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wie nach meinen Beobachtungen die Resultate meiner Vorgänger sich gegeneinander stellen, so habe ich zunächst zu berichten, daß der Spulwurm des Pferdes zweierlei Arten von Eiern ^) hervorbringt; jedoch enthält nicht ein einziges Individuum durcheinander beide Arten, sondern in einem jeden finden sich nur Eier von gleicher Struktur. Es wäre möglich, wie ich schon in einem Vortrag ?) über unseren Gegenstand erwähnt habe, daß den Eiern entsprechend auch der Wurm selbst in zwei verschiedenen Varietäten vorkäme. Es war mir jedoch noch immer nicht möglich, diese Frage zu entscheiden. Nur eine einzige Beobachtung kann ich anführen, welche gegen die erwähnte Vermutung spricht. Als ich zu Anfang meiner Untersuchungen stets Eier der gleichen Art zu Gesicht bekam, fiel mir einmal ein noch unbefruchtetes Ei auf, welches sich vor allen anderen Eiern des gleichen Individuums durch einen ungewöhnlichen Reichtum an Chromatin auszeichnete. Ich habe dieses Ei damals als Abnormität gezeichnet und später, als mir auch die andere Art vorlag, gefunden, daß dasselbe sowohl in der Menge als auch in der Anordnung des Chromatins mit diesen Eiern vollkommen übereinstimmte.

Die eine der beiden Arten hat nur VAN BENEDEN vor Augen gehabt, allen übrigen Arbeiten liegt die andere zu Grunde.

Hieraus ist der besonders auffallende Gegensatz zu erklären, in welchem die Abbildungen VAN BENEDEN'S zu denen der drei anderen Autoren stehen.

Weiterbin ist darauf aufmerksam zu machen, daß die Eier von Ascaris megalocephala infolge ihrer außerordentlich dicken und resistenten Eihüllen der Konservierung große Schwierigkeiten in den Weg stellen. Die Angaben, daß sich dieselben in Alkohol und verdünnten Säuren längere Zeit weiter entwickeln, sind ja bekannt. Allerdings ist hervorzuheben, daß in dieser Hinsicht sehr beträchtliche individuelle Verschiedenheiten obwalten; die Eier mancher Individuen werden in unseren Reagentien sehr rasch abgetötet, während andere darin lange Zeit lebend bleiben. In diesem letzteren Fall ist es klar, daß die Konservierungsflüssigkeit nur äußerst langsam die Hüllen durchdringt, daß also zunächst nur minimale Quantitäten derselben mit dem Ei in Berührung kommen, welche dasselbe nicht sofort töten, sondern zu krankhaften Bewegungen veranlassen. Als solche pathologisch ver

1) Und dementsprechend auch zweierlei Spermatozöen.

2) Sitz. - Ber. d. Ges. f. Morph. u. Phys. zu München, 1887, B. III, H. 2.

änderte Figuren sind viele der von NUSSBAUM, VAN BENEDEN und CARNOY abgebildeten anzusprechen, was von mir schon früher') und dann CARNOY gegenüber auch von den Brüdern HERTWIG ?) hervorgehoben worden ist. Die Mannigfaltigkeit dieser krankhaften Weiterentwicklung ist ein zweiter Grund für die Verschiedenheiten in den Befunden der einzelnen Forscher. Die schwere Durchdringbarkeit der Eihüllen bedingt jedoch noch einen weiteren Übelstand. Die geringe Stärke der anfänglichen Wirkung der Reagentien hat, wenn auch der Tod rasch erfolgt, häufig eine schlechte Konservierung zur Folge, welche, wenn sie nicht als solche erkannt wird, gleichfalls zu Irrtümern Veranlassung geben muß..

Betrachten wir mit Rücksicht auf diese Umstände die einzelnen Arbeiten, so muß diejenige SCHNEIDER's als die korrekteste bezeichnet werden. SCHNEIDER hat zwar, wie bekannt, die Bildung des zweiten Richtungskörpers völlig übersehen, auch sind seine Figuren wohl nicht gut gezeichnet und infolge der schwachen Vergrößerung zum Teil unklar. Allein alle Bilder SCHNEIDER's über die Bildung des ersten Richtungskörpers sind, wenn auch nicht gut konserviert, so doch normal und im wesentlichen richtig gedeutet. SCHNEIDER zweifelt ja auch, wie bereits erwähnt, nicht daran, daß es sich um eine karyokinetische Teilung handelt. Wenn nun in diesem Resultat NUSSBAUM mit ihm übereinstimmt, so geschieht dies doch auf ganz anderer Grundlage. Alle Bilder in NUSSBAUM's erster Arbeit, welche sich auf unseren Gegenstand beziehen, sind mit Ausnahme der Fig. 29 mehr oder weniger krankhaft verändert und falsch gedeutet; Beschreibung und Abbildungen stimmen nicht miteinander überein. Das Gleiche gilt für die Fig. 9 u. 10 der zweiten Abhandlung. NUSSBAUM zeichnet immer das nämliche, für die Entscheidung der Frage, ob Karyokinese oder nicht, unzulängliche Stadium, welches die Tochterelemente an den Enden einer gekrümmten oder schon geteilten Spindel darstellen soll, während die Figuren in Wirklichkeit pathologisch modifizierte Spindeln mit Äquatorialplatte darstellen. Von einer Serie aufeinanderfolgender Stadien bekommen wir nichts zu sehen; eine solche wäre auch im Anschluß an die abgebildeten und in der erwähnten Weise falsch gedeuteten Bilder unmöglich herzustellen. Wenn also NUSSBAUM behauptet, die Bildung der

