anzahl und Maße der Randblüten jeder Pflanze, deren Samen man aussät, sondern auch das Alter jeder Pflanze zu notieren hätte. Denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass ältere und deshalb kräftigere Pflanzen Nachkommen mit mehr Randblüten erzeugen, als jüngere. Solche allein zum Ziele führende Experimente sind also keineswegs sehr einfach, sondern im Gegenteil sehr kompliziert; denn es sind dabei alle möglichen Kombinationen durchzuführen. Deshalb vermag ich einem immerbin sebr dankenswerten Experiment, neuerdings angestellt von de Vries, dem wir so manche schöne Zuchtversuche verdanken, und der einer der wenigen Direktoren botanischer Gärten ist, die es beherzigen, dass ein botanischer Garten eigentlich auch noch zu andern Dingen da ist, als dazu, Material für botanische Lehrkurse und mikroskopische Untersuchungen zu liefern, nicht die Beweiskraft beizumessen, die de Vries ihm zuerkannte. de Vries hat nämlich (Hugo de Vries, Eine zweigipflige Variationskurve. Archiv f. Entwicklungsmechanik d. Organismen, II. Bd., 1895) Chrysanthemum segetum L. gezüchtet und aus seinen Ergebnissen den Schluss gezogen, - dass diese Art aus zwei Rassen besteht, von denen die Randblütenkurve der einen bei 13, die der andern bei 21 gipfelt. Allein er begann seine Zuchtversuche mit gemischtem Samen von verschiedenen Bezugsquellen und legte sich nicht die Frage vor, ob bei Chrysanthemum segetuin die Beschaffenheit des Bodens und Standortes der Vorfahren einer Pflanze nicht von erblichem Einfluss auf die Anzahl der Randblüten ist, insofern als guter Boden und günstiger Standort kräftige Pflanzen mit zahlreichen Randblüten und gutentwickelten Samenkörnern, die wieder kräftige Pflanzen mit zahlreichen Randblüten geben, erzeugen. So viel ist jedenfalls sicher, dass die Anzahl typischer Organe oft, wenigstens zum Teil, von Einflüssen der Umgebung abhängt, und dass kein Grund vorliegt, an die Vererbbarkeit der Folgen solcher Einflüsse zu zweifeln.

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Einige neue ciliate Infusorien. Von Hans Wallengren in Lund (Schweden). Während meiner Studien über ciliate Infusorien), deren Hauptzweck es war, die feinere Organisation und Entwicklung gewisser Formen ins Reine zu bringen, habe ich einige vorher unbekannte Infusorienformen gefunden, welche ich hier in Kürze zu beschreiben beabsichtige.

Chilodochona n. g. 2) Während meines Aufenthaltes an der zoologischen Station Kristineberg in Bohuslän 1892 fand ich zwei Infusorienformen, die ich unter obigem Gattungsnamen zusammengefasst. Die eine derselben wurde zuerst an den Maxillen und Maxillarfüßen einer kleinen Krabbe, Ebalia turne fucta Mont. beobachtet, später fand ich sie aber in größerer Anzahl an den Mundteilen von Portunus depurator Leach. Von der anderen Form, die vielleicht nur eine Abänderung der erstbesprochenen darstellt, habe ich nur wenige Individuen an den Pedes maxillares der letztgenannten Krabbe beobachtet.

Ch. Zvennerstedti 3) n. sp. Die Körperform ist von der Ventralseite gesehen länglich abgerundet und bei geschlossenem Peristom am vorderen Ende halbkreisförmig abgeschnitten, gegen den hinteren Körperpol etwas verschmälert. Gleich hinter dem Peristom ist der Körper ein wenig eingekniffen und

1) In Acta Rey. Soc. Physiogr. Lund, T. V-VI, 1894 - 95.
2) Genauere Beschreibung in Acta Reg. Soc. Physiogr. Lund, T. VI.

3) Ich habe mir erlaubt die erstbesprochene Form nach meinem Lehrer Herrn Prof. Dr. A. Zvennerstedt in Lund zu benennen.

im aboralen Ende mit einer mehr oder weniger markierten Einstülpung versehen (Fig. 1).

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Der Körper ist etwas dorsoventral zusammengedrückt, die eine, ventrale Seite etwas stärker gewölbt als die andere, dorsale. Die Körperlänge von der vorderen Kante des geschlossenen Peristoms zum hinteren Körperpol beträgt 61–113 l; die größte Breite 37–39 .

Das Peristom, welches iin vorderen Ende des Körpers liegt, weicht in seinem Bau gänzlich von früher bei ciliaten Infusorien bekannten Verhältnissen ab und ist deshalb von besonders großem Interesse sowie es auch das meist charakteristische im Bau dieser Form bildet. Ganz geöffnet bildet das Peristom einen weiten aber wenig tiefen Trichter, in dessen Grund die kleine Mundöffnung liegt. Der freie Rand ist kreisförmig und verdickt. Man könnte denselben auch hier „Peristomsaum“ nennen, wie Bütschli die äußere Begrenzungslinie des Peristoms bei den Vorticellen genannt, aber die physiologische Bedeutung ist bei Chilodochona eine ganz andere als bei diesen. Wenn das Tier das Peristom schließt, wird die dorsale Lippe aufgerichtet, so dass der Dorsalkontur eine ununterbrochene Bogenlinie bildet (Fig. 2). Die ventrale Lippe wird dagegen über die dorsale eingebogen, und die verdickten Kanten beider Lippen werden an einander gedrückt. Die Dorsallippe hat hierbei ihre ursprüngliche Form beibehalten, während die Unterlippe gegen die Bauchseite stark konkaviert worden ist (Fig. 1 u. 2). An den lateralen Teilen des geschlossenen Peristoms stoßen die Lippen zusammen und bilden hier zwei scharfe Winkel oder Ecken.

