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nisschwäche und deren unausbleiblichen Folgen in der Wiedergabe eines Ereignisses zu rechnen haben! Das sind elementare Grundsätze, deren Anwendung man im gewöhnlichen Leben von jedem sachlich Denkenden unbedingt verlangt. Und in einer so bedeutungsvollen Angelegenheit, wie es die Kenntnis der letzten Augenblicke unserer heiligen Glaubenszeugen ist, sollte man sich leichten Fusses darüber hinwegsetzen? Man stutzt unwillkürlich, wenn man die erhabenen und markigen, im Lapidarstil unter Beistand des hl. Geistes niedergeschriebenen Worte der Passio D. N. J. Chr. im Evangelium vergleicht mit der Passio so vieler Martyrer. Und endlich, wir sagen es offen, ist es nicht auch für das einfache und gläubige Gemüt weniger empfindlich, diese kritischen Untersuchungen angestellt zu sehen von Männern, die mit ihm Grunde eines Sinnes und Bekenner derselben heiligen Lehre sind, als von solchen, welche lediglich in frivolem Rationalismus darauf ausgelien, dem "frommen Wahn" den Boden zu entziehen und mit den bekämpften Accidenzien das Wesen der Kirche und ihrer Lehre in Misskredit zu bringen? Darum sei und bleibe auf dem Gebiete der Hagiographie der oft wiederholte Leitsatz unser Wahlspruch: Amicus Laurentius, amicus Bonifatius, amicus Theodotus, amica Agnes, amica Martina sed magis amica veritas!

Altchristliche Thonschüsseln.

Von

Anton de Waal.

So gross an Zahl, ebenso manichfaltig an Darstellungen sind die altchristlichen Lampen aus Terracotta. Zu der Menge derselben, welche die Katakomben geliefert haben und noch täglich liefern, kommen die bei allen Ausgrabungen zu Tage tretenden Exemplare; die christlichen Darstellungen aber auf denselben geben uns neben dem Monogramm Christi in seinen verschiedenen Entwickelungsformen bis zum offenen Kreuze, Tierfiguren und Symbole, sowie eine Reihe von biblischen Szenen, zum Teil in eigenartiger Auffassung, Bilder von Heiligen u. s. w.

Eine andere Klasse von Terracotten bildet das Tafel- und Küchengeschirr, eine Klasse altchristlicher Monumente, die bisher kaum beobachtet worden ist. Man sollte erwarten, dass neben der grossen Menge der Lampen und der nicht geringen Zahl von Goldgläsern sich eine entsprechende Zahl altchristlicher Schüsseln und Teller mit religiösen Darstellungen finden werde, und wer diesem vernachlässigten Zweige christlicher Altertümer seine Aufmerksamkeit zuwandte, mochte hoffen, neben Garrucci's,,Vetri" ein ähnliches Werk stellen zu können. Wenn nun diese Erwartung, wie wir bald sehen werden, gründlich getäuscht worden ist, so mag die Ursache der verhältnismässig so seltenen Schüsseln, oder Bruchstücken von Schüsseln, seinen Grund in der leichten Zerbrechlichkeit derselben zu finden sein, ganz gewiss viel mehr aber noch darin, dass man bei den Ausgrabungen auf diese Thonscherben zu wenig geachtet hat. Immerhin aber blieb, auch bei einer verminderten Zahl, die Hoffnung, wenn nicht aus vorkonstantinischer Zeit, so doch seit der Mitte des 4. Jahrh.s altchristliche Schüsseln zu finden, und zwar mit einer ähnlichen Manichfaltigkeit der religiösen

Darstellungen, wie sie auf den Lampen uns vorliegt. Dieselben figuli, aus deren Werkstatt die Lampen mit all den verschiedenen Darstellungen hervorgegangen sind, haben ja auch die Schüsseln für den täglichen Hausgebrauch geliefert; werden die christlichen figuli nicht auch auf den Tellern in reicher Verschiedenheit der Figuren und Bilder ihre Arbeit verziert haben? Aber um gleich das Resultat unserer bisherigen Nachforschungen vorzulegen, so ist es dies:

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Es gibt bis jetzt nur eine überaus geringe Zahl altchristlicher Terracotta Schüsseln; kaum die eine oder andere liegt vor dem Ende des 4. Jahrh.s; die Figuren und Darstellungen

auf denselben bieten eine äusserst geringe Manichfaltigkeit; bei keinem Exemplar findet

sich eine Fabrikmarke.

Trotz alledem wird es keine unfruchtbare und nutzlose Arbeit sein, das, was wir von solchen Terracotten haben, einmal zusammenzustellen und dadurch die Archäologen und besonders die Leiter der Ausgrabungen anzueifern, auch diesen Scherben" mehr Interesse zuzuwenden. Unser Verzeichnis bietet zunächst die in öffentlichen Sammlungen Roms sich findenden Stücke, unter Berücksichtigung und Vergleichung auf Exemplare in andern Museen, eine Zusammenstellung, die als ein erster Anstoss und Beitrag gelten mag, um zu einer Sylloge sämtlicher beachtenswerter Terracotten in Lampen, Statuetten, Krügen, Schüsseln u. s. w. zu führen. Damit erhalten wir dann ein übersichtliches Bild über die Produkte der altchristlichen Töpferei und ihrer Darstellungsweise religiöser Bilder und Vorstellungen, und wir dürfen erwarten, wenn einmal das gesamte Material vorliegt, eine nicht zu unterschätzende Ergänzung zu den Gemälden, den Skulpturen, den Goldgläsern, den Elfenbeinschnitzereien und anderen monumentalen Zeugen des altchristlichen Lebens und Denkens zu erhalten.

