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Zu vorzüglichem Danke fühle ich mich bei dieser neuen Auflage des ersten Bändchens meiner Vergilausgabe gegen den Herrn Prof. Ameis verpflichtet, der durch seine eingehende Beurtheilung der ersten Auflage dieses Bändchens und durch sein gehaltreiches Programm: spicilegium explicationum Vergilianarum , Mühlhausen, 1851 mir die Revision dieses Bändchens wesentlich erleichtert hat. Ueber die übrigen Gelehrten, denen ich eine richtigere Auffassung einzelner Stellen der Bucolica und Georgica verdanke, sowie über die Veränderungen, die ich bei dieser neuen Auflage vorgenommen habe, verweise ich auf die Vorrede zu der eben erschienenen zweiten Auflage des zweiten Bändchens und wünsche, dass auch diese neue Auflage sich einer gleich günstigen Aufnahme erfreue, wie sie ihrer Vorgängerin zu Theil geworden ist.

Neustrelitz.

• Th. Ladewig.

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Mit der Geringschätzung, mit welcher die Römer der älteren republikanischen Zeit Künste und Wissenschaften, in deren Betreibung sie eine Beeinträchtigung ihrer staatsbürgerlicben Pflichten erblickten, ansahen, hing die Verwunderung über den ihnen unbegreiflichen Enthusiasmus der Grie chen zusammen, mit welchem diese den Gesängen ihrer Dichter lauschten. Als daher freigelassene Sklaven und Nichtrömer zuerst versuchten, die Römer für die freien Schöpfungen des Geistes empfänglich zu machen, so übersetzten sie zunächst griechische Musterwerke, um die Römer einen Blick in den unerschöpflichen Mythenkreis der Griechen thun zu · lassen und mit der Wissbegierde zugleich die Liebe zu wissenschaftlicher Beschäftigung zu wecken. So übersetzte, Livius Andronicus, der erste römische Schriftsteller, die Odyssee des Homer und Dramen des Euripides und anderer Tragiker. Der Erfolg entsprach seinen kühnsten Erwartungen. Seine Uebersetzung der Odyssee wurde Schulbuch, und seine Bearbeitungen griechischer Dramen wurden mit solchem Beifall aufgenommen, dass sie andere Dichter reizten, den von ihm eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen. Nachdem die Römer aber für das Streben nach höherer Ausbildung gewonnen waren, entstand ein reger Wetteifer unter den römischen Schriftstellern, ihren Landsleuten die Schätze der griechischen Literatur mitzutheilen. Natürlich war es ibnen Anfangs dabei vorzugsweise um den Stoff zu thun, die

Vergil. I.

Form wurde wenig berücksichtigt; man war zufrieden, wenn man der rauhen, ungelenken Kriegersprache die Worte und Wendungen abzwang, welche zum Ausdruck des Gedankens nothwendig waren, und bewahrheitete praktisch den Spruch des alten Cato: rem tene, verba sequentur. Es kam nunmehr darauf an, die schlummernden Kräfte der Sprache für Rhythmus und Composition zu wecken. Den ersten Schritt dazu that Ennius (aus Rudiae in Calabrien, der Zeitgenosse und Freund des ältern Cato und der Scipionen), indem er durch Einführung des Hexameters das accentuirende Latein in ein quantitirendes verwandelte. „Der Wechsel mochte zuerst,“ wie Bernhardy bemerkt, „unbedeutend scheinen; allmählig aber lehrte die Wägung der Sylben und Wortfüsse auch auf Stellung und Auswahl der Worte achten, der Werth der Endungen führte zur berechneten Wortbildnerei, das Gefühl des Stiles und der Redegattungen konnte nicht ohne das Rüstzeug einer fein und mannichfaltig geprägten Phraseologie bleiben.“ Indem man auf diesem Wege, zu dem besonders das in Rom eifrig gepflegte Studium der Beredsamkeit aufforderte, weiter fortschritt, gelang es doch erst dem Cicero durch das eifrigste Stúdium griechischer Muster, die prosaische Darstellung zur höchsten formalen Tüchtigkeit zu bringen und oratorische Fülle mit periodischer Abrundung zu verbinden. Hinter dieser Ausbildung der Prosa blieb die poetische Darstellung noch weit zurück; Lucretius, der Zeitgenosse des Cicero, verräth sowol durch die Wahl seines Štoffes (Entwicklung der epikureischen Lebre), als auch durch dessen Bearbeitung, wie viel die römischen Dichter in Betreff der Anlage ihrer Werke, der sprachlichen Darstellung und des Baues ibrer Verse noch von den Griechen zu lernen hatten. Im Gegensatz gegen die bisherige Richtung, welche die Form so schwer vernachlässigt hatte, unternahmen es die Dichter des augusteischen Zeitalters, im engen Anschluss an die Griechen, die Vermittlung zwischen Inhalt und Form zu bewerkstelligen und den Römern eine poetische Sprache zu schaffen, die nach Ablegung der früheren Härten und Archaismen geeignet war, die feinsten Nüancirungen des Gedankens darzustellen und griechischen Wohllaut mit römischer Kraft zu verbinden. Hauptrepräsentanten dieser neuen Richtung sind Vergil und Horaz. · Publius Vergilius (so ist die ältere Schreibung der Handschriften und Inschriften statt Virgilius) Maro wurde zu Andes, einem Dorfe bei Mantua, 684 u. 70 v. Chr. geboren. Sein Vater, ein wohlhabender Landmann, der von dem Ertrage eines Landgutes, das er zu Andes besass, lebte, verwandte alle Sorg- . falt auf die Erziehung seines Sohnes, liess ihn zu Cremona unterrichten und schickte ihn, als er die männliche Toga angelegt hatte, zu weiterer Ausbildung nach Mailand und dann nach Neapel, wo er den Unterricht des Dichters und Grammatikers Parthenius genoss. Nach mehrjährigem Aufentbalte in Neapel wandte sich Verg. 707 u. nach Rom, um sich durch den Epikureer Syron, den Freund Cicero's, in die Philosophie und die damit verwandte Mathematik und Physik einweihen zu lassen. Liebe zu den Wissenschaften und zum Landleben sowie eine schwächliche Körperconstitution, die weder den Anstrengungen des Forums noch den Strapazen des Kriegsdienstes gewachsen war, veranlassten ibn auf eine Staatscarriere zu verzichten und sich auf sein Gut zu Andes zurückzuziehen, wo er nun (von 709 u. an) die Freuden des Landlebens mit empfänglichem Sinne genoss und seine Zeit zwischen der Bewirthschaftung seines Gutes und dem Studium griechischer Dichter, besonders des Theokrit, theilte. In diese Zeit fallen wahrscheinlich die dichterischen Jugendversuche Vergil's, die yon den Alten erwäbot werden; doch sind die meisten der kleinen Gedichte, die sich unter seinem Namen erhalten haben (Culex, Ciris,

