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zeitig in die Perigonblattregion versetzt worden ist, jedoch weniger leicht eintritt, wenn es an seiner ursprünglichen Stelle verbleibt. Zu der Umbildung des Hüllblattes zu einem Perigonblatt ist demnach nicht unbedingt eine Versetzung in die Region der Perigonblätter nötig; aber eine solche erleichtert die Umbildung in hohem Grade. Ich möchte annehmen, dass es gewisse auslösende Reize sind (über solche vergleiche mein demnächst erscheinendes Lehrbuch der Entwicklungsmechanik, Leipzig, Eduard Besold), die aus demselben Bildungsmaterial wie das der Hüllblätter in der Perigonblattregion Perigonblätter werden lassen und abnormer Weise eins der Hüllblätter treffen können, das infolge dessen, je nach der Stärke der Reize, mehr oder weniger den Charakter der Perigonblätter annimmt.

Dass Pflanzenteile infolge abnormer Reize den Charakter anderer Teile derselben Pflanze annehmen können, ist ja eine hinreichend bekannte Thatsache. Speziell ist sie auch von Anemonen berichtet worden. Wie ich bei v. Tubeuf („Pflanzenkrankheiten“, Berlin 1895) finde, hat Magnus Exemplare von Anemone ranunculoides beschrieben, deren Perigonblätter infolge von Einwirkung des Myceles von Aecidium punctatum zu kleinen gestielten einfachen grünen Blättchen geworden waren. In einem Falle befanden sich an Stelle der Blüte zwei Laubblättchen an der Spitze des Blütenstieles, von denen das eine gleich den Hüllblättern fingerig geteilt war. Hier hatte also der Pilz die Entstehung von grünen Laubblättern anstatt gelber Perigonblätter ausgelöst, und es liegt kein Grund vor, die Annahme, dass abnorme Reize auch die umgekehrte Wirkung auszulösen vermögen, zu verwerfen.

Die von uns beschriebenen abnormen Blattbildungen von Anemone nemorosa lassen uns eine beherzigenswerte Warnung zu teil werden, die Warnung nämlich, solche und ähnliche Teratome nicht gleich durch die Präformationslehre, deren Anhängerschaft freilich, wie es scheint, im wachsen begriffen ist, zu erklären.

Man thut gut daran, erst genügendes Material zu sammeln, ehe man dazu übergeht, einen abnormen Befund zu Gunsten einer Theorie auszubeuten, die im Grunde genommen nichts weiter hinter sich hat, als den berühmten Namen ihres Urhebers. Es ist z. B. nicht zu rechtfertigen, wenn man etwa am Abdomen einer Krabbe an einer normaler Weise beinlosen Stelle ein regelrechtes Schreitbein, vielleicht gar eins, das nach seiner Form eigentlich der anderen Körperseite, als derjenigen, auf welcher es steht, anzugehören scheint, findet und dann gleich eine Abhandlung darüber schreibt, die dazu bestimmt ist, der Präformationstheorie zur Stütze zn dienen.

Ich gebe zu, dass es Thatsachen gibt, die auf den ersten Blick recht sehr imponieren. Als ich das im Frühjahr 1895 im Rauhthale zu Gesicht bekam, verspürte ich einen Augenblick lang eine leichte Neigung, mit einem „Pater, peccavi“ in das Lager der Präformationstheoretiker überzugehen. Dieses Exemplar, dessen eines Hüllblatt schon in Figur 10 dargestellt ist, hatte neben zwei normalen Hüllblättern eins, das außer seiner bedeutenderen Größe und der schwachen, in der Abbildung leider nicht sichtbaren Randbehaarung durchaus den Charakter von Perigonblättern trug, und in der Blüte dieses Exemplares fand sich oberhalb des zu einem Perigonblatt gewordenen Hüllblattes eine Lücke, und zwar eine so auffällige, dass selbst meine kleine Tochter sie sofort wabrnahm und mich gleich darauf aufmerksam machte, und zwar in demselben Augenblicke, wo sie das Exemplar fand. Was lag näher, als die Annahme, dass der Determinantenkomplex des in der Blüte fehlenden Perigonblattes an die Stelle des verloren gegangenen Determinantenkomplexes eines Hüllblattes geraten war und sich hier entwickelt hatte? Ich gebe gern zu, dass ich entzückt über den Fund meiner Tochter gewesen wäre, wenn ich nicht die Epigenesislehre für richtig gehalten hätte. Dann hätte ich auch wohl ohne weiteres einen Artikel über das schöne Exemplar, das so sehr zu Gunsten der Präformationstheorie zu sprechen scheint, geschrieben. Allein, mich machten die bedeutende Größe des weißen Hüllblattes, seine Randbehaarung, die es mit den grünen Hüllblättern teilt, seine derbe Befestigung am

bei Jena von meinem Töchterchen Anna gefundene und in Figur 11 mit Hilfe der Photographie abgebildete Exemplar von Anemone nemorosa

Fig. 11.

