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3. Briefe über Shakespeare's Hamlet, von Dr. Alois Flir. Inns

bruck 1865. 4. Shakespeare's Hamlet, seinem Grundgedanken nach erläu

tert von Dr. August Döring. Hamm. G. Grote’sche Ver

lagshandlung 1865. Den Briefen von Flir können wir dasselbe Lob spenden wie der Abhandlung des Cardinal Wiseman; sie bilden ein liebenswürdiges, mit der Begeisterung eines feingebildeten, geschmackvollen, reifen Mannes geschriebenes Buch. Wenn Herr Rümelin dieses Buch, welches sich besonders eingehend mit der Composition des Hamlet beschäftigt, aufmerksam durchliest, so wird er vielleicht von seiner Ansicht, Hamlet sei blos scenenweise geschrieben und ermangele gänzlich der künstlerischen Einheit, zurückkommen. Hiezu dürfte auch die Lektüre des Döring'schen Buchs, von welchem der Verfasser mit Fug und Recht sagen kann, es sei das Resultat nicht nur eines längeren und wiederholten Sichvertiefens in den Gegenstand, sondern zugleich einer methodisch geführten Untersuchung, wesentlich beitragen. Dieses Buchs, sowie der trefflich geschriebenen „Aufsätze über Shakespeare" von C. Hebler (auf welche wir hier leider nicht näher eingehen können, da uns die Zeit mangelt, unsere in wesentlichen Punkten abweichenden Ansichten ausführlich zu motiviren) ist schon in dem Aufsatze Vischer's lobende Erwähnung gethan.

5. Shakespeare's Sonnets nerer before interpreted: his pri

vate friends identified: together with a recovered likeness of himself. By Gerald Massey. London: Longmans, Green,

and Co. 1866. Dieser stattliche Band, welcher über 600 Seiten in gr. 8. enthält, bietet eine reiche Fundgrube der Belehrung über die Zeit Shakespeare's und ihre hiervorragenden Persönlichkeiten. Der talentvolle Verfasser, in dessen warmer, sympathischer Darstellungsweise nicht blos viel Geist, sondern auch eine liebenswürdige Persönlichkeit sich offenbart, hat die gründlichsten Vorstudien zu seinem Werke gemacht und leider nur das Beste übersehen, was vor ihm über den Gegenstand geschrieben war, nämlich den Aufsatz von Nicolaus Delius im ersten Bande dieses Jahrbuchs. Der letzte deutsche Erklärer der Sonette, von welchem er Notiz nimmt, ist Barnstorff, der ihm die Lust, bei uus weiter nachzuforschen, ver

leidet zu haben scheint. Merkwürdig, dass der Unsinn sich immer leichter Bahn bricht als das Vernünftige! Auch der in Frankreich als gründlichster Kenner Shakespeare's bewunderte Philarète Chasles scheint Barnstorff für den Chorführer unserer Sonetten-Erklärer zu halten.

Herrn Gerald Massey's Werk befand sich schon unter der Presse, bevor der erste Theil unseres Jahrbuchs erschienen war, sonst würde er gewiss dem Aufsatze von Delius eingehende Beachtung geschenkt baben. Ob er aber dadurch veranlasst worden wäre, seine Ansichten zu ändern, ist eine andere Frage, denn seine Ansichten sind ihm so in Fleisch und Blut übergegangen, so zur Ueberzeugung geworden, dass er sich gewiss nicht leicht zum Gegentheil bekehren lassen würde. Er betrachtet nämlich die Sonette nicht, wie Delius, als wesentlich freie Ergüsse des poetischen Genius, sondern führt sie alle auf persönliche Beziehungen zurück. Aber er unterscheidet sich dadurch von unsern frübern Auslegern, welche die Sonette autobiographisch deuten, dass er die meisten als im Auftrage anderer Personen geschrieben betrachtet. Die erste Gruppe bezieht er, wie schon oft vor ihm geschehen, auf den Grafen Southampton, den der Dichter ermahnt, sich zu verheirathen. In den Nebenbuhlern in der Liebe des Grafen, von welchen Shakespeare in einigen Sonetten spricht, vermuthet Massey Thomas Nash und Marlow. In andern Sonetten wird Southampton's Liebe zu der schönen Elisabeth Vernon verherrlicht. Dann kommen wieder Sonette, welche sich auf Shakespeare's Zusammenleben mit dem Grafen, auf ihre Trennung u. s. w. beziehen. Nun folgen Sonette, die geradezu im Auftrage Elisabeth Vernon's geschrieben sein sollen; die einen drücken ihre selbstquälerischen, eifersüchtigen Gedanken aus; die andern sind an Lady Rich gerichtet. In gleicher Weise schreibt der Dichter für Southampton an Elisabeth Vernon; ebenso schreibt er später für William Herbert und andere bochstehende Personen. Man sieht schon aus diesen Andeutungen, dass ein grösserer Unterschied, als zwischen den Auffassungen von Delius und Gerald Massey herrscht, nicht möglich ist. Man braucht mit der Auffassung des letzteren nicht übereinzustimmen, um sein Buch lehrreich und unterhaltend zu finden. Neu war uns besonders der Nachweis, dass Shakespeare den Stoff zu einem grossen Theil seiner Sonette, und sogar viele der darin vorkommenden Bilder und Pointen aus Sidney's „Arcadia“ geschöpft hat, einem bekanntlich zu seiner Zeit vielgelesenen und berühmten Werke.