Die Wände des Peristoms sind recht durchsichtig und fein granuliert und unterscheiden sich in dieser Hinsicht von dem sonst dunkeln und undurchsichtigen, von größeren und kleineren Nabrungsklumpen und Körnern erfüllten Körper. Die innere Seite des Peristoms ist fein bewimpert. Die Cilien sind entweder spiral- oder kreisförmig geordnet (Fig. 2).

Chilodochona lebt kommensalistisch an den Mundteilen ihres Wirtes, und wenn dieser seine Nahrung zerreisst oder zerquetscht, fängt die Infusorie mittels ihres Peristoms losgerissene Gewebeteilchen und Zellen auf, welche nach der im Grunde des Peristomtrichters liegenden Mundöffnung heruntergewirbelt werden. Diese steht immer offen und von derselben führt ein ziemlich langer Oesophagus, der näher der Rückenals Bauchseite dorsalwärts vom Makronucleus verläuft. Er erstreckt sich als eine etwas gebogene Röhre ungefähr bis zur Mitte des Körpers, wo er unmerklich im Entoplasma verschwindet.

Ich habe keine kontraktile Vacuole beobachtet.

Der ganze übrige Körper ist mit einer ziemlich festen Pellicula bekleidet und eine schärfere Grenze zwischen Ekto- und Entoplasma ist nicht vorhanden.

Der Makronucleus liegt im Vorderteil des Körpers, da wo dieser gleich hinter dem Peristom zu einem Halsteil ein wenig zusammengeschnürt ist. Er ist länglich ausgezogen und liegt mit seiner Längenaxe senkrecht gegen die des Körpers. Im Makronucleus kann man ebenso wie bei Heliochona Platel) und Spirochona St. eine größere chromatinreichere und eine kleinere chromatinärmere oder mehr homogene Partie unterscheiden. In dieser letzteren treten doch mitunter abgerundete Chromatinkörper auf.

Den Mikronucleus habe ich nicht beobachten können, da der Körper gewöhnlich mit mebr oder weniger in Auflösung begriffenen Zellen angefüllt ist, deren Chromatinbestandteile sich auch scharf färben und das Unterscheiden der kleinen Mikronuclei unmöglich machen.

Vom hinteren Teil der ventralen Körperseite ein wenig vor dem aboralen Ende geht der ziemlich lange biegsame Stiel aus, durch welchen Chilodochona an ihrem Wirte befestigt ist. Die Länge des Stieles beträgt bis 160 1, die Breite nur ca. 5 u. Um den Ausgangspunkt desselben herum und bis zum hinteren Körperpol verläuft eine mehr oder weniger markierte Einsenkung. Der Stiel steht ein wenig schräg zum Körper (Fig. 2).

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1) H. Wallengren, Studier öfver ciliata Infusorier II. Acta Reg. Soc. Physiogr. Lund, T. VI.

Am proximalen Ende ist die peripherische Schicht des Stieles in äußerst feine Spitzen ausgezogen (Fig. 3). Betrachtet man bei tiefer Einstellung des Mikroskopes den Ausgangspunkt des Stieles von der Dorsalseite, so sieht man diese Stacheln radiär vom Stiel ausstrahlen und einen gezackten Ring bilden. Diese feinen Stacheln zeigen gegen Alkalien und Säuren dieselbe Resistenz wie der Stiel im Ganzen. Fig. 3.

Fig. 4.

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An dem Punkt, wo der Stiel an der hinteren Körperkante vorbei geht, ist er mit einem eigentümlichen, regenschirmartigen Gebilde versehen (Fig. 1–3). Dieses besteht aus einem dünnen, durchsichtigen Schirm, der rund um den Stiel herum ausgespreitzt ist, wie der Ueberzug eines Regenschirms. Die Oeffnung desselben ist nach hinten gerichtet und hat einen Durchmesser von 7 u. Die Bedeutung dieses Gebildes ist schwer zu ermitteln, da man bei anderen Infusorien nichts ähnliches beobachtet. Vielleicht kann es damit in Zusammenhang stehen, dass Chilodochona an den Mundteilen des Wirtes betestigt ist und deshalb stets von einem aus der Branchialhöhle kommenden kräftigen Wasserstrome überströmt wird. Chilodochona muss sich deshalb naturgemäß parallel zur Richtung des Wasserstromes legen und ihren Aboralpol gegen denselben wenden. Dieses regenschirmähnliche Gebilde mag wohl dabei dazu dienen durch seinen Schirm den Strom zu hindern mit seiner vollen Kraft den hintern Körperpol zu treffen und dadurch das Tier von seinem Stiel loszureißen.

Die Vermehrung geschieht bei Chilodochona durch Knospung. An der ventralen Seite des Tieres, etwas nach links, gerade an der Basis des Peristoms wird das Tochtertier als eine kleine sich gegen die Spitze verschmälernde Knospe angelegt (Fig. 4). Während diese heranwächst und sich vom Muttertiere abschnürt, wird im vorderen Ende an der Seite, die die Knospe dem Muttertier zuwendet, das Peristom in Form einer ventral offnen, bewimperten, rinnenförmigen Einbuch

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