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Stamm und seine Stellung stutzig und ließen mich meinen einen Augenblick lang erwogenen Uebertritt in die Reihe der Präformationstheoretiker auf eine Zeit verschieben, wo ich mehr Material zur Beurteilung der Frage, die mir das Exemplar aus dem Rauhthal vorlegte, gesammelt haben würde. Und diese Zurückhaltung hat sich, wie wir gesehen haben, gelohnt. Verglichen mit den entsprechenden oben mitgeteilten Thatsachen lehrt uns auch das in Figur 11 abgebildete Exemplar nichts weiter, als dass eines der Hüllblätter von Anemone nemorosa mehr oder weniger leicht in ein Perigonblatt umgewandelt werden, und dass Hand in Hand mit dieser Umbildung ein Perigonblatt der Blüte fortfallen kann, und zwar dasjenige des oberen der beiden typischen Perigonblattkreise, das gerade über dem umgebildeten Hüllblatte steht.

Das betreffende Perigonblatt ist auch im Falle des Exemplares vom Rauhthale in Fortfall gekommen. Die beiden Blätter der Blüte, die eine große Lücke umschließen, und das Perigonblatt, das dieser Lücke gegenüber steht, bilden den untersten Perigonblattkreis. Auf ihn folgt ein anderer, der nur aus zwei Blättern gebildet wird, nämlich den beiden Blättern, die bei unserem Exemplare in Bezug auf die Größe die zweite Stelle einnehmen. Das Blatt, das eigentlich über der Lücke hätte stehen sollen, fehlt bei unserm Exemplare. Die Blüte hat zwar noch ein sechstes Perigonblatt, nämlich das kleinste der Blüte; aber dieses gehört, wie schon aus seiner Stellung hervorgeht, nicht zu dem Kreise der zweitgrößten Perigonblätter. Hätte die Pflanze nicht die Störung erlitten, die sein eines Hüllblatt zu einem Perigonblatt werden lies, so wäre die Blüte siebenblätterig geworden.

Die eben vorgetragene Deutung ergibt sich auf Grund der weiter oben mitgeteilten Thatsachen ganz von selbst. Und diese Thatsachen, die ich wohl nicht gefunden haben würde, wenn ich mich durch das schöne Rauhthalexemplar zu einer Preisgabe meiner bisherigen Anschauungen hätte hinreißen lassen, müssen, so denke ich, auch diejenigen Anhänger der Präformationstheorie, die durch die Schrift über „Germinal - Selektion“ noch nicht genug ernüchtert sein sollten, davon überzeugen, dass der von Weismann aufgeführte weithin leuchtende Palast trotz der zahlreichen Reparaturen, die er bereits nötig machte, nach wie vor unbewohnbar ist und bleiben wird.

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Berichtigung zu dem Referat von „R.“ über Kükenthal, ,,Ergebnisse einer zoologischen Forschungsreise in den

Molukken und in Borneo“. Biolog. Centralblatt, Bd. XVI, Nr. 15 (1. August 1896) In dem oben zitierten Referat heißt es unter der Ueberschrift „Die Herkunft der jetzigen Faunen“: „Verfasser wendet sich in diesem Abschritt hauptsächlich gegen die von Gustav Jaeger aufgestellte und

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trachtet. Sie den Polen ausg eit stand organische an dem Nordporr, mit

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später von Wilhelm Haacke erweiterte sog. Nordpolhypothese, welche bekanntlich die in früheren Erdperioden um den Nordpol sich zusammendrängenden Landmassen als das Schöpfungszentrum der Landfauna betrachtet. Sie geht von der Annahme aus, dass die allmähliche Abkühlung der Erde von den Polen ausging und nach dem Aequator zu fortschritt; nach genügender Abkühlung entstand organisches Leben zuerst an den Polen und, da dem Südpol Festland fehlt, allein an dem Nordpolá.

Aus verschiedenen Gründen muss ich annehmen, dass „R.“ mit „Wilhelm Haacke“ mich, den Unterzeichneten, meint; ich halte mich deshalb zu folgender Berichtigung für berechtigt: Ich habe nie und nirgends, ich habe weder mündlich, noch schriftlich, noch durch den Druck eine Hypothese „erweitert" (oder, nebenbei bemerkt, selbst aufgestellt), die von der Annahme ausgeht, dass die allmähliche Abkühlung der Erde von den Polen ausging und nach dem Aequator zu fortschritt, eine Hypothese, nach der nach genügender Abkühlung organisches Leben zuerst an den Polen und, „da dem Südpol Festland fehlt, allein an dem Nordpol“, also auf dem Lande (!), entstand. Eine derartige Annahme ist für mich indiskutabel.

1851 Jena, den 2. August 1896. Dr. Wilhelm Haacke, Privatdozent der Zoologie an der Technischen llochschule

zu Darmstadt.

aufamund, "ach senionach dem allmän bemerkt, och dumbe nie und alte mait

Seltene Brutvögel im Königreich Sachsen.