Copa , Moretum, Dirae, Catalecta , Priapea, Epigrammata) · entschieden nicht von Vergil. Von 712 an aber dichtete

Verg. in Folge einer Aufforderung des C. Asinius Pollio, der als des Antonius Legat das transpadanische Gallien, zu dem Mantua gehörte, verwaltete und nicht nur mit der griechischen und römischen Literatur innigst vertraut war, sondern auch selbst als Redner, Geschichtschreiber und Dichter sich einen Namen in der römischen Literatur erworben hat (vgl. E. 3, 86. 8, 10), bukolische Lieder nach dem Vorbilde des Theokrit. Aus der behaglichen Ruhe, in welcher Verg. bisher gelebt und die 2., 3. und 5. Ekloge gedichtet hatte, wurde er im folg. Jahre durch die Aeckervertheilung, welche Octavian schon 2 Jahre früher den Veteranen versprochen hatte, jetzt aber erst zur Ausführung brachte, gerissen. 18 Städte Italiens mit allen ihren Ländereien waren zur Strafe für ihr Festhalten an der Sache des Brutus und Cassius zu diesem Schicksale verdammt, unter ihnen Cremona, die Nachbarstadt Mantua's. Aber die ungestümen

den Besitz seineersten Ekl, causs Nach glückli

Veteranen hatten von der Freigebigkeit der Sieger noch grössere Belohnungen erwartet und griffen nun, da sie sich in ihren Erwartungen getäuscht sahen, eigenmächtig zu und eigneten sich auch die Gebiete benachbarter Städte an. So wurden die Besitzer der Aecker um Mantua von den Veteranen vertrieben (vgl. E. 9, 28), und auch Vergil sah sich in dem Besitze seines Gutes 'gefährdet. Freilich schützte ihn noch sein Freund und Gönner Asinius Pollio; doch als im Herbste des Jahres 713 der perusinische Krieg ausbrach und Pollio mit seinen Legionen dem L. Antonius zu Hülfe eilte, da blieb dem bekümmerten Dichter Nichts übrig, als sich nach Rom zu begeben und sich Schutz suchend an den Octavianus, auf dessen Gunst er wegen seiner schon im vor. J. gedichteten 5. Ekl. rechnen zu dürfen hoffte, zu wenden. Octavianus erfüllte die Bitte des bedrängten Dichters und sicherte ihm den Besitz seines Guts', wofür ihm Verg. seinen innigsten Dank in der ersten Ekl. aussprach. Doch Vergil's Freude sollte bald getrübt werden. Nach glücklicher Beendigung des perusinischen Krieges übergab Octav. 714 u. das transpadanische Gallien dem Alfenus Varus mit dem Auftrage, das Geschäft der Aeckervertheilung daselbst zu leiten. Da hierdurch die ganze Umgegend von Mantua in neue Besorgniss versetzt wurde, so bat Verg. den Varus, die Mantuaner in ihrem Besitze zu schützen, und versprach ihn dafür in einem Liede zu besingen, s. E. 6, 3. 9, 26. Nichts desto weniger wurde ein grosser Theil des mantuanischen Gebietes den Veteranen überlassen, ja ein gewisser Centurio Arrius bemächtigte sich des andinischen Landgutes und hätte den Verg., der im Vertrauen auf die Zusage des Octav. nicht weichen wollte, beinahe getödtet. Verg. floh also wieder nach Rom, hielt sich einige Zeit in der Villa seines Lehrers Syron verborgen, dichtete hier die 9. Ekl., worin er sein Schicksal bejammert, und übergab sie dem Octav., als dieser nach Rom zurückkehrte; doch sogleich erreichte Verg. seinen Zweck nicht, denn Octav. hatte damals vollauf zu thun, um sich zu dem drohenden Kriege mit dem M. Antonius zu rüsten. Als aber durch Vermittlung des Pollio und des Maecenas der brundisinische Vergleich zu Stande kam und Pollio den Verg. dem Maecenas empfahl, erhielt Verg. sein Landgut zurück. Zum Danke für diese freundschaftliche Verwendung und im freudigen Gefühl der so glücklich beseitigten Gefahr eines Krieges zwischen Octav. und Antonius dichtete Verg. darauf die

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