6. Shakespeare's Garden, or the plants and flowers named in

his works described and defined. With notes and illustrations from the works of other writers. By Sidney Beisly.

London: Longman and Co. 1864. In einer hübsch geschriebenen Einleitung giebt der Verfasser eine Anzahl weniger bekannter Aussprüche und Urtheile berühmter Männer über Shakespeare's weltumfassende Bedeutung. Dann folgt im ersten Kapitel des anspruchslosen Buchs eine Sammlung poetischer Stellen, in welchen Pflanzen und Blumen im Allgemeinen erwähnt werden. Darauf wird jedem Drama ein besonderes Kapitel gewidmet und mit liebevoller Ausführlichkeit Alles gehalten, was der Titel verspricht.

7. Shakespeare's Staat und Königthum. Nachgewiesen an der

Lancaster - Tetralogie von Benno Tchischwitz. Halle 1866.

kl. 8. 89 S. Der Verfasser nimmt an, dass Shakespeare in Richard II., Heinrich IV. und Heinrich V. seine reifsten Gedanken über den Staat und die Kirche niedergelegt habe und sucht auf Grundlage dieser Dichtungen den Beweis zu führen, dass der Dichter das Verhältniss eines Königs zum Volke nicht als ein schlechthin rechtliches, sondern als ein specifisch sittliches auffasse, dass das Königthum für ihn eine moralische und insofern auch, nach ihrer ewigen Bedeutung, eine religiöse Idee sei. Das Verhältniss zwischen Fürst und Volk wurzelt in der Pietät; der Bruch dieser Pietät ist die Revolution, ebenso strafbar, wenn sie von Fürsten (wie bei Richard II.), als wenn sie vom Volke ausgeht. ... Dies ist die leitende Idee des anspruchslosen, aber sehr lesenswerthen, von hoher Pietät für Shakespeare durchdrungenen Büchleins.

9. New Readings of Shakspere; or Proposed Emendations of

the Text. By Robert Cartwright, M. D. London: John

Russell Smith. 1866. Wir müssen es hier dabei bewenden lassen, empfehlend auf diese kleine Schrift hinzuweisen; wenn wir uns auch nicht mit allen darin vorgeschlagenen neuen Lesarten einverstanden erklären können, so erscheinen uns doch mehrere davon sehr einleuchtend,

wie z. B. folgende, in Heinrich IV., Th. 2, wo Herr Cartwright in den Worten Pistol's:

Compare with Caesars and with Cannibals,

And Trojan Greeks ? statt Cannibals liest Hannibals.

Es ist in der That unwahrscheinlich, dass Pistol, von dem Gower sagt, dass er die Namen aller grossen Feldherrn in und auswendig wisse, an dieser Stelle Cannibals mit Hannibals verwechselt haben soll.

Notizen

Von Alexander Schmidt, den Freunden Shakespeare's schon seit einem Vierteljahrhundert durch sein treffliches Buch „Sacherklärende Anmerkungen zu Shakespeare's Dramen (Danzig, bei B. Kabus, 1842) rühmlich bekannt, erhalten wir die erfreuliche Nachricht, dass er mit der Ausarbeitung eines grossen Werkes beschäftigt ist, welches, nach den uns darüber gemachten Mittheilungen, von monumentaler Bedeutung für die Shakespeare - Literatur zu werden verspricht. Es ist nämlich eine lexikalische Arbeit, angeregt durch die bekannte Complete Concordance to Shakespeare von Mrs. Cowden Clarke, und bestimmt, zu werden, was diese Complete Concordance sein sollte, aber nicht ist: nämlich ein vollständiges, bis in's Einzelnste den Sprachgebrauch feststellendes ShakespeareLexikon. Es hat langer Jahre bedurft, um nur die Grundlagen zu dem riesigen Unternehmen festzustellen; möge dem geistvollen und gelehrten Verfasser Musse, Gesundheit und Geduld nicht fehlen, sein Werk zu glücklichem Ende zu führen! Uebersichtliche Proben daraus sind unserm Jahrbuche für den nächsten Band in Aussicht gestellt.

Eine Reihe von Vorlesungen Shakespeare'scher Dramen, welche Herr R. Genée während der letzten Wintermonate des Jahres 1866 im chemischen Hörsaale zu München hielt, hatte sich grossen Beifalls zu erfreuen. Jedem Stück ging eine orientirende Einleitung voraus, in welcher über Composition, Stil, Handlung und Charaktere

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