Von Dr. F. Helm. Nachdem auf dem I. internationalen ornithologischen Kongress in Wien 1884 beschlossen worden war, ein über den ganzen Erdball sich erstreckendes Beobachtungsnetz der Vögel zu errichten, entstanden überall ornithologische Beobachtungsstationen, wie sie vor diesem Zeitpunkte schon in Deutschland existierten. Ein Permanentes Internationales Ornithologisches Komité, gebildet von anerkannten Ornithologen aller Länder, übernahm die Bearbeitung der dadurch gewonnenen Resultate, eine eigne auch heute noch bestehende Zeitschrift, Ornis, herausgeg. von Prof. Dr. R. Blasius, diente als Organ zur Veröffentlichung derselben. Infolge dieses planmäßigen gemeinsamen Vorgehens, das in erster Linie allerdings den Zweck hatte, über den Zug der Vögel Klarheit zu verschaffen, entstanden viele Arbeiten über die Ornis von Ländern, von welchen bis zu diesem Zeitpunkte nur wenig oder gar nichts bekannt war. Die in Deutschland angestellten Beobachtungen kamen in den Jahresberichten des Ausschusses für die Beobachtungsstationen der Vögel Deutschlands zur Veröffentlichung.

Infolge der regen Thätigkeit, welche Hofrat Dr. Meyer, Direktor der K. Zool. Mus. in Dresden, als Mitglied des P. J. 0. C. entfaltete, wuchs in Sachsen die Zahl der Beobachter sehr rasch. Während 1884 nnr 5 solche thätig waren, stieg die Zahl derselben im folgenden Jahre schon auf 43, 1887 auf 134. Allerdings verminderte sich dieselbe in den folgenden Jahren wieder. Es geschah dies aber auf Veranlassung von Dr. Meyer, weil es bald unmöglich wurde, die überaus zahlreich eingehenden Beobachtungen so zu verarbeiten wie es wünschenswert war. Infolge des sehr reichlich vorhandenen Materials schien es auch geboten, die

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im Königreich Sachsen angestellten Beobachtungen in Form besonderer Berichte zu veröffentlichen.

Dies geschah von 1885 ab; es sind seitdem 10 solche unter dem Titel „Jahresberichte der Ornithologischen Beobachtungsstationen im Königreich Sachsen" erschienen. Durch deren Herausgabe wurde einem schon längst allseitig gefühlten Bedürfnis abgeholfen, denn gerade die Kenntnis der Fauna resp. Ornis des Königreichs Sachsen war bis dahin ungeahnt lückenhaft. Aus diesem Grunde wurden auch die in unserem Lande thätigen Beobachter angewiesen, nicht nur der Vogelwelt, sondern auch den übrigen Tieren ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, und es erscheinen jetzt seit einer Reihe von Jahren als Anhang zu den ornithologischen Berichten auch Zusammenstellungen der Beobachtungen über Säugetiere etc.

Wenn es nun heute noch nicht möglich ist, über die Wanderungen unserer Zugvögel ein endgiltiges Urteil auf Grund 10 jähriger Beobachtungen abzugeben, so haben wir doch durch dieselben unter Benützung der schon vorhandenen Litteratur eine Uebersicht über den Bestand der einheimischen Ornis erlangt. Es ist dies gegenwärtig der folgende: im Königreich Sachsen kommen jetzt 280 Vogelarten vor, davon sind 123 Gäste und 157 Brutvögel.

Die Zahl der andere Länder bewohnenden resp. besuchenden Arten beträgt auf Helgoland 396,

Ferner für Borkum 222,

Britische Inseln 376, in Schleswig-Holstein 296,

Belgien 336, Mecklenburg 262,

Niederlande 287, Brandenburg 273,

Luxemburg 275, Pommern 293,

Spanien 384, Nord-Deutschland 340,

Spanien, Portugal und die Balearen 408, Westfalen 254,

Italien (Salvadori) 428, Nassau 259,

(Giglioli) 443, Hessen 263,

Schweiz 356, Wirtemberg 307,

Skandinavien 330, Bayern 312,

Norwegen 278, Deutschland (Homey er) 357,

Ehst-, Liv-, Kurland 280,
(Reichenow) 396,

Griechenland 358.
Böhmen 297,
Ungarn 280,
Salzburg 239,

Europa 586,
Kärnten 318,

Algier 357, Bosnien-Herzegowina 268,

Tunis 200, Croatien, Slavonien, Dalmatien, Krain, Turkestan 419,

Istrien, Bosnien, Herzegowina, Ser- Japan 381, bien, Montenegro 408 Arten.

China 675.

Von den sächsischen Brutvögeln sind 48 Arten Stand - und Strichvögel, 80 regelmäßige Sommervögel, also Zugvögel, und 29 unregelmäßige und mehr oder weniger seltene Brutvögel. Außerdem haben 6 Arten ausnahmsweise bei uns gebrütet und ist es von 5 noch nicht ganz sicher

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