1) Sitz. - Ber. d. Ges. f. Morph. u. Phys. zu München, 1886, B. II, H. 3.

2) 1. c.

Richtungskörper bei Ascaris megalocephala sei eine karyokinetische Zellteilung, so ist er uns den Beweis hierfür in beiden Arbeiten schuldig geblieben.

Mit diesen Untersuchungen der beiden deutschen Forscher stehen diejenigen VAN BENEDEN's und CARNOY's in einem fundamentalen Widerspruch, unter sich aber, trotz aller äußerlichen Gegensätze, im Grunde auf dem gleichen Standpunkt. Die Hauptdifferenzen zwischen den beiden belgischen Forschern beruhen auf der Verschiedenheit der untersuchten Objekte. Berücksichtigt man dies, so wüßte ich nicht, wie sich van BENEDEN eine schönere Bestätigung seiner Lehre von der Richtungskörperbildung hätte wünschen können als die Arbeit CARNOY'S. Beide Forscher suchen den Beweis zu führen, daß die chromatischen Elemente des Keimbläschens sich nicht, wie bei der typischen Karyokinese, teilen, sondern daß dieselben ungeteilt zu zwei seitlichen Gruppen auseinanderweichen, von denen die eine als erster Richtungskörper ausgestoßen wird, die andere im Ei verbleibt, worauf die Wiederholung des gleichen Vorgangs an den zurückgebliebenen Elementen zur Bildung des zweiten Richtungskörpers führt. Gegen diese prinzipielle Übereinstimmung sind alle Differenzen, so besonders im Verhalten der achromatischen Figur, von untergeordneter Bedeutung.

Obgleich beide Autoren die Richtigkeit des von ihnen aufgestellten Entwicklungsganges für völlig erwiesen halten, so lehrt doch eine aufmerksame Betrachtung ihrer Abbildungen, daß gerade am entscheidenden Punkt, da, wo nachgewiesen werden müßte, daß jede der beiden Tochtergruppen mit einer der beiden auf früheren Stadien in der Äquatorialebene neben einander gelegenen Chromatingruppen identisch sei, daß gerade hier eine Lücke besteht, welche auch durch die große Anzahl der Figuren nicht überbrückt werden kann. Wir bekommen zwar eine erstaunliche Mannigfaltigkeit von Bildern zu sehen, aber keine Reihe, in der das eine klar aus dem andern sich ableiten ließe.

Aus dem Gesagten wird sich ergeben haben, daß eine erneute Untersuchung des Gegenstandes keine überflüssige Arbeit ist.

CARNOY selbst spricht den Wunsch aus, daß ein unbeeinflußter Beobachter eine Nachprüfung unternehmen möge. Nach längerer Beschäftigung mit unserem Objekt glaube ich nun endgültig den Beweis liefern zu können, daß der Prozeß der Richtungskörperbildung, wie bei allen anderen untersuchten Eiern, so auch bei Ascaris megalocephala als typische karyokinetische Zellteilung verläuft, worunter ich die Teilung der möglichst in der Äquatorialebene einer zweipoligen faserigen Figur gelagerten chromatischen Elemente in je zwei Hälften und die Wanderung der beiden Hälften eines jeden Elements nach entgegengesetzten Polen verstehe.

Daß dies für die von mir untersuchten Eier zutrifft, wird aus meiner Beschreibung zur Genüge hervorgehen. Allein nachdem einmal Variabilität für die Eier von Ascaris megalocephala nachgewiesen ist, könnte man der Ansicht sein, daß außer dem von mir konstatierten Teilungsmodus noch ein anderer sich finden möchte, daß ein solcher in den Bildern VAN BENEDEN's und CARNOY'S zu erblicken wäre.