Schüsseln aus Thon in Rom.

I. Im vatikanischen Museum christlicher Altertümer. 1. Bruchstück von feinem Thon, über welches der Katalog folgendes angibt: Armadio III; n. 236, pag. 50, v. Frammento di

grande piatto di terracotta rossa del sec. incirca IV, nei cui margini sono graffite le lettere MAR (Martyr o Martyres Christi), trovato nel cimitero di Domitilla in una galleria presso l'abside dei SS. Nereo ed Achilleo e Petronilla. (Vgl. de Rossi, Bull. 1879, pag. 159).

2. Eine im ehemaligen Xenodochium des Pammachius zu Porto ausgegrabene Schüssel, vollständig, jedoch ohne christliches Zeichen.

3. Bruchstück (ob von einer Schüssel?); Widder, der in einem Kreise das konstantinische Monogramm Christi mit A und W auf dem Kopfe trägt. (Garrucci, Storia dell' arte, Tav. 465, 2; p. 99.) 4. Der obere Teil eines Kreuzes und, quer darüber, eine Taube. 5. Ein an den Enden ausgeschweiftes Kreuz, das im Innern fünf an einander stossende Disken als Verzierung hat.

II. Im Kircherianum.

1. Feiner, aretinischer Thon; Stück aus dem breiten Rande einer grossen Schüssel. Jonas unter der Kürbisstaude, die Rechte erhoben. (Garrucci, Tav. 465; pag. 99.) Die Darstellung setzt, wohl in entsprechenden Zwischenräumen, zwei oder wenigstens eine andere Jonasszene mit dem Seetier voraus.

2. Stehendes Lamm, klein, in der Mitte eines SchüsselFragments.

3. Monogramm mit angehängtem A und W und mit Punkten verziert.1

III. In der Sammlung des Campo santo.

1. (Abb. Taf. II, Fig. 1.) Ringsum abgebrochene Schüssel mit dem noch ganz erhaltenen Aufsatzringe unten, der einen Durchmesser von cm. 21 hat. In der Mitte steht, cm. 11 hoch, Christus,

1 Bei meinem Besuche des Kircherianum fand ich in Begleitung des Unterinspektors Paribeni nur diese drei Stücke; später hatte er die Freundlichkeit, mir die nebenstehende Zeichnung auf einem Fragment einer scodella zu senden, die er nachträglich gefunden hatte. Dadurch ermutigt, wandte ich mich an P. Ehrle, um vielleicht auch im vatikanischen Museum solch vergessene Stücke zu finden; allein die Suche war fruchtlos.

bartlos, mit einfachem Heiligenschein. Die Rechte ist zum Reden oder Segnen erhoben, so, dass Zeigefinger und Mittelfinger ausgestreckt, die beiden andern unter den Daumen eingeschlagen sind. Die Linke trägt eine crux hastata mit sehr kleinem Querbalken; es ist das offene Kreuz, nicht das Monogramm in der konstantinischen oder späteren Form, in welcher häufig auf den Monumenten die hasta ausläuft. Der Herr trägt ein bis über die Knie reichendes Unterkleid, das durch zwei über die Brust hinablaufende Doppellinien, und dessen Saum durch mehrere Parallellinien verziert ist. Vom Mantel über diesem Untergewand erkennt man nur die beiden Grenzlinien unten am Ende; über den linken, das Kreuz haltenden Arm ist als Verzierung des Mantels eine Reihe von Kreisen, die nach der Mitte zu grösser werden, eingedrückt. Zu beiden Seiten des Heilandes stehen je zwei Tauben in durchaus paralleler Stellung; eine fünfte steht über dem Haupte Christi; alle fünf Tauben sind einander durchaus gleich; ihnen ist auch vollkommen gleich die Taube auf dem oben angeführten vatikanischen Fragment 4. Sie sind also mit demselben Stempel eingedrückt worden, und dieser ist nach der guten Zeichnung wesentlich älter, als das Graffito der Christusfigur. In der Fünfzahl der Tauben wird Niemand eine besondere Bedeutung suchen. Die Schüssel ist bei Aricia im Albanergebirge gefunden worden. Dieses, wie die folgenden Stücke wurden bei römischen Antiquaren gekauft.

2. (Taf.III, Fig. 3.) Das Bruchstück einer Schüssel aus aretinischem Thon zeigt das gemmierte Kreuzmonogramm (P) mit A und W unter dem Querbalken, das A auf den Kopf gestellt. Wie der innere Ring und der äussere Doppelring (mit umlaufendem Blattschmuck) lehren, ist das Monogramm wohl in vielfacher Wiederholung um ein Mittelbild gestellt gewesen.

3. Einfache Crux gemmata.

4. (Taf. III, Fig. 2.) Rand einer tiefen Schale mit einem von links nach rechts schwimmenden Fische, der sich um den ganzen Rand wiederholt haben wird.

5. (Taf. III, Fig. 3.) Crux gemmata in einem Doppelkreise. 6. Dasselbe, mit tieferer Ausprägung des Kreuzes, in einem zweifachen Kreise. Unten starker Standring.

7. Kleines, einfaches Kreuz in einem engen Kreise, um den sich ein weiterer Ring legt, der dem Standring unten entspricht.

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