Es wird deshalb meine Aufgabe sein, 1) darzuthun, daß ich die gleichen Objekte untersucht habe, wie alle anderen Autoren, 2) zu zeigen, daß die abweichenden Figuren derselben durch die Behandlungsweise bedingt sind, daß man bei Anwendung geeigneter Methoden nur typische Teilungsfiguren erhält, 3) die Bilder meiner Vorgänger im einzelnen einer genauen Prüfung zu unterziehen, festzustellen, wie weit die behauptete Entwickelung eine aus pathologischen Figuren konstruierte ist, und womöglich den Punkt aufzudecken, wo von diesem Irrweg aus der Sprung zu den normalen Endstadien der Teilung gemacht wird.

Methode der Untersuchung. Nachdem mir einmal der Verdacht aufgestiegen war, daß ein Teil der VAN BENEDEN'schen Bilder durch das langsame Absterben der Eier bedingt sein könne, tötete ich dieselben durch Hitze, und zwar dadurch, daß ich die Eiröhren in kochenden absoluten Alkohol, dem 10% Eisessig zugesetzt war, auf einige Sekunden eintauchte. Durch dieses Verfahren werden nicht nur die Eier sofort getötet, sondern auch die Eihüllen momentan für das Reagens durchgängig.

Die Eiröhren blieben noch einige Stunden in dem gleichen, allmählich erkaltenden Gemisch, wurden dann in reinen Alkohol übertragen, gefärbt und in Glycerin oder Nelkenöl untersucht. Dabei zeigten sich denn in allem wesentlichen nur solche Bilder, wie wir sie an anderen Objekten zu sehen gewohnt sind, reguläre achromatische Spindeln mit chromatischer Äquatorialplatte oder mit Tochterplatten, keine Spur von Protoplasmastrahlung. War damit auch so ziemlich der Nachweis geliefert, daß der von VAN BENEDEN und CARNOY aufgestellte Entwickelungsmodus nicht existiert, so waren die durch die genannte Methode erhaltenen Präparate doch nicht so klar, daß sich an denselben alles Detail hätte feststellen lassen. Denn bei aller prinzipiellen Übereinstimmung mit anderen Objekten bietet der Prozeß bei Ascaris megalocephala doch gewisse Besonderheiten dar, so daß er sich nicht ohne weiteres auf ein bekanntes Schema zurückführen läßt.

Ich wandte daher wieder kalte Reagentien an, Alkohol in verschiedener Konzentration mit und ohne Essigsäure, Salpetersäure und vor allem Pikrin-Essigsäure. Diese letztere Mischung ergab mir weitaus die besten Resultate, so daß ich sie zuletzt ausschließlich benutzte. Dabei verfuhr ich folgendermaßen: Eine konzentrierte wässerige Lösung von Pikrinsäure wird mit zwei Teilen Wasser verdünnt und dieser Lösung dann 1% Eisessig zugesetzt. In diese Mischung werden die Eiröhren gebracht und so lange darin belassen, bis die mikroskopische Untersuchung die Fixation der Eier ergiebt, mindestens aber 24 Stunden. Nach sehir sorgfältigem Auswaschen in 70%. Alkohol kommen die Eiröhren auf 24 Stunden in GRENACHER's alkoholisches Boraxkarmin, 24 Stunden in 70%igen Alkohol mit 1% Salzsäure, dann in reinen Alkohol. Die Untersuchung in Glycerin ist derjenigen in Nelkenöl oder Harz entschieden vorzuziehen. Bringt man die Eiröhren aus dem Alkohol in eine Mischung von 1 Teil Glycerin auf 3 Teile Alkohol absol. und läßt diese so lange stehen, bis der Alkohol verdunstet ist, so erhält man die Eier ohne alle Schrumpfung.

Was nun die Konservierung der so behandelten Eier betrifft, so ist dieselbe eine sehr wechselnde. Man muß sich, wie überhaupt bei Anwendung kalter Reagentien, auf den Zufall verlassen. Offenbar je nach der Konstitution der Eihüllen, also von Umständen abhängig, die wir nicht in der Hand haben und die individuell, d. h. von einem Wurm zum andern, ja selbst von einem Ei zum andern sehr variieren, werden die Eier bald rasch fixiert, bald erst, nachdem sie mehr oder weniger tiefgreifende Veränderungen erlitten haben. Selbst in den günstigsten Fällen erhält man neben völlig normalen Präparaten, die von einer Schönheit und Klarheit sind, daß ich von viel leichter zu behandelnden Objekten keine besseren gesehen habe, mehr oder weniger pathologische Bilder, die jedoch einerseits durch den Vergleich mit den durch Hitze abgetöteten Eiern, andererseits schon dadurch, daß